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Fussball

Letzte Ausfahrt nach Südafrika

Von Marcus Giebel
Die Angst vor der Blamage: Thierry Henry und Frankreich zittern um das WM-Ticket
© Getty

Zwei Spiele noch. 180 Minuten, in denen sich alles entscheidet. Welche Nationalteams sichern sich die letzten vier europäischen Tickets für die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent? Wer darf sich im nächsten Sommer mit den besten Mannschaften der Welt messen und wer muss den Urlaub buchen? Am Samstag (16.45 im LIVE-TICKER) und Mittwoch greifen acht Nationen nach dem letzten Strohhalm. SPOX hat die Playoff-Teilnehmer genauer unter die Lupe genommen.

Duell I: Irland - Frankreich

14. November, 21 Uhr im Croke Park (Dublin)

18. November, 21 Uhr im Stade de France (Saint-Denis)

Die WM-Qualifikation

Irland: Das Team von der Grünen Insel qualifizierte sich als einziger Teilnehmer ohne Niederlage für die Playoffs. Dabei gewann Irland jedoch nur vier der zehn Partien - jeweils zweimal gegen Zypern und Schlusslicht Georgien. Da nicht nur die Partien gegen Staffel-Sieger Italien, sondern auch die gegen Bulgarien und Neuling Montenegro stets Remis endeten, konnte die Mannschaft von Giovanni Trapattoni dessen Landsleute in der Gruppe 8 kaum in Gefahr bringen.

Frankreich: Die Zusatzrunde eingebrockt hat sich die Equipe durch einen katastrophalen Start mit der Auftaktniederlage gegen Österreich (1:3) und den beiden Unentschieden gegen schwächelnde Rumänen (2:2, 1:1). Da mit Ausnahme der Serben kein anderes Team in der Gruppe 7 konstant die Qualifikation absolvierte, war der zweite Platz aber kaum in Gefahr.

Die direkte Bilanz

Zwölfmal standen sich Irland und Frankreich gegenüber. Die Premiere am 23. Mai 1937 ging mit 2:0 an Irland. Seither haben die Franzosen die Bilanz jedoch umkehren können: Fünf Erfolge stehen für die Equipe Tricolore zu Buche - bei vier Niederlagen und drei Unentschieden.

Was zudem für die Grande Nation spricht: Irland traf ziemlich genau vor 28 Jahren und einem Monat letztmals in ein französisches Tor, beim 3:2 am 14. Oktober 1981 in der WM-Quali. In den zwischenzeitlichen drei Vergleichen gab es ohnehin nur einen Treffer zu bejubeln. Thierry Henry schoss Frankreich am 7. September 2005 zum wichtigen Auswärtssieg in der WM-Ausscheidung für das Turnier in Deutschland.

Bisherige Erfolge

Irland: Einen internationalen Titel durften sich die Iren noch nicht in die Vitrine stellen. Immerhin blicken The boys in green auf drei WM-Teilnahmen zurück. Der größte Erfolg sprang bei der Premiere 1990 in Italien heraus, als erst im Viertelfinale gegen den Gastgeber Schluss war. 1994 und 2002 schaffte das Team ebenfalls den Sprung in die K.o.-Phase, musste aber schon im Achtelfinale die Segel streichen. Das beste Ergebnis bei einer EM liegt schon 45 Jahre zurück, als nach zwei Niederlagen gegen den späteren Champion Spanien das Aus in der Runde der besten acht Mannschaften kam.

Frankreich: Den größten Erfolg der Verbandsgeschichte feierten Les Bleus bei der WM 1998 im eigenen Land, als Zinedine Zidane das Team gegen Brasilien zum Titel köpfte. In Europa waren die Franzosen zweimal die Nummer eins: 1984 und 2000, als die Mannschaft nach dem Double als beste Auswahl der Welt galt. Bei den vier WM- beziehungsweise EM-Turnieren danach konnte man jedoch nur 2006 in Deutschland als Vize-Champion an diese Erfolge anknüpfen.

Stärken

Irland: Das Prunkstück der irischen Elf ist die Defensive. Nur beim 2:2 im Heimspiel gegen Italien mussten die Kicker von der Insel mehr als einen Gegentreffer hinnehmen. Insgesamt waren es lediglich acht in zehn Partien. Diese Statistik ist kein Zufall: Denn Irland setzt auf das Motto "safety first". Hauptsache hinten steht die Null, über gefährliche Konter oder einer Standardsituation ist das Team dennoch immer für ein Tor gut.

Frankreich: Auch die Equipe kann sich auf eine sichere Abwehr verlassen. Die Viererkette wird wirkungsvoll vom defensiven Mittelfeld unterstützt. Auf dieser Position hat die Grande Nation ein schier unerschöpfliches Kontingent an verschiedenen Spielertypen - von Jeremy Toulalan über Alou und Lassana Diarra bis Abou Diaby.

Schwächen

Irland: Probleme haben die Iren vor allem, wenn sie selbst das Spiel machen müssen. Gerade im zentralen Mittelfeld ist das Team nicht erstklassig besetzt, es fehlt häufig an Kreativität. In der Offensive ist die Mannschaft zu sehr von der Form ihres Torjägers Robbie Keane abhängig.

Frankreich: Obwohl die Franzosen im Angriff mit international bekannten Stars gespickt sind, erzielte die Elf in sechs der zehn Qualifikations-Spiele nicht mehr als einen Treffer. Gerade in den Heimspielen kreiert die Mannschaft zu wenige Möglichkeiten. Hat sich der Gegner auf das französische Spiel eingestellt, finden les Bleus kaum ein Erfolg versprechendes Mittel.

Die Stars

Irland: Der Führungsspieler der Iren ist zweifellos Stürmer Keane. Mit 40 Treffern ist der 29-Jährige von Tottenham Hotspur Rekordtorschütze der Nationalmannschaft. Seine vier Tore in der WM-Qualifikation sicherten dem Team immerhin sechs Zähler.

Neben dem Kapitän ragen zwei Defensivakteure heraus: Torwart Shay Given stand schon hundertmal im Tor der Auswahl. Auch in der englischen Premier League hat sich der 33-Jährige - derzeit bei Manchester City unter Vertrag - längst etabliert.

Genauso wie Abwehrchef Richard Dunne, der 2007 zu Irlands Fußballer des Jahres gekürt wurde und seit Sommer bei Aston Villa spielt. Der 30-Jährige hält nicht nur die Abwehr zusammen, sondern ist wegen seiner Kopfballstärke auch immer wieder ein Unruheherd bei Standardsituationen.

Frankreich: In Abwesenheit des am Knie verletzten Franck Ribery liegt die Hoffnung im Mittelfeld auf dem aufstrebenden Yoann Gourcuff. Der 23-Jährige führte Girondins Bordeaux im Sommer zum Meistertitel und wird auch für die Equipe durch seine Qualitäten als Spielgestalter immer wichtiger.

Zudem setzen die Franzosen auf zwei Offensivkräfte, die ihr Geld in der Primera Division verdienen. Thierry Henry ist nach seinen vier Treffern in der WM-Qualifikation mit nun 51 Toren bester Schütze der Nationalmannschaft.

Ein Mann der Zukunft ist hingegen Karim Benzema, der in dieser Saison für Real Madrid aufläuft und in den vergangenen beiden Partien für Frankreich erfolgreich war. Mit seiner Dribbel- und Abschlussstärke ist der 21-Jährige der legitime Nachfolger Henrys.

Der Trainer

Giovanni Trapattoni: Der 70-Jährige blickt auf eine knapp 30-jährige Karriere als Trainer zurück, wobei er zu den erfolgreichsten seiner Zunft zählt. Er gewann Meistertitel in seinem Heimatland Italien, Deutschland, Portugal sowie Österreich und durfte bereits alle drei europäischen Vereinspokale (Europapokal der Landesmeister, Europapokal der Pokalsieger, UEFA-Pokal) hochheben. Zudem errang Trapattoni 1985 den Weltpokal. Sein Debüt als Nationaltrainer gab er 2000 für die Squadra Azzurra, mit der er jedoch bei den folgenden beiden Großereignissen früh scheiterte. Das irische Nationalteam übernahm der Maestro am 13. Februar 2008.

Raymond Domenech: Der 57-Jährige ist seit dem 12. Juli 2004 - also direkt nach der EURO in Portugal - für die Equipe zuständig. In den 20 Jahren zuvor trainierte er französische Vereine und diverse Jugend-Nationalmannschaften - bei jeder Station war Domenech mehrere Jahre tätig. Trotz seiner erfolgreichen Zeit bei der Nachwuchsabteilung wird ihm immer wieder vorgeworfen, vor allem auf altgediente Spieler zu setzen und dem Nachwuchs kaum eine Chance zu lassen. Sein größter Erfolg war der Vize-Titel bei der WM 2006.

Prognose

Es werden zwei enge Spiele, doch letztlich sollte sich die Klasse des Vize-Weltmeisters durchsetzen, zumal Frankreich die besseren Einzelspieler besitzt. Auf der Insel sollte es zu einem Unentschieden reichen, im Rückspiel müssen die Iren dann ihre erste Niederlage in der Qualifikation zur WM 2010 hinnehmen. Diese bedeutet zugleich allerdings auch die Zuschauerrolle im kommenden Sommer.

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