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Die Fußball-Kolumne - Watzke und Peters: In den Farben getrennt, in der Sache vereint

Watzke

Amateure: Peters steht nicht für einen Neuanfang

Peters hingegen sitzt bereits seit 2007 als Vertreter der Profis im DFB-Präsidium und ist neben dem scheidenden DFL-Boss Christian Seifert damit das dienstälteste Mitglied des Gremiums. Schleswig-Holsteins Verbandspräsident Uwe Döring, einer der Sprecher der Amateurvertreter, sagte daher der Frankfurter Rundschau, der umstrittene Multifunktionär sei "keiner, der für einen Neuanfang steht".

Stattdessen gilt Bernd Neuendorf, Präsident des Mittelrheins, als klarer Favorit der Landesverbände. Der 60-Jährige wird als "sehr integer und sehr kompetent" beschrieben, ist aber erst seit zwei Jahren im Amt. Vorher war der gelernte Journalist bis 2017 Staatssekretär im NRW-Familienministerium und davor Landesgeschäftsführer und Pressesprecher der SPD.

Kandidat Bernd Neuendorf könnte zwischen die Fronten geraten

Neuendorf, der sich selbst bislang nicht zu seinen Ambitionen geäußert hat, ist es allerdings laut Frankfurter Rundschau "äußerst unangenehm, dass seine Person ohne sein aktives Zutun so früh gehandelt wird und er nun offenbar zwischen alle Fronten gerät". Zumal auch erste kritische Stimmen zu vernehmen sind. So sehen ihn manche anscheinend als eine Art Strohmann für den anderen Strippenzieher im Hintergrund, Amateur-Vize Rainer Koch.

"Neuendorf, heißt es, hätte nichts einzuwenden gegen ein diskretes Weiterwirken Kochs auf der Chefetage. Jedenfalls so lange, wie ihn die Amateurvertreter stützen, meist alte Kameraden ohne großen Durchblick", meinte dazu die Süddeutsche Zeitung.

Mit Sicherheit ist jedenfalls davon auszugehen, dass Koch alles versuchen wird, einen eigenen Mann aus dem Amateurlager im Kampf gegen die Profis durchzusetzen und den in herzlicher Abneigung verbundenen Peters als Präsidenten zu verhindern. Ein ganz wichtiger Knackpunkt dabei: Die Amateure wollen im Rahmen des Grundlagenvertrags zwischen DFB und DFL mehr Geld als die gedeckelten sechs Millionen Euro von den Profis. Dennoch gibt sich der Herausforderer Peters zuversichtlich.

"Nach zahlreichen Gesprächen spüre ich das entsprechende Vertrauen, auch in den Reihen der Landesverbände", sagte Peters dem kicker. Die offizielle Rückendeckung durch einen Landesverband würde ihm ja genügen und es käme bei mindestens zwei Kandidaten zu einer geheimen Abstimmung - mit völlig offenem Ausgang.

Unterstützung für Peters aus Heimatverband Westfalen

Die Unterstützung seines Heimatverbandes scheint er bereits sicher zu haben. "Ich kann mir Peter Peters durchaus als Präsidenten vorstellen. Ich kann mir auch Bernd Neuendorf vorstellen", sagte Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, ergänzte dem SID gegenüber aber: "Peter Peters ist Westfale. Das ist eine reine Feststellung von Tatsachen."

Durch den Rückzug bei der DFL habe sich Peters Position "nicht verschlechtert, weil er rein formal dann kein Ligavertreter mehr ist." Zudem könne er ein Garant dafür sein, die großen Gräben zwischen Amateuren und Profis zu überwinden, so Walaschewski: "Das könnte ein Plus sein für Peters, der in beiden Welten zu Hause ist - auch wenn er im Grunde immer als Ligavertreter gesehen wird. Peter Peters wäre vielleicht jemand, der da ein Stück weit für Entspannung sorgen könnte."

Peters: Angeblich auch gute Karten bei Niedersachsen

Neben den Westfalen soll Peters zudem gute Karten beim Landesverband Niedersachsen haben. Angeblich, weil der von dort stammende ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel Amateur-Sprecher Koch maßgeblich für das vorzeitige Ende seiner Amtszeit verantwortlich macht und deshalb dessen Personalvorschlag mit seinen Mitstreitern aus der Heimat torpedieren will.

Gleichwohl reichen auch diese Stimmen nicht für eine Mehrheit aus. Hinter den Kulissen scheint aber bereits das Feilschen über die neu zu besetzenden Posten des 1. Vizepräsidenten Amateure (der viel kritisierte Koch will nur noch "einfacher" Vizepräsident sein, um dadurch weiter sein Amt in der UEFA-Exekutive ausüben zu können) und des Schatzmeisters im Gange zu sein.

Gemunkelt wird daher, dass auch der vom ehemaligen CDU-Politiker Hermann Winkler geführte Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) in diesem Zusammenhang im ureigenen Interesse mehrheitlich sowie eventuell auch der von Peter Frymuth geführte FV Niederrhein für Peters votieren könnten. Sollte die Wahl geheim sein, wäre das ohnehin nicht zu überprüfen.

DFB-Präsident: So bekäme Peters die absolute Mehrheit

Gemessen an den 262 gültigen Stimmen auf dem letzten Bundestag hätte Peters neben den 91 Stimmen der Profivertreter sowie den 13 aus Westfalen und 12 aus Niedersachsen insgesamt 116 Stimmen, so dass ihm noch 16 zur absoluten Mehrheit fehlen würden. Der NOFV hatte 2019 insgesamt 22 Stimmen, der Niederrhein 7.

Nach aktuellem Stand ist es also alles andere als ausgeschlossen, dass Peters künftig mit Watzke eine blau-gelbe Fahrgemeinschaft nach Frankfurt bilden wird. Auch wenn das sicher kein Neuanfang für den krisengeschüttelten DFB bedeuten würde.

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