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Lucas Hernandez zurück - und jetzt? Das Abwehrpuzzle beim FC Bayern

Lucas Hernandez (l.) kam gegen RB Leipzig für Jerome Boateng ins Spiel.

Beim 0:0 im Spitzenspiel gegen RB Leipzig erstmals nach mehrmonatiger Verletzungspause eingewechselt, erweitert Lucas Hernandez die Optionen in der zuletzt dünn besetzten Hintermannschaft des FC Bayern. Wie plant Trainer Hansi Flick in den kommenden Wochen mit dem 80-Millionen-Mann?

SPOX und Goal zeigen drei verschiedene Aufstellungsvarianten, die sich Flick mit dem Hernandez-Comeback bieten.

Variante 1: Drei Linksfüßer in der Viererkette

Weil David Alaba in den 15 bisherigen Pflichtspielen unter Flick in seiner ungewohnten Rolle als Innenverteidiger überzeugte und Alphonso Davies auf Alabas angestammter linken Abwehrseite auftrumpfte, wäre die naheliegendste Option, Hernandez in der Innenverteidigung neben Alaba aufzubieten. Das Problem an dieser Variante: Mit dem Franzosen würde die Viererkette der Münchner aus drei Linksfüßen bestehen - eine eher unkonventionelle Aufteilung, die gerade unter Gegnerdruck Risiken im Spielaufbau bergen kann.

"Ich habe auf diesem Niveau noch nicht zwei Linksfüßer in der Innenverteidigung gesehen", meinte Alaba zuletzt, sagte aber auch: "Mit der Qualität, die wir in unserer Mannschaft haben, ist vieles möglich."

Ein weiterer Nachteil an einer aus Hernandez und Alaba bestehenden Innenverteidigung: Sie wäre in Luftduellen unterlegen. Beide Spieler sind nur knapp 1,80 Meter groß. Der zuletzt wieder erstarkte Jerome Boateng (1,92 Meter) köpfte mit seiner phyischen Präsenz vor allem gegen Hertha BSC und Mainz 05 einige Bälle aus der Gefahrenzone. Daher sah Flick auch keinen Grund, etwas an seiner Viererkette zu ändern. Benjamin Pavard blieb hinten rechts, wodurch sich der von Real Madrid ausgeliehene Winter-Neuzugang Alvaro Odriozola bis auf einen Kurzeinsatz im DFB-Pokal bis dato ausschließlich mit der Reservistenrolle begnügen musste.

Variante 2: Davies als Linksaußen

Zweikampfmonster und Dauersprinter Davies ist in seiner aktuellen Verfassung nicht aus der Startelf der Bayern wegzudenken. Um Hernandez in seine Viererkette zu integrieren, könnte Flick die Rolle des neuen Publikumslieblings aber anpassen und ihm die linke Offensivseite überlassen. Eine Rückkehr auf seine gelernte Position regte Davies selbst schon Anfang Januar an, als er in einem Interview mit der kanadischen Zeitung Edmonton Sun sagte: "Aktuell spiele ich Verteidiger, aber hoffentlich stellen sie mich irgendwann wieder nach vorne."

Da sich Serge Gnabry aktuell nicht in seiner Bestform präsentiert, Kingsley Coman nach seiner langen Abwesenheit noch der Spielrhythmus abgeht und Ivan Perisic aufgrund einer Knöchelverletzung ohnehin noch wochenlang pausieren muss, wäre eine solche Umstellung durchaus denkbar. Sie würde vor allem ein probates Mittel gegen defensivstärkere Gegner mit besseren und schnelleren Außenverteidigern darstellen. Davies kommt ob seiner Schnelligkeit häufig an die Grundlinie und arbeitet - anders als so manche Offensivkraft - konsequenter mit nach hinten. Eigenschaften, die es auf dem höchsten europäischen Level braucht. Nicht auszuschließen, dass diese Variante speziell für die Duelle mit dem FC Chelsea im Champions-League-Achtelfinale am 25. Februar und 18. März interessant werden könnte. Flick kann von vielen flexiblen Akteuren Gebrauch machen. Hernandez selbst ist wie Alaba sowohl innen als auch außen einsetzbar.

DatumUhrzeitGegnerWettbewerb
16. Februar15.30 Uhr1. FC Köln (A)Bundesliga
21. Februar20.30 UhrSC Paderborn (H)Bundesliga
25. Februar21 UhrFC Chelsea (A)Champions League
29. Februar20.30 UhrTSG Hofenheim (A)Bundesliga
8. März15.30 UhrFC Augsburg (H)Bundesliga
14. März18.30 UhrUnion Berlin (A)Bundesliga
18. März21 UhrFC Chelsea (H)Champions League

Variante 3: Hernandez als Herausforderer

Flick gilt keineswegs als experimentierfreudig. Ein Systemwechsel mitten in der Saison dürfte für ihn keine Option darstellen, riskante Startelfwechsel ebenso wenig. Der Nachfolger von Niko Kovac schreckt auch nicht vor großen Namen zurück, würde Philippe Coutinho anderenfalls wohl anstelle von Leon Goretzka auf der Zehner-Position agieren. Daher ist es durchaus möglich, dass auch Hernandez sich erst einmal unterordnen und Boateng den Platz in der Startelf mit guten Trainingsleistungen streitig machen muss. Zur Erinnerung: Der 23-Jährige war wegen eines Innenbandrisses im rechten Sprunggelenk über drei Monate außen vor und hatte bereits zuvor einige kompliziertere Verletzungen erlitten - möglicherweise auch aus Gründen der Überbelastung.

Eine umso bessere Nachricht ist für Flick also die aktuelle Verfassung von Boateng, denn so kann er Hernandez behutsam und ohne Not für die heiße Phase der Saison aufbauen. "Konkurrenzkampf ist wichtig. Das weiß Lucas. Er hat enorme Qualitäten. Wir müssen gucken, dass wir ihn auf den Stand bringen, wie er vor der Verletzung war", kündigte der Bayern-Trainer zuletzt schon an.

Dass der teuerste Neuzugang der Klubgeschichte dauerhaft die Bankrolle einnimmt, ist aufgrund seines Alters, seiner Qualitäten in Sachen Schnelligkeit und Aggressivität und nicht zuletzt wegen seiner Ablöseusmme kein realistisches Szenario. Der Vorstand des Rekordmeisters hatte im Sommer 80 Millionen Euro mit dem Gedanken an Hernandez' Jugendverein Atletico Madrid überwiesen, den Weltmeister zum neuen Abwehrchef zu küren. Neben Niklas Süle versteht sich. Der wird aufgrund seines Kreuzbandrisses aber wohl nicht mehr in dieser Saison eingreifen. Und wenn doch, hätte Flick eine noch größere Qual der Wahl.

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