Fussball

Philipp Lienhart vom SC Freiburg bei SPOX: Ronaldo-Erbe? "Ödegaard könnte Schlüsselrolle spielen"

Von Manuel Weißenberger
Innenverteidigung: Philipp Lienhart. Der SC Freiburg ist die Sensation der aktuellen Bundesliga-Saison. Mittendrin: Ex-Rapidler Philipp Lienhart, der 2015 von der zweiten Mannschaft Rapids zu Real Madrid geholt wurde. In Freiburg ist er Stammspieler.

Im österreichischen Nationalteam tummeln sich insbesondere auf der Innenverteidigerposition einige Konkurrenten. Still und heimlich hat sich auch Philipp Lienhart vom SC Freiburg in den Kader gespielt. SPOX hat mit ihm über seine Vergangenheit bei Real Madrid, sein Praktikum bei der Arbeiterkammer und über Christian Streich gesprochen.

"Einer wie Alaba", sei er. "Er ordnet alles dem Erfolg unter, ist geerdet und bodenständig". So lobte noch vor fünf Jahren Toni Pfeffer in den NÖN den nächsten Lilienfelder, den die Fußballwelt bestaunen würde. Doch während der eine eher schlechte Erfahrungen mit Spanien machte, sollte der andere sich dort einen Traum erfüllen. Die Rede ist von Philipp Lienhart.

Aufgewachsen in einem beschaulichen 3000-Einwohner-Dorf in den Gutensteiner Alpen zwischen St. Pölten und dem Wahlfahrtsort Mariazell, verließ Lienhart bereits mit zehn Jahren aufgrund seines fußballerischen Talents die Heimat, um zu seinem damaligen Traumverein SK Rapid Wien ins Internat zu wechseln. Gleichzeitig sammelte er in den nächsten Jahren erste Einsatzzeiten bei der Jugendauswahl des ÖFB, doch an eine Karriere als Profi war noch nicht zu denken.

Denn die Realität blieb vorerst der Alltag im Büro. So begann Lienhart in Kooperation mit dem Internat eine Lehre als Bürokaufmann bei der Arbeiterkammer: "Ich habe es im Büro ganz nett gefunden".

Dabei sei er vor allem seinen Arbeitskollegen besonders dankbar. Bei Auswärtsfahrten des Jugendnationalteams wurde etwa immer ein Auge zugedrückt und Extraurlaub gestattet. Es sollte sich auszahlen, denn im Sommer 2014 spielte Lienhart bei der U19-Europameisterschaft stark auf und zog mit der Mannschaft bis ins Halbfinale ein, ehe man gegen Deutschland mit 0:4 unterging.

Doch daraufhin ging es wieder zurück ins Büro. Er hätte sich die Arbeit dort auch weiterhin vorstellen können, "...aber dann ist ‚leider' das Angebot von Real Madrid gekommen", erinnert sich Lienhart grinsend zurück.

In der Millionenmetropole Madrid angekommen, durfte sich Lienhart als erster österreichischer Kicker das Trikot des weißen Balletts überstreifen. "Manchmal werden Träume schneller wahr, als man denkt", ließ Lienhart damals auf Facebook wissen. Er brauchte ein wenig Zeit zum Realisieren, gab er zu, "aber dann habe ich relativ schnell reingefunden und mich auch früh wohlgefühlt."

Ronaldo-Erbe? "Ödegaard könnte Schlüsselrolle spielen"

Das ÖFB-Talent sollte zuerst auf Leihbasis bei Real Madrids U19 spielen, wurde dann aber im darauffolgenden Sommer um kolportierte 800.000 Euro fix verpflichtet und in die zweite Mannschaft, Real Madrid Castilla, befördert. Der zweite kostspielige Zugang war ein gewisser Martin Ödegaard. Beide sollten in der zweiten Mannschaft von Real unter den Fittichen von Zinedine Zidane gedeihen. Lienhart und Ödegaard teilten sich bei Auswärtsfahrten meist ein Zimmer und wurden daraufhin schnell Freunde.

Ödegaard blieb aufgrund des großen Medienrummels und dem Monstergehalt weiterhin der Star der Mannschaft. Ein Problem war das für das Teamgefüge dennoch nicht: "Er hat das absolut nicht raushängen lassen, dass er relativ viel Geld verdient. Er war sehr bodenständig, nett und eben ein guter Fußballer", erklärte Lienhart. Ob er in Zukunft Ronaldo bei Real Madrid beerben könnte? "Er ist kein Stürmer, wird also nicht auf dieselbe Torquote kommen. Aber er gibt sehr viele Vorlagen und ist eine Offensivwaffe. Ich traue ihm zu, bei Real eine Schlüsselrolle zu spielen."

Champions-League-Titel? "Habe ich nicht gefeiert"

Als Rafa Benitez Anfang 2016 bei Real die Segel streichen musste, wurde Zidane sein Nachfolger. Dieser zog Lienhart im Sommer in den erweiterten Kader der ersten Mannschaft hoch und durfte ab sofort mit den Profis mittrainieren. "Sie waren alle sehr freundlich und überhaupt nicht unangenehm", erinnert sich Lienhart.

Für etwaige Scharmützel nach verlorenen Trainingsspielchen hatte Lienhart Verständnis: "Das kenne ich auch von mir selber: Keiner verliert gerne." So hätte er auch einiges von Ronaldo lernen können: "Ich habe ihn als sehr, sehr ehrgeizigen Profi gesehen, mit einem enormen Willen. Das waren Dinge, die ich mir von ihm abschauen konnte."

Zidane führte den Verein in den folgenden Jahren zu unglaublichen drei Champions-League-Titeln und da auch Lienhart im erweiterten Kader stand, darf er sich neben Wolfgang Feiersinger, David Alaba und Marko Arnautovic als vierter österreichischer CL-Gewinner bezeichnen. Doch wirklich stolz darauf ist er nicht, wie er gesteht: "Ich bin Real-Madrid-Fan, aber richtig viel beigetragen habe ich zu diesen Titeln nicht. Daher habe ich auch die Titel nicht gefeiert. Ich sehe mich selbst nicht als Champions-League-Sieger."

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