Fussball

Toni Kroos von Real Madrid exklusiv vor LaLiga-Restart: "Wir können nur hoffen, dass Barcelona was liegenlässt"

Von Michael Reis
Blickt dem Restart in der Primera Division erwartungsvoll entgegen: Real Madrids Mittelfeldregisseur Toni Kroos.

Nach der Bundesliga ist die Primera Division die erste europäische Top-Liga, die nach der durch das Coronavirus erzwungenen Pause den Spielbetrieb wieder aufgenommen hat. Im exklusiven Gespräch mit DAZN und SPOX spricht Toni Kroos vor dem Spiel von Real Madrid gegen Eibar am Sonntag (ab 19.30 Uhr live auf DAZN) über den Restart, den Meisterschaftskampf mit dem FC Barcelona, sein neues Hobby, Dortmunds Mario Götze und mögliche Neuzugänge wie Mbappe, Sancho oder Havertz.

Mehr als drei Monate ist es mittlerweile her, als Toni Kroos zuletzt mit Real Madrid ein Pflichtspiel bestritten hat. Damals verlor er mit den Königlichen nicht nur mit 1:2 bei Real Betis, sondern in der Folge auch die Tabellenführung an den FC Barcelona. Die Niederlage sieben Tage nach dem mit 2:0 gewonnenen Clasico gegen die Katalanen habe einmal mehr "die mangelnde Konstanz" von Real in dieser Spielzeit gezeigt.

"Das ist das, was uns noch ein bisschen fehlt. Sonst wären wir als Tabellenführer in die Corona-Pause gegangen. Aber das ist jetzt abgehakt", versichert der Nationalspieler, der jedoch auch zugab, dass der Verlust der Spitzenposition in der Primera Division einen faden Beigeschmack hat: "Wir können nur hoffen, dass Barcelona etwas liegenlässt."

Die Entscheidung über den Gewinn der Meisterschaft wird nach Meinung des 30 Jahre alten Mittelfeldspielers auch über die tiefe des Kaders gehen. Es komme "sicherlich" darauf an, "wer weniger Verletzte hat. Da wird man jeden Spieler brauchen. Das Team, das mit dieser ungewohnten Situation am besten umgeht, wird am Ende auch Meister."

Real Madrid: Transfergerüchte? Kroos: "In 80 Prozent aller Fälle ist es anders gekommen"

Wie es aktuell um die körperliche Verfassung der Real-Mannschaft bestellt sei, wollte Kroos jedoch nicht abschätzen: "Das werden die Spiele zeigen. Denn den Wettkampf kann man im Training nicht wirklich simulieren. Man kann sich lediglich so gut es geht vorbereiten. Am ersten Spieltag sehen wir, wie weit wir sind."

Er selbst habe während der Corona-Pause "möglichst viel Sport treiben" wollen und sich daher sogar einen Boxsack zugelegt. "Das ist eine andere körperliche Erfahrung und sehr anstrengend. In einem Boxring würde ich keine vier Runden durchhalten", sagt Kroos über sein neues Hobby.

Nun liege sein Fokus aber wieder einzig und allein auf Fußball und die Titeljagd mit den Königlichen, die in der zweiten Amtszeit von Trainer Zindedine Zidane bis dato bis auf den Gewinn der Supercopa wenig erfolgreich verläuft. Auch deshalb stand der bei Real in seiner ersten Amtsperiode von 2016 bis 2018 so erfolgreiche Champions-League-Garant auf der Trainerbank vor der Corona-bedingten Saisonunterbrechung in der Kritik.

Kroos sehe jedoch "kaum Unterschiede" zur ersten Amtszeit von Zidane bei Real Madrid: "Er musste nicht viel verändern. Es gibt viele Automatismen, vor allem im Training, die sehr ähnlich sind. Wichtig ist es, eine gewisse Konstanz reinzubekommen. Dann ist es absolut möglich, Meister zu werden."

Wie der Kader sich nach der laufenden Saison entwickeln wird und ob sich die immer wieder mit Real in Verbindung gebrachten Supertalente Kylian Mbappe, Jadon Sancho oder Kai Havertz den Königlichen anschließen könnten, wagte er hingegen nicht zu prognostizieren: "Die Spieler sind für viele Klubs interessant, weil sie jung sind und eine Qualität haben. Aber ich habe in meinen sechs Jahren in Madrid schon so viele Namen gehört, die kommen und gehen sollten, und in 80 Prozent aller Fälle ist es anders gekommen."

Primera Division: "Black Lives Matter"? Kroos: "Nicht ausschließen und erst recht nicht verurteilen"

Gut vorstellen könne sich Kroos hingegen eine Solidarisierung von Fußballprofis zum Re-Start der Primera Division mit der "Black Lives Matter"-Bewegung, die sich gegen Polizeigewalt und gegen Rassismus einsetzt. Nach dem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd in Polizeigewahrsam war es besonders in den USA zu teils heftigen Protesten und Zusammenstößen gekommen.

"Das kann man nicht ausschließen und erst recht nicht verurteilen. Es ist eigentlich unfassbar, dass solche Taten immer noch passieren. Aber gut, dass jetzt ein Umdenken stattfindet. Ich hoffe, dass wir damit den Betroffenen auch ein Stück weit helfen können", sagte Kroos.

Toni Kroos: Spielerstatistiken bei Real Madrid in der Saison 2019/20

WettbewerbSpieleToreTorvorlagen
Primera Division2435
Champions League512
Copa del Rey2-2
Supercopa21-

Toni Kroos über...

... das Training bei Real Madrid: "Wir sind erst seit der vergangenen Woche im Mannschaftstraining. Davor war die Arbeit in Kleingruppen geregelt. Es ist gut, dass es jetzt endlich wieder losgeht."

... seinen Zeitvertreib während der Corona-Pause: "Wenn man zehn Wochen zuhause verbringen muss, ist Kreativität gefragt. Das macht jeder auf seine Art und Weise. Ich wollte möglichst viel Sport treiben und habe mir zum Beispiel einen Boxsack zugelegt. Das ist eine andere körperliche Erfahrung und sehr anstrengend. In einem Boxring würde ich keine vier Runden durchhalten."

... Bedenken, die Saison wieder zu starten: "Die Zahlen in Spanien waren deutlich schlimmer als in Deutschland. Deswegen war die Pause auch größer. Noch ist hier alles wieder im Aufbau, aber alle wollen gerne zur Normalität zurückkommen und dazu gehört eben der Fußball. Wir hoffen, dass der Ablauf so funktioniert, wie es in Deutschland der Fall ist."

... die Austragung der Heimspiele im Stadion Alfredo di Stefano: "Unsere zweite Mannschaft spielt dort und das Stadion steht auf unserem Trainingsgelände. Die Maße vom Feld entsprechen ungefähr denen im Santiago Bernabeu. In meinen Augen ist das eine schlaue Entscheidung. Wenn eh keine Fans kommen dürfen, muss man auch nicht in einem Stadion für 80.000 Zuschauer spielen. Zumal dort dann ungestört weitergebaut werden kann."

... den Meisterschaftskampf mit dem FC Barcelona: "Wir spielen in dieser Saison nicht mehr gegeneinander. Wir können daher nur hoffen, dass Barcelona was liegenlässt. Bei dem engen Terminkalender kommt es sicherlich auf den Kader an und darauf, wer weniger Verletzte hat. Da wird man jeden Spieler brauchen. Das Team, das mit dieser ungewohnten Situation am besten umgeht, wird am Ende auch Meister. So etwas gab es noch nie."

... die Konzentration und den Fokus auf den Re-Start: "Das ist gar nicht so schwierig. Denn bei allen herrscht eine gewisse Vorfreude, endlich wieder Wettkampf zu haben. Es wird eine andere Motivation sein, weil wir nicht mehr vor 80.000 Zuschauer spielen. Aber man muss sich bewusst machen, dass es dennoch um sehr viel geht, auch wenn die Spiele einen gewissen Trainings-Charakter haben."

... die zweite Amtszeit von Trainer Zinedine Zidane: "Ich sehe kaum Unterschiede im Vergleich zur ersten Amtszeit, in der er sehr erfolgreich war. Er musste auch nicht viel verändern. Es gibt viele Automatismen, vor allem im Training, die sehr ähnlich sind. Wichtig ist es, eine gewisse Konstanz reinzubekommen. Dann ist es absolut möglich, Meister zu werden."

... den Sieg im Clasico vor der Corona-Pause: "Das war zu dem Zeitpunkt ein ganz wichtiger Sieg - für uns und für die Fans. Aber gleich eine Woche später hat sich mit der Niederlage bei Betis Sevilla die mangelnde Konstanz gezeigt. Das ist das, was uns noch fehlt. Sonst wären wir als Tabellenführer in die Corona-Pause gegangen. Aber das ist jetzt abgehakt, wir liegen ja nur zwei Zähler zurück. "

... die Ziele zum Saisonende: "Bei Real Madrid sollte es schon immer zumindest ein Titel sein, wenn wir von einer gelungenen Saison sprechen wollen. Ohne Titel ist die Saison zwar nicht gleich automatisch schlecht, aber das letzte Jahr war einfach nicht gut."

... einen möglichen Wechsel von Mario Götze nach Spanien: "Ich habe ihn in der letzten Zeit überhaupt nicht spielen gesehen. Das liegt nicht nur daran, dass er wenig eingesetzt wird, sondern dass ich so wenig Bundesliga schaue. Deswegen kann ich nicht einschätzen, wo er aktuell hinpassen könnte."

... mögliche Transfers von Kylian Mbappé, Jadon Sancho oder Kai Havertz zu Real Madrid: "Ich weiß nicht, welche Wünsche der Klub hat und welche finanziellen Ausgaben möglich sind. Die Spieler sind für viele Klubs interessant, weil sie jung sind und eine Qualität haben. Aber ich habe in meinen sechs Jahren in Madrid schon so viele Namen gehört, die kommen und gehen sollten, und in 80 Prozent aller Fälle ist es anders gekommen."

... mögliche Solidarisierung der spanischen Profis mit "Black Lives Matter": "Ich könnte mir vorstellen, dass sich auch in der spanischen Liga Spieler damit solidarisieren. Das kann man nicht ausschließen und erst recht nicht verurteilen. Es ist eigentlich unfassbar, dass solche Taten immer noch passieren. Aber gut, dass jetzt ein Umdenken stattfindet. Ich hoffe, dass wir damit den Betroffenen auch ein Stück weit helfen können."

... die hochgelobte Chicago-Bulls-Dokumentation "The Last Dance" auf Netflix: "Mir fehlte zuhause mit drei Kindern bislang die Zeit dazu. Und wenn ich eine Serie anschaue, dann möchte ich sie auch schnell bis zum Ende ansehen. Deshalb habe ich absichtlich noch nicht damit angefangen. Aber wenn das Reisen und die Hotelaufenthalte wieder losgehen, dann habe ich mir das fest vorgenommen."

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