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BVB-Neuzugang Jayden Braaf: Ist er wirklich ein neuer Sancho?

Jayden Braaf

Jayden Braaf ist die neueste Entdeckung von Borussia Dortmund. Der 19 Jahre alte Flügelspieler unterschrieb bis 2025. Dass er wie Jadon Sancho von Manchester City kam und es auffällige Ähnlichkeiten gibt, lassen Vergleiche zu. Aber es gibt entscheidende Unterschiede zum ehemaligen Dortmunder.

Manchmal dauert es einen Moment, um alle Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen. Die Jugend von heute würde sagen, dass es einen Snap dauert. Die dazu gehörige App heißt Snapchat, bei der man kurzweilige Nachrichten raussenden kann, um mitzuteilen, was man gerade so macht, denkt, fühlt, isst, trinkt, usw.

Jayden Braaf wollte auch, dass die Welt weiß, was er fühlt, als er am 4. Januar 2020 nicht zum Aufgebot von Manchester City im FA-Cup gegen Port Vale gehörte. "I must score 100 times to make senior debut man, damn", schrieb Braaf. "Ich muss 100 Tore schießen, um mein Debüt bei den Profis zu geben. Verdammt!"

Dass ein junger Fußballer unbedingt in der Profi-Mannschaft seines Klubs stehen will, darf man natürlich nicht verurteilen. Ob es aber eine gute Idee ist, die Kommunikation über die sozialen Medien zu gestalten, ist fraglich. Vor allem, wenn man eine Vorgeschichte hat.

Klar ist, dass dieser Jayden Braaf ein extrem spannender Neuzugang für den BVB ist. Wer den Niederländer einmal spielen sieht, muss wieder hingucken. Man kann nicht wegsehen, wie er den Ball behandelt, mit welcher Schnelligkeit er Gegner ausspielt und seine Gegenspieler einfach oft dumm aussehen lässt.

BVB-Neuzugang Jayden Braaf: Warum lässt ihn ManCity einfach ziehen?

Der 19-Jährige kann Tore schießen und Tore auflegen. Er kann alles, was ein Flügelspieler können muss. Doch warum lässt dann ein Klub wie Manchester City, der vier Jahre Herzblut und Ausbildung in ein Wunderkind steckte, einfach ziehen? Warum gar ablösefrei, wenn er noch einen Vertrag bis 2023 hat und man Ablöse generieren könnte?

Und vor allem, warum ausgerechnet Manchester City, das mit dem viel zu günstigen Verkauf von Jadon Sancho 2017 nach Dortmund heute noch leidet? Die Antwort ist vielfältig wie einfach. Braaf hat ein wahnsinniges Talent, aber er ist sich so sehr im Klaren darüber, dass eine realistische Einschätzung und Vorgehensweise nicht mehr gegeben war.

Bei ManCity war man sich durchaus bewusst, wie gut Braaf ist. Und Pep Guardiola holte den Youngster auch wiederholt zu den Profis. Braaf schaffte es nicht nur mit seinen Fähigkeiten zu beeindrucken, sondern auch die Superstars sowie das Trainerteam irritiert zurückzulassen.

BVB-Neuzugang Jayden Braaf: Die ManCity-Profis waren irritiert

Nicht, weil er so gut kickte, sondern vielmehr, weil die Einstellung nicht stimmte. Einmal soll er sich darüber beschwert haben, dass er als Linksverteidiger in einem Trainingsspiel eingesetzt wurde, heißt es. Zu oft ließ er es locker angehen. "Ach was, ich kanns' doch", hieß das Motto.

Aber bei Manchester City müssen selbst die hochdekorierten Profis jeden Tag um ihren Platz kämpfen. Über 100 Millionen Euro Ablöse genügen nicht, um Jack Grealish zum Stammspieler zu machen. Viele Verdienste genügen nicht, um Ilkay Gündogan in der Startelf zu halten. Dass da so ein junger Hüpfer kommt und so tut, als ginge das alles so einfach, soll selbst die Spieler genervt haben.

Es ist wohl seinem ausgesprochen großen Talent zu verdanken, dass er dennoch wieder kommen durfte. Vielleicht hatte er sich gebessert? Vielleicht wurde er geerdeter? Jedes Mal wurde man aufs Neue enttäuscht.

Ohne je auf Profiniveau gespielt zu haben, sagte er 2020 in einem Interview: "Ich hoffe, dass ich in der nächsten Saison irgendwo in einer ersten Mannschaft spielen kann. Bei Manchester City oder anderswo, wir werden sehen. Viele Leute reden mit mir, ich muss weitermachen und diese Saison ist wichtig." Da hat es einer eilig.

BVB-Neuzugang Jayden Braaf: Ist er nun ein neuer Sancho?

Womöglich hatte man bei Manchester City irgendwann die Gewissheit, dass Braaf trotz außergewöhnlichen Fähigkeiten, auf der mentalen Ebene niemals das Niveau erreichen wird, damit man ihm eine Chance geben kann. Man nahm es in Kauf, dass ein zweiter Sancho-Fall aufkommen kann.

Es gibt in der Art und Weise des Spiels verblüffende Ähnlichkeiten. Es gibt viele gemeinsame Stärken, aber es gibt eben auch Unterschiede. Sancho war auch kein Kind von Traurigkeit, aber perspektivisch traute man ihm den Sprung zu den Profis durchaus zu. Da es aber bei den Vertragsverhandlungen keine Einigung gab, war City gezwungen, den Youngster zu verkaufen.

Bei Braaf fehlte die Nachhaltigkeit in der Einstellung, um ihn zu halten. So gesehen ist es für Braaf schon mit 19 Jahren eine Chance auf einen Neuanfang. Es wäre auch nicht der erste. Schon das letzte halbe Jahr verbrachte er bei Udinese in Italien, wurde dort aber nicht glücklich, vor allem, weil er eine schwere Verletzung erlitt, die ihn lange kalt stellte.

Aber auch ManCity war ein Neuanfang. Bei seinem vorherigen Klub PSV Eindhoven wurde Braaf zum Ende hin monatelang aus dem Kader gestrichen, weil er die Chemie in der Mannschaft störte. Die Braaf-Seite gab dagegen öffentlich zu verstehen, dass man es ihnen übelnahm, dass man mit anderen Klubs sprach. Der FC Chelsea soll damals besonders interessiert gewesen sein.

BVB-Neuzugang Jayden Braaf: Auch woanders hat es gekracht

Die Entlassung bei Ajax vor dem PSV-Abenteuer war dagegen rein sportlicher Natur. Man traute es ihm nicht zu, dass er das taktische Verständnis hat, in einer hochwertigen Mannschaft zu spielen. Zumindest das war eine Fehleinschätzung, denn trotz aller Nebengeräusche ist Braaf in allen Belangen ein herausragender Fußballer.

Gelingt es den Dortmundern, den Youngster und sein Umfeld auf ein mental annehmbares Level zu bekommen, werden sie viel Spaß mit ihm haben. Wie schon mit Sancho, wie auch mit Jamie Bynoe-Gittens, der 2020 ebenfalls aus der Jugend von Manchester City kam.

Nicht umsonst war an Braaf nicht nur der BVB, sondern auch Bayer Leverkusen, RB Leipzig und vor längerer Zeit auch der FC Bayern interessiert.

Zumindest bei seinem Abschied aus Manchester klang es sehr ordentlich. "Ich habe mich sowohl persönlich als auch sportlich weiterentwickelt und wäre ohne die Unterstützung des Klubs nicht da, wo ich heute bin. Vielen Dank an meine Teamkollegen, die Mitarbeiter der Akademie und die Fans!" Und er weiß nun auch, dass er nicht 100 Tore benötigt, um Profi zu werden. Einen Vertrag hat er schon, für den Rest muss er selbst sorgen.

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