Fussball

Rene Maric von Borussia Mönchengladbach im Interview: "Alles hat irgendwie bei SPOX angefangen"

Co-Trainer Rene Maric kam zusammen mit Marco Rose im Sommer 2019 von Red Bull Salzburg zu Borussia Mönchengladbach.

Spricht man mit Leuten, die Sie gut kennen, loben die meisten Ihre große soziale Kompetenz. Hat man die einfach oder kommt das auch durch das Studium?

Maric: Das ist für Außenstehende sicher einfacher zu bewerten. Ich habe auch meine Macken, Eigenarten und Phasen, in denen ich nicht ganz so einfach bin. Ansonsten bin ich eine relativ einfache Person. Ich bin meist gut gelaunt, dankbar für den Job und bemüht, ihn bestmöglich zu erfüllen. Der Psychologe Carl Rogers nannte einmal Authentizität beziehungsweise Kongruenz, Wertschätzung und Empathie als wichtige Grundhaltungen. Daran versuche ich mich am ehesten zu orientieren. Also auch wieder grundsätzliche Prinzipien, wenn man den Vergleich ziehen möchte. Viele Sachen sind auch einfach die Persönlichkeit - so zu sein, wie man ist. Es geht nicht darum, sich zu verstellen, sondern sein eigenes Denken zu reflektieren und zu verändern.

Im Winter schrieben Sie auf Ihrem Twitter-Profil, dass Sie bei Borussia Mönchengladbach inhaltlich viel gelernt hätten, aber auch "nach wie vor sehr viele Fehler" machen würden. Können Sie das etwas ausführen?

Maric: Da gibt es so viele Details, das würde jeweils den Rahmen sprengen. Wir haben zum Beispiel mit Frank Geideck einen Co-Trainer und mit Philipp Schützendorf einen Videoanalysten, die sehr lange bei der Borussia und sehr kompetent sind. Da hört man Facetten, Perspektiven und Ideen heraus, aus denen man viel für sich mitnehmen kann. Meine gravierendsten Fehler waren anfangs mit Marco meistens Ungeduld oder vielleicht sogar Übereifer, gelegentlich Naivität geschuldet. Das fängt bei der Art und Weise des Diskutierens innerhalb des Trainerteams an, geht über den Umgang mit Medien und hört bei der eigenen Bereitschaft, Fehler zuzugeben, auf.

Sehen Sie heutzutage mit der bislang gesammelten Erfahrung im Profibereich einige fußballspezifische Themen vereinfachter und praxisbezogener als früher?

Maric: Ja. Wenn die Konsequenzen der eigenen Arbeit nicht nur sichtbar, sondern mehr und mehr spürbar werden, entwickelt man ein besseres Gefühl für die Wichtigkeit von Details. Die Basics müssen immer stimmen, weil sie in fast jeder Situation vorkommen. Pressingfallen beispielsweise sauber entstehen und zuschnappen zu lassen, kann im gesamten Spiel oft nur zwei oder dreimal vorkommen - gut abgebildete Prinzipien dagegen fast durchgehend. Fußball ist schlicht ein players game. Die Spieler treffen andauernd in höchstem Tempo Entscheidungen für sich und ihre Mannschaft. Hochpräzise Abläufe vorzugeben, ist daher wie schon angesprochen nur punktuell möglich. Mittlerweile versuche ich auch anders zu denken: nicht von der Mannschaft zum Einzelspieler oder von der Idee zum Ablauf nach unten, sondern vom Einzelspieler oder einer Spielsituation nach oben. Eine Mannschaft besteht immer aus Individuen, eine Situation immer aus Spielern mit Ideen und nicht aus Zahlenverhältnissen.

Dennoch scheint Sie der Fußball auch in Ihrer Freizeit nicht loszulassen: Ihren Winterurlaub verbrachten Sie zusammen mit Patrick Eibenberger, dem Leiter der Gladbacher Athletiktabteilung, in Äthiopien und hielten dort Vorträge. Erzählen Sie!

Maric: Ein Freund von mir, Addis Worku, arbeitet dort in der ersten Liga. Er hat mich vor Jahren einfach mal angeschrieben, um über Fußball zu quatschen. Ich habe aus Neugier geantwortet und seitdem sind wir in Kontakt. Er hat uns sogar einmal zu zwei Spielen in Salzburg besucht. Er ist nicht nur ein super Fachmann, sondern auch ein herzensguter, toller Typ. Insofern war die Reise vor allem ein Besuch bei einem Kumpel, der uns sein Land gezeigt hat. Dazu haben wir ehrenamtlich einen von Addis organisierten Kurs für die dortigen Trainer der ersten und zweiten Liga abgehalten, da es sein persönlicher Wunsch ist, den äthiopischen Fußball zu verbessern. Patrick und ich hatten beide je zwei halbe Tage, an denen wir einen Vortrag hielten. Er zu den Themen Athletik und Belastungssteuerung, bei mir ging es um grundsätzliche Fußballtheorie und -praxis.

Abschließend: Wie stolz sind Sie eigentlich auf das bislang Erreichte und können Sie sich eine Rückkehr auf die Position des Cheftrainers vorstellen?

Maric: Ich bin sehr stolz darauf. Noch mehr als Stolz empfinde ich aber Dankbarkeit: Weder für Marco Rose noch für Christoph Freund oder Ernst Tanner bei Salzburg und nun Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach ist es selbstverständlich, einem so jungen Quereinsteiger eine Chance und Vertrauen zu geben. Eine Rückkehr zum Chefcoach ist grundsätzlich denkbar, wohin es aber einmal gehen soll, weiß ich noch nicht. Aktuell mache ich die A-Lizenz. Falls ich die bestehen sollte, würde die Pro-Lizenz noch fehlen. Ich muss mich reif fühlen. Ich merke, dass ich noch sehr viel lernen kann und glaube, dass ich das gerade auch von Marco tun kann. Insofern mache ich mir nur Gedanken über die unmittelbare Zukunft.

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