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Fussball

Frank Fahrenhorst im Interview: "Nur wenn ich eine Bindung geschaffen habe, kann ich auch entwickeln"

Frank Fahrenhorst

 

Zur Saison 2009/10 sind Sie nach Duisburg gewechselt. Den Suizid von Robert Enke haben Sie so nur aus der Ferne mitbekommen, Sie kannten ihn aus Hannover und aus der U21 aber gut. Wie einschneidend war sein Tod für Sie?

Fahrenhorst: Sehr einschneidend. Wir waren damals mit dem MSV im Trainingslager. Ich werde nie vergessen, wie ich ins Hotel gekommen bin nach dem Training. Es war so 17.30 Uhr. Ich bin an der Rezeption vorbeigelaufen, wo ein großer Fernseher stand. Dort lief n-tv. Ich weiß nicht, wie lange ich dastand, aber ich war wie verwurzelt, wie versteinert. Ich konnte es nicht fassen. Nach ein paar Telefonaten hatte ich aber leider Klarheit. Das war eine unglaublich traurige Zeit für mich und meine Familie. Zwei Jahre nachdem wir auf diesem kleinen Friedhof standen, als Roberts kleine Tochter beigesetzt wurde, standen wir bei seiner Beerdigung wieder da. Leider muss ich sagen, dass sich bald elf Jahre danach aus meiner Sicht nichts verändert hat, was den Umgang miteinander angeht. Jeder, der schlau genug ist, sieht, dass wir nicht weiter sind als damals. Das ist schade.

Ihre Spielerkarriere ließen Sie nach einem wenig erfolgreichen Jahr in Duisburg bei der zweiten Mannschaft von Schalke ausklingen und rutschten so langsam ins Trainergeschäft hinein. Wie hat sich das entwickelt?

Fahrenhorst: Nachdem ich meinen Vertrag in Duisburg nach einem Jahr im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst hatte, weil es einfach nicht passte, hatte ich die Wahl: Gehe ich ins Ausland, oder nehme ich das Angebot aus Schalke an, als Stand-by-Profi für Felix Magath bereit zu stehen und die zweite Mannschaft zu unterstützen? Den Ausschlag für Schalke hat gegeben, dass mir dort die Möglichkeit gegeben wurde, in die Trainerschiene hineinzuschnuppern. Für mich waren zwei Punkte ganz entscheidend: Ich wollte den Trainerjob von der Pike auf lernen. Ich wollte nicht dieser Ex-Fußballer sein, der meint, er kann das schon, weil er mal Bundesliga und Champions League gespielt hat. Dazu wollte ich am Anfang für mich herausfinden, ob ich einen Zugang zu den Spielern finde. Da kann man ja nicht sicher sein, dass einem das gut gelingt. Als ich gemerkt habe, dass es gut klappt, habe ich die Chance wahrgenommen, als Co-Trainer und Teammanager der U23 meine ersten Schritte zu gehen.

Frank Fahrenhorst: Sane und Co.? "Wollten ihre Grenzen austesten"

Im Januar 2013 wurden Sie noch zusätzlich Cheftrainer der U17. Wie ist es dazu gekommen?

Fahrenhorst: Als der damalige U17-Coach Jens Keller zum Chef bei den Profis befördert wurde, war der Posten vakant. Ich habe mich nicht aktiv beworben, wurde aber eines Tages ins Büro von Oliver Ruhnert bestellt, der zu dieser Zeit der Leiter der Nachwuchsabteilung von Schalke war. Er hat mir das Vertrauen geschenkt und diese Chance gegeben. Ich habe ein halbes Jahr die U17 betreut und dann zur nächsten Saison mit der U16 meine erste eigene Mannschaft bekommen.

In der U17, die Sie damals übernahmen, spielte ein gewisser Leroy Sane.

Fahrenhorst: Ja, aber nicht nur er. Auch Jungs wie Thilo Kehrer oder Donis Avdijaj. Es war eine außergewöhnliche Mannschaft. Es war zwar früh absehbar, dass einige einen guten Weg vor sich haben, aber dass es so schnell gehen würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Was Leroy und diese Jungs damals auszeichnete, war dieser Bock zu kicken und diese Gier, sich weiterzuentwickeln und nach oben zu kommen. Das hat man gemerkt. Auf der anderen Seite waren es Jungs, die auch manchmal ihre Grenzen austesten wollten. Das ist auch gut so, nur so kommen sie weiter.

Sie sollen Leroy Sane auch mal auf die Bank gesetzt und ihn so gekitzelt haben.

Fahrenhorst: Das ist für mich nichts Besonderes, das gehört einfach dazu. Ich mache das ja nicht, um den Jungen persönlich zu ärgern. Ich will ihn weiterbringen. Wenn er es in die Spitze schafft, wird er genau damit auch umgehen müssen. Es ist keine Strafe für den Spieler, es kann auch mal sein, dass ein anderer in der Woche einfach besser trainiert und sich die Chance verdient hat, zu spielen. Dann müssen die Jungs auch lernen, das zu akzeptieren. Leroy war und ist ein besonderer Spieler, der mit seiner Leichtigkeit und Unbekümmertheit in seiner Spielweise etwas Einzigartiges hat. Er ist bis jetzt schon einen tollen Weg gegangen und ich bin gespannt, was alles noch kommt. Für einen Trainer, der ihn ein bisschen begleiten durfte, ist es immer auch ein kleiner Lohn, wenn man ihn dann am Wochenende auf der großen Bühne aufspielen sieht.

Frank Fahrenhorst: "Moukoko hat uns sehr oft sehr wehgetan"

Sie haben so viele Jahre die U16 oder U17 trainiert. Was macht diese Altersklassen für Sie besonders?

Fahrenhorst: Ich habe Jungs in meiner Mannschaft, die einen ganz komplexen Alltag zu bewältigen haben. Die aber auch eine ganz besondere Phase in ihrer Entwicklung durchmachen. Pubertät, die erste Freundin, vielleicht haben sie Probleme in der Schule oder in der Familie, manche wohnen im Internat - ich muss für sie weit mehr als nur Trainer sein, ich bin auch als Pädagoge gefragt. Viele öffnen sich nicht so bei ihren eigenen Familien. Wenn ich für sie ein Vertrauter bin, kann ich ihnen auch im echten Leben Hilfestellungen geben. Du bist in meinen Augen kein guter Jugendtrainer, wenn es dir nur darum geht, dass dein Spieler einen sauberen Pass spielen kann. Es geht um viel mehr in diesen Jahrgängen.

Der aktuell größte Name in diesem Alterssegment ist BVB-Juwel Youssoufa Moukoko, der immer noch erst 15 Jahre alt ist. Sie haben ihn als gegnerischer Coach erlebt. Was zeichnet diesen Jungen aus?

Fahrenhorst: Er hat uns sehr oft sehr wehgetan. (lacht) Er ist ohne Zweifel ein außergewöhnlicher Spieler. Die Reife und Abgeklärtheit, die er mit 15 Jahren hat, ist beeindruckend. Man muss schauen, wie er körperlich im Profibereich klarkommt, aber man kann nur gespannt sein, wie sein weiterer Weg aussieht. Sein Potenzial sucht mit Sicherheit seinesgleichen in dem Alter.

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