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Fussball

Frank Fahrenhorst im Interview: "Nur wenn ich eine Bindung geschaffen habe, kann ich auch entwickeln"

Frank Fahrenhorst

 

Nun sind Sie zum VfB gewechselt und haben dort die zweite Mannschaft als Cheftrainer übernommen. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Fahrenhorst: Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der nach langen Abschnitten neue Herausforderungen sucht und diese auch braucht. Als Spieler habe ich es erlebt, als in Bochum nach zehn Jahren der Zyklus zu Ende war und etwas Neues kommen musste. Jetzt war ich knapp zehn Jahre auf Schalke und habe wieder das gleiche Gefühl gehabt. Ich hätte es mir einfach machen und den Job auf Schalke einfach die nächsten fünf Jahre weitermachen können. Es ist ein toller Job, es ist nahe an unserem Zuhause, es war an sich perfekt. Aber wenn du weiterkommen willst im Leben, brauchst du Veränderung. Wenn Monotonie entsteht, musst du dir Gedanken machen. Bei mir kam jetzt dazu, dass die familiären Umstände passen. Meine Kinder sind groß genug, meine Tochter wird 15, mein Sohn wird 12, sodass mir meine Familie schon vor einiger Zeit das Signal gegeben hat, dass ich potenziell eine andere Aufgabe weiter weg annehmen kann. Ende Januar kam dann der Anruf vom VfB.

Der VfB wollte Sie eigentlich sofort.

Fahrenhorst: Das war anfangs das Problem an der Sache. Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich es sehr gerne machen würde, aber dass ein kurzfristiger Einstieg nicht infrage kommt. Ich bin ein Mensch, der Dinge gerne zu Ende bringt. Es war für mich überhaupt keine Option, die Zelte auf Schalke vorzeitig abzubrechen. Ich habe eine Verantwortung gegenüber meinen Spielern, für mich hat das auch etwas mit Werten zu tun. Als der VfB mir dann zu verstehen gab, dass man mich unbedingt will und versuchen wird, bis zum Sommer eine Übergangslösung zu finden, hat mir das sehr imponiert. Für mich war es eine Bestätigung für das gute Gefühl, das ich nach überragenden Gesprächen mit Thomas Hitzlsperger und Thomas Krücken ohnehin schon hatte. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Wir haben gegenseitig genau das gesucht, was dem anderen vorschwebt. Der VfB wollte einen Trainer, der nicht persönlich so schnell wie möglich nach Höherem strebt, sondern die volle Konzentration darauf legt, Spieler zu entwickeln. Und ich will genau das: Spieler entwickeln in den nächsten Jahren. Das erfüllt mich.

Frank Fahrenhorst: "Ich spüre sehr viel Power beim VfB"

Heißt das, Sie sehen sich gar nicht als Bundesliga-Trainer eines Tages?

Fahrenhorst: Was eines Tages kommen kann, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass es mich total ausfüllt, in den nächsten Jahren den Trainer Frank Fahrenhorst weiter zu entwickeln, ich bin nämlich noch lange nicht fertig mit meiner eigenen Entwicklung, und mit jungen Spielern zu arbeiten und sie an die erste Mannschaft heranzuführen. Ich bin total zufrieden in dieser Rolle. Ich bin erst seit Kurzem beim VfB, aber nach der ersten Woche bin ich mit einem großen Glücksgefühl zu meiner Familie gefahren, weil mich die ersten Tage schon darin bestärkt haben, dass es der richtige Schritt für mich war. Ich spüre sehr viel Power beim VfB, hier soll etwas bewegt werden in den nächsten Jahren.

Wie haben Sie denn den VfB von außen beobachtet über die Jahre? Wie war Ihr Eindruck?

Fahrenhorst: Als Erstes muss ich an meine Spielerkarriere denken. Wenn wir ins Neckarstadion gefahren sind, wie es ja damals noch hieß, wussten wir immer, dass wir einerseits auf eine spielstarke Mannschaft treffen, die attraktiven Fußball spielen will. Der VfB stand immer für attraktiven Fußball. Und andererseits wussten wir, dass die Atmosphäre top sein wird, weil der VfB großartige Fans hat. Der VfB war auch immer ein Verein, der große Spieler herausgebracht hat und dafür bekannt geworden ist. Wenn man wie ich auf Schalke in einem hervorragenden NLZ gearbeitet hat, dann sieht man natürlich auch, wo sonst die besten NLZs anzufinden sind. Da gehört das beim VfB ohne Zweifel dazu. Das Ziel ist es, wieder vermehrt eigene Spieler zu entwickeln, gerade deshalb waren unsere Vorstellungen da auch so deckungsgleich.

Es gab eine Zeit, da wollte man beim VfB die zweite Mannschaft abschaffen.

Fahrenhorst: Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie wichtig die zweite Mannschaft ist, um junge Spieler an den Männer-Fußball heranzuführen. Ich habe es in Bochum am eigenen Leib erfahren. Manchmal habe ich erst in der U19 gespielt und dann noch in der U23. Die Erfahrung war Gold wert für mich, diese Wettkampfpraxis ist unerlässlich. Dementsprechend sollte auch der Stellenwert im Klub sein. Wenn manche Vereine meinen, sie könnten die zweite Mannschaft abmelden, dann ist das ihre Entscheidung, ich habe eine komplett andere Meinung.

Frank Fahrenhorst: "Der wollte meinen elfjährigen Sohn vermitteln"

Sie haben vorhin vom Trainer Frank Fahrenhorst gesprochen und angedeutet, was Ihnen wichtig ist. Welche Werte stehen ganz oben?

Fahrenhorst: Respekt, Disziplin, harte Arbeit. Das sind alles Werte, die für mich essentiell sind und die ich als Trainer auch vorlebe. Ein ganz großer Schlüssel ist außerdem Kommunikation. Durch gute Kommunikation baue ich Vertrauen auf, wenn ich Vertrauen aufbaue, schaffe ich eine persönliche Bindung. Nur wenn ich eine persönliche Bindung geschaffen habe, kann ich auch entwickeln. Habe ich diese Bindung nicht, auf welcher Ebene auch immer, ist es für mich als Trainer nahezu unmöglich, einen Spieler weiterzubringen. Kommunikation hat eine hohe Priorität. Und wie erwähnt der menschliche Respekt untereinander. Wie wir als Mannschaft miteinander leben, miteinander umgehen und miteinander Ziele erreichen wollen.

Glauben Sie, dass diese Werte in der Vergangenheit etwas vernachlässigt wurden?

Fahrenhorst: Ja, das würde ich so sehen. Die jungen Menschen werden heute in einer ganz anderen Welt groß, als das bei mir noch der Fall war. Ich sehe an meinen Kindern zum Beispiel die Bedeutung von Plattformen wie Instagram. Da kann man ja manchmal nur mit dem Kopf schütteln. Manchmal führt das auch dazu, dass verlernt wird, wie normaler Austausch funktioniert. Dass man beim Abendessen am Tisch sitzt und sich normal unterhält, ohne aufs Handy zu starren. Manchmal ertappt man sich ja sogar selbst dabei. Für mich ist wichtig, dass wir uns ein Stück weit arrangieren und akzeptieren, dass sich die Welt verändert hat. Gleichzeitig dürfen wir nicht alles gutheißen und müssen hier und da auch Grenzen setzen.

Viele junge Spieler kommen ganz früh mit einem Berater ums Eck.

Fahrenhorst: Das ist auch so ein Punkt. Mein Sohn ist 11. Letztens ist ein Berater auf mich zugekommen und meinte: Dein Sohn hat ja auch Talent, wenn du jemanden brauchst, sag Bescheid. Worauf ich gesagt habe: Alles klar, danke und tschüss. Der wollte meinen elfjährigen Sohn vermitteln. Es ist extrem, wie dort an immer noch jüngere Kinder herangetreten wird. Da frage ich mich schon, worum es dem Berater da denn jetzt genau geht.

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