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Formel 1

Arbeitslos unterm Weihnachtsbaum

Von Jan-Hendrik Böhmer
Fernando Alonso
© Getty

München - Fernando Alonso ist arbeitslos - und hat offensichtlich Spaß dabei. Denn anstatt sich möglichst schnell um ein neues Team zu kümmern, fährt der Spanier lieber in den Urlaub. Die Nerven möchte man haben.

Während der Ex-Weltmeister also an einem nicht näher genannten Ort entspannt, meldet sich Manager Luis Garcia Abad zu Wort. "Fernando wird sich erst entscheiden, wenn er genau weiß, was das beste für seine Zukunft ist", erklärte er gegenüber "BBC Sport".

Abschließende Bemerkung: "Er ist im Urlaub. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Moment: Das klingt überhaupt nicht nach der im Eiltempo herannahenden Entscheidung, von der Renault-Teamchef Flavio Briatore Anfang der Woche gesprochen hatte.

Stimmung rapide abgekühlt

Noch am Montag war der Italiener fest davon ausgegangen, dass sich Alonso innerhalb der nächsten zwei Tage entscheiden würde - und zwar für Renault. Die Frist verstrich, Briatore gewährte einen Tag Aufschub und es wurde weiter verhandelt.

Mitten in diese angeblich so fruchtbaren Gespräche platzte dann aber ein folgenschweres Gerücht. Der spanische Privatsender "Telecinco" verbreitete, dass Alonso mit dem Angebot von angeblich 62 Millionen Euro für drei Jahre nicht zufrieden sei. Resultat: Die Stimmung kühlte sich rapide ab und Alonso fühlte sich zur erneuten Zukunftsplanung ermuntert.

Arbeitgeber laufen davon

Echte Existenz-Angst - oder doch nur Hinhalte-Taktik, um den eigenen Preis in die Höhe zu treiben? Eher Taktik. Denn mal ehrlich: Wo soll Alonso hin, wenn nicht zu Renault?

Zwar ist seit einiger Zeit bekannt, dass sich der Spanier nur ungern für die geforderten drei Jahre binden will, doch ihm laufen ganz einfach die möglichen Arbeitgeber davon.

Toyota hat mit der Verpflichtung von Timo Glock den ohnehin eher vagen Gerüchten um einen Alonso-Wechsel ebenso eine Absage erteilt wie Williams mit der Bestätigung von Nico Rosberg. Und selbst Red Bull Racing scheint nicht mehr mit dem Ex-Weltmeister zu planen. So bekannte ich Teamchef Christian Horner zuletzt öffentlich zu Mark Webber und David Coulthard und verkündete, dass Alonso wohl "bei Renault fahren wird."

Kein Geld, keine Weiterentwicklung, kein Erfolg

Bleibt also die Frage: Worauf wartet Alonso? Vielleicht ist es die FIA-Entscheidung im Spionage-Verfahren gegen Renault. Denn hier könnte den Franzosen genau wie McLaren-Mercedes eine empfindliche Strafe blühen - mit weitreichenden Folgen.

Zwar dementiert Alonso-Manager Abad solche Überlegungen, doch eines scheint klar: Wird Renault tatsächlich wie McLaren zu einer hohen Strafe verdonnert oder verliert gar seine Konstrukteurs-Punkte, wird die Entwicklung des Autos auf lange Zeit gehemmt. Kein Geld, keine Weiterentwicklung, kein Erfolg - so die mögliche Alonso-Rechnung.

Und bei einem zwangs-gebremsten Team möchte der Spanier mit Sicherheit nicht fahren. Schon gar nicht, wenn er dabei auch noch neben einem aufstrebenden Renault-Talent Nelson Piquet Jr. sitzen müsste - und erst recht nicht für drei Jahre. Doch genau das ist offenbar der Plan von Flavio Briatore.

"Die Zeit läuft gegen Fernando"

Also wartet Alonso weiter. Mit bewundernswertem Sanftmut. Denn während ganz Spanien Kopf steht, lässt sich Alonso wenigstens äußerlich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ganz im Gegensatz zu seinen Landsleuten.

Selbst Ex-Rallye-Weltmeister Carlos Sainz sah sich dazu bemüßigt, Alonso zu einer möglichst schnellen Vertragsunterzeichnung anzuspornen. "Die Zeit läuft gegen Fernando", erklärte er in der spanischen Sportzeitung "Marca".

Doch der unter Druck Gesetzte ist ja bekanntlich im Urlaub. Und wenn es nach Alonso geht, kann das vielleicht sogar so bleiben. Schließlich gibt bereits vor einiger Zeit auch Überlegungen bezüglich einer mögliche Auszeit. Alonso hat das zwar immer dementiert, aber getreu dem Motto "arbeitslos unterm Weihnachtsbaum" könnte er sich als Testfahrer bei Ferrari bewerben und mit Michael Schumacher um die Wette fahren.

Der alten Zeiten wegen - und als Vorbereitung auf den hoffentlich nahenden Ferrari-Vertrag 2009.

Urlaubsträume hat Alonso auf jeden Fall genügend.

 

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