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Fussball

Halb voll, halb leer

Dortmund ging in der ersten Halbzeit durch ein Tor von Henrikh Mkhitaryan in Führung
© getty

Borussia Dortmund hat den Supercup 2014 und damit den ersten Titel der Saison gewonnen. Das 2:0 des BVB zeigte: Bei den Schwarzgelben stimmt die Richtung, dem FC Bayern München fehlt noch die Wettkampfmentalität. Aber: Beide Mannschaften kämpfen weiterhin gegen die Zeit.

Die Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer Dortmund): "Wir haben für die Phase, in der wir uns befinden, ein ganz, ganz tolles Spiel gemacht. Wir waren gegen den Ball extrem stark, haben hoch und mutig verteidigt. Ich habe keinen meiner Spieler gesehen, der nicht gut war. Aber auch wir benötigen noch Zeit. Wir sind jetzt Rekord-Supercup-Gewinner. Gibt Schlimmeres. Da machen wir ein T-Shirt draus."

Pep Guardiola (Trainer FC Bayern): "Man hat gesehen, dass wir noch Zeit brauchen. Wir haben probiert, gut zu spielen, aber hatten Probleme mit der Spielkontrolle. Wir müssen noch viel trainieren, sind aber hinter der Zeit. Ich bin mir sicher, dass wir bis zur Pause im Winter Probleme haben werden - erst in der Rückrunde werden wir in Topform sein."

Philipp Lahm (FC Bayern): "Viele Spieler sind erst kurz im Training, es ist also normal, dass wir Zeit brauchen. Es war heute nicht so einfach. Wir sind mitten in der Vorbereitung, erst nach ein paar Spielen ist man wieder voll im Rhythmus."

Robert Lewandowski (FC Bayern): "Das war das erste Spiel und die Vorbereitung war schwer. Wir wollten gewinnen, aber heute hat der BVB besser gespielt. Wir müssen uns jetzt fokussieren auf das nächste Spiel im Pokal, ich glaube, dass das viel, viel besser wird. Ich hoffe, dass das bei Javi keine schlimme Verletzung ist."

Nachbetrachtung:

So kann es gehen: Nachdem sich die Klub-Bosse von Borussia Dortmund und Bayern München im Vorfeld der Supercup-Begegnung das nächste unsägliche Verbal-Scharmützel geliefert hatten, stand für BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fest, nicht zum von der DFL organisierten Essen der Vereinsoberen zu erscheinen.

Zu tief saß offenbar sein Frust über Karl-Heinz Rummenigges Aussagen zur Ausstiegsklausel in Marco Reus' Vertrag. Doch letztlich mussten die Herren der Deutschen Fußball-Liga alleine speisen, da Rummenigge zu lange in einem Stau steckte.

Da sich die sportlich Verantwortlichen beider Klubs am Spieltag nicht die Blöße gaben, diesem fragwürdigen Schlagabtausch ein nächstes Kapitel hinzuzufügen, kann die Partie, die der BVB mit 2:0 für sich entschied, auch rein sportlich bewertet werden.

Nach den 90 Minuten am Mittwochabend lässt sich festhalten: In der aktuellen Phase der Vorbereitungszeit ist für Dortmund das Glas halb voll, für die Münchner halb leer. Beide Teams mussten sich mit dem Umstand anfreunden, dass zum Trainingsauftakt vor rund fünf Wochen nur eine Handvoll Akteure auftauchten. Die auf beiden Seiten zahlreichen Nationalspieler trudelten erst nach und nach ein, die Vorbereitung verlief daher sehr bruchstückhaft.

Unter dem Strich ist es für beide Mannschaften ein Kampf gegen die Zeit, den man vielleicht nicht ganz gewinnen, dafür aber ertragreich gestalten kann. Am kommenden Wochenende startet die Pflichtspielphase mit dem Auftakt im DFB-Pokal erst so richtig.

Bis beide Teams und vor allem die WM-Fahrer aber die hundert Prozent an Leistungsfähigkeit vollmachen, werden bereits einige Partien absolviert sein. Bis dahin muss man sich demnach so gut es geht durch die ersten Aufgaben manövrieren.

Das tat der BVB 88 Tage nach der Pleite im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern recht gut. Die 0:4-Testspielklatsche beim FC Liverpool am letzten Sonntag erwies sich wie von Trainer Jürgen Klopp angekündigt als gute Therapiemaßnahme.

Im Mittelpunkt der Auftritte der Borussia steht weiterhin das Spiel gegen den Ball. Dieses klappte gegen die Bayern bereits mit einer ordentlichen Konsequenz, kein Vergleich zum halbgaren Auftritt an der Anfield Road.

Dortmunds Formation stand hoch im Feld und presste früh sowie mutig. Läuferisch waren die Schwarzgelben voll da. Das Ergebnis waren frühe Ballgewinne, nach denen die Klopp-Elf ihre Explosivität wie eh und je ausspielte.

Die Richtung beim BVB stimmt also, wenn auch Klopp sofort die Bremse reinhaute: "Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin müssen", sagte der Coach. Sein aktuelles Zwischenfazit: "Wenn wir schlecht spielen, verlieren wir. Wenn wir gut spielen, können wir gewinnen. Das ist doch schon mal ein Anfang."

Die Bayern dagegen erlebten in Dortmund ihr Liverpool. Wie beim BVB in England war dem Rekordmeister im Signal Iduna Park eine fehlende Wettkampfmentalität zu attestieren.

Früh hatte die Elf von Pep Guardiola, die zum Großteil aus jenen Spielern bestand, die weite Teile der bisherigen Vorbereitung absolvieren konnten, viel Ballbesitz. Die Kontrolle über das Spiel konnten sich die Roten damit aber nicht erarbeiten.

Dortmunds gutes und tiefes Pressing verhinderte die Anbindung der einzelnen Mannschaftsteile, die Passstafetten zogen kaum Raumgewinne nach sich. Mit zunehmender Spieldauer standen die Bayern zu tief, hinzu kam eine gewisse Müdigkeit.

München war am Mittwochabend anzumerken, wie sehr Guardiola in dieser Phase personell dazu gezwungen ist, sowohl eine schlagkräftige Truppe aufs Feld schicken, als auch die Wettkampfbelastung der Nachzügler erhöhen zu müssen. Die Verletzung von Javi Martinez, der große Teile der Vorbereitung mitgemacht hatte, wiegt da doppelt schwer.

"Wir brauchen noch Zeit", sagte Guardiola nach seiner dritten Niederlage gegen den BVB als Bayern-Trainer. Eine Erkenntnis, zu der er den Auftritt beim Supercup wohl nicht zwingend gebraucht hätte - und eine, die Klopp trotz der ansprechenden Leistung ebenfalls unterschreiben würde.

Borussia Dortmund - FC Bayern München: Die Statistik zum Spiel

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