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Fussball

Die Fußball-Kolumne - Watzke und Peters: In den Farben getrennt, in der Sache vereint

Watzke

Peter Peters macht den Weg an der DFL-Spitze für Hans-Joachim Watzke frei. Der kann ihm wiederum bei seiner Kandidatur zum DFB-Präsidenten helfen. Für eine Mehrheit braucht Peters allerdings die Stimmen aus dem Amateurbereich - und scheint auf einem guten Weg zu sein. Die Fußball-Kolumne.

Von Peter Peters' Haus in Dortmund ist es mit dem Auto nur ein Katzensprung zur Geschäftsstelle des BVB am Rheinlanddamm. Trotz der traditionellen Abneigung zwischen Schalkern und Dortmundern könnte es daher sein, dass eine Fahrgemeinschaft bald wieder auflebt.

Denn lange Jahre sind der frühere S04-Vorstand Peters und Borussen-Präsident Reinhard Rauball gemeinsam zu den zahlreichen Sitzungen von DFL und DFB nach Frankfurt gefahren. Peters erhielt daher von Spöttern den Beinamen "Rauballs Chauffeur".

Trotz der "Verbrüderung mit dem Feind" haben die stundenlangen gemeinsamen Autotouren Peters nicht geschadet, eher im Gegenteil. Denn im Schatten des allseits beliebten und geachteten Rauball kletterte er Jahr um Jahr beinahe unbemerkt in der Hierarchie des deutschen Fußballs nach oben.

Als der damals 72-Jährige vor rund zwei Jahren seine Ämter als DFL-Präsident und 1. DFB-Vizepräsident für den Profifußball abgab, folgte ihm Peters wie selbstverständlich in beiden Ämtern nach. Allerdings verlor der 59-Jährige im Sommer 2020 seinen Job als Finanzvorstand der zu dem Zeitpunkt mit 240 Millionen Euro Verbindlichkeiten dastehenden Schalker. Und sein geplantes Comeback im Aufsichtsrat der Königsblauen verhinderte dieses Jahr der Wahlausschuss, der ihn gar nicht erst zur Abstimmung zuließ.

DFL-Spitze: Weg frei für BVB-Boss Watzke

Somit erfüllt Peters nicht mehr die vorübergehend ausgesetzte und künftig wieder gültige Regelung, dass nur ein Funktionär mit Mandat und Rückendeckung eines der 36 Erst- und Zweitligisten diese im DFL-Präsidium vertreten kann. Also wird er nun schon vor dem regulären Ablauf seiner Amtszeit im nächsten August den Weg freimachen für einen neuen starken Mann an der DFL-Spitze: Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

"Jetzt geht es für mich im Wesentlichen darum, bei der DFL einen geordneten Übergang hinzubekommen", erklärte Peters der FAZ: "Ich halte Aki Watzke in diesen schwierigen Zeiten aufgrund seiner Erfahrung und Durchsetzungsfähigkeit für den absolut geeigneten Kandidaten als DFL-Aufsichtsratsvorsitzenden."

Watzke verweigerte bis jetzt jeglichen Kommentar zum Vorschlag, doch seine Wahl auf der nächsten Versammlung der 36 Vereine am 14. Dezember zur neuen Nummer 1 im deutschen Profi-Fußball - neben der künftigen DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen - gilt als sicher. "Der wird es, wenn er will", sagt ein Insider. Und dass er will, daran gibt es in der Szene keine echten Zweifel. Offiziell wird alles wohl endgültig nach den getrennten Sitzungen von Bundesliga und 2. Liga am Donnerstag kommender Woche

Watzke als DFL-Boss: "Würde mich nicht grundsätzlich verweigern"

Watzke selbst hatte im September in der Welt seine grundsätzliche Bereitschaft eingeräumt, falls die Stelle neu zu besetzen sei, "denn natürlich habe ich ein gewisses Verantwortungsbewusstsein dem deutschen Fußball gegenüber und würde mich - wenn es große Einmütigkeit gäbe und die Rahmenbedingungen stimmten - deshalb auch nicht grundsätzlich verweigern".

Die Liga hätte somit in wirtschaftlich und sportlich sehr herausfordernden Zeiten den vermutlich erfahrensten und wichtigsten Funktionär an ihrer Spitze - und die Frage steht im Raum, welche Gegenleistung Peters dafür erwartet oder sich zumindest erhofft, dass er den Weg zur Neuordnung frühzeitig frei macht. Denn der begnadete Strippenzieher hat offensichtlich nicht vor, sich in den vorzeitigen Ruhestand zu verabschieden.

Peters: DFB-Rolle wegen Job im FIFA-Council weiterhin wichtig

Da Peters aber auch seinen ans DFL-Amt gebundenen Posten als 1. DFB-Vizepräsident Profis an Watzke abgeben muss, benötigt er eine andere prominente Rolle im Verband. Andernfalls dürfte er seinen mit 215.000 Euro dotierten Job im FIFA-Council, in das er erst im Januar als DFB-Vertreter gewählt wurde, nicht lange behalten.

Daher hat Peters Anfang der Woche endlich bestätigt, was schon lange erwartet worden war. "Ich kandidiere als DFB-Präsident, wenn ich dafür die Unterstützung der Liga erhalten und ich von einem Landesverband von den Amateuren vorgeschlagen werde", sagte Peters der FAZ.

Der erste Schritt zur offiziellen Nachfolge des zurückgetretenen Fritz Keller - aktuell leitet Peters den DFB als Interims-Präsident gemeinsam mit dem nominellen 1. Vizepräsident Amateure, Rainer Koch - dürfte der einfachere sein. Es ist auch mangels Alternativen davon auszugehen, dass die Profiklubs den Ex-Schalker nominieren.

Peters: Vorbehalte bei vielen Zweitligisten

Doch unumstritten ist Peters keineswegs, vor allem bei vielen Zweitligisten gibt es teils erheblich Vorbehalte. Watzke dürfte also eine maßgebliche Rolle dabei spielen, seinen möglichen künftigen Vorgesetzten im DFB-Präsidium als Kandidaten durchzusetzen.

Allerdings wird die Unterstützung der Liga für Peters nicht zum Wahlsieg beim DFB-Bundestag am 11. März reichen, denn die Profiklubs verfügen dort nur über eine Sperrminorität von etwa einem Drittel. Inklusive der Profivertreter im Präsidium und Vorstand des DFB waren das beim letzten Bundestag 91 von 262 Stimmen.

Entsprechend erstaunt bis verärgert ist man im Lager der Amateure über Peters' unerwarteten Vorstoß, zumal er noch wenige Tage zuvor seinen Rückzug erklärt hatte. Es war eine Reaktion auf den einstimmigen Beschluss der 21 Landesverbände vor gut zwei Wochen, "dass der künftige DFB-Präsident aus dem Amateurbereich kommen" solle.

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