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NFL

"Wie im Kalten Krieg"

Von SPOX
Zwischen den Steelers und den Ravens ging es bereits im ersten Duell dieser Saison zur Sache

Nur einen Tag nach einem vollgepackten Heiligen Abend stehen in der NFL auch schon die nächsten beiden Kracher auf dem Programm! Los geht es am Sonntagabend mit dem AFC-North-Schlager Pittsburgh gegen Baltimore, die Steelers könnten die Division eintüten. Anschließend müssen die Denver Broncos nach Kansas City, die Playoff-Hoffnungen des Champions hängen am seidenen Faden. Zu sehen gibt es beide Spiele am Sonntagabend live auf DAZN!

Pittsburgh Steelers (9-5) - Baltimore Ravens (8-6) (So., 22.30 Uhr live auf DAZN)

Ein kurzer Blick auf das Twitter-Profil von Steelers-Receiver Antonio Brown sagt eigentlich alles: Es ist Ravens-Steelers-Week! Die beste Rivalry in der NFL über das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends hatte in der jüngeren Vergangeheit sportlich etwas an Bedeutung eingebüßt - doch wenn die beiden AFC-North-Schwergewichte am Sonntag die Klingen kreuzen, steht endlich auch wieder (fast) alles auf dem Spiel.

Das gilt insbesondere für die Ravens: Ein Steelers-Sieg würde Pittsburgh den Division-Titel bescheren und Baltimore womöglich gar komplett aus dem Playoff-Rennen kegeln. Umgekehrt ist es aber auch eine Chance, denn mit einem Sieg - es wäre der fünfte gegen die Steelers in Folge - hat Baltimore sein Schicksal selbst in der Hand. Die Ravens hätten, nach dem 21:14-Heimsieg Anfang November, dann den Sweep gegen den Erzrivalen in der Tasche.

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Entsprechend positiv geht auch Head Coach John Harbaugh in das Spiel: "Wir haben uns die Situation, in der wir sind, hart erarbeitet. Unsere Jungs haben unglaublich gekämpft, um gegen Pittsburgh und dann Cincinnati den Division-Titel gewinnen zu können. Sie haben sich das Recht darauf verdient und wir können es nicht erwarten." Safety Eric Weddle fügte hinzu: "Für diese Spiele lebst du. Dafür bringst du all die Opfer, siehst deine Kinder nicht und all das. Wir werden bereit sein."

Kann Bell erneut gestoppt werden?

Der Plan könnte dabei am Sonntag für die Ravens ganz ähnlich aussehen wie im ersten Duell dieser Saison: Baltimore hielt Le'Veon Bell bei 32 Rushing-Yards (2,3 Yards pro Run) und zog der Steelers-Offense dadurch den Zahn - nach wie vor stellen die Ravens die beste Run-Defense der NFL. Zwar steht Cornerback Jimmy Smith nicht zur Verfügung, umgekehrt aber könnten bei den Hausherren sowohl Sammie Coates (zwei gebrochene Finger), als auch Ladarius Green (Gehirnerschütterung) ausfallen.

Allzu überzeugend sah Ben Roethlisberger in den vergangenen Wochen ohnehin nicht aus, das dürfte die Aufgabe zusätzlich erschweren - und könnte Pittsburgh womöglich ungewollt in das offene Ravens-Messer laufen lassen. Umgekehrt bleibt abzuwarten, ob der haarscharfe Sieg gegen die Eagles am vergangenen Sonntag für Baltimore tatsächlich endlich der Beginn einer ausgeglicheneren Offense (30 Pässe, 24 Runs gegen Philly) war - die mangelnde Balance zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison.

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Angesichts der starken Schwankungen von Joe Flacco sowie der zuletzt verbesserten Steelers-Secondary wäre ein auf dem Run basierender Ansatz wohl nicht die schlechteste Idee. "Das wird ein packendes Spiel", ist sich Pittsburghs Head Coach Mike Tomlin in jedem Fall sicher. "Beide Teams haben darum gekämpft, an diesen Punkt zu kommen. Jetzt steht viel auf dem Spiel. Das ist ein Paradebeispiel für Football im Dezember."

Eines wird dabei unter dem Strich klar sein: Respekt gibt es jede Menge zwischen diesen beiden Teams - Sympathien sollte man auf dem Rasen am Sonntag aber lieber nicht suchen. Um es mit den Worten von Steelers-Safety Mike Mitchell zu sagen: "Als ich 2014 hier her kam, hieß es einfach: 'Du magst Baltimore nicht.' Es ist ein bisschen, wie im Kalten Krieg. Man mag Russland nicht. So ist es eben."

Kansas City Chiefs (10-4) - Denver Broncos (8-6) (Mo., 2.30 Uhr live auf DAZN)

Das Klatschen des Balls gegen den Pfosten dürfte so mancher Broncos-Fan noch immer in den Ohren haben: In dem dramatischen Overtime-Duell Ende November gelang Chiefs-Kicker Cario Santos schließlich der Game-Winner, als Abpraller fiel das Ei gerade so durch die Torstangen.

"Normalerweise versuche ich immer, genau die Mitte anzupeilen. Aber der Kick ging etwas zur Seite und dann als Abpraller rein - glücklicherweise für uns. Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn der Ball einfach mittig durchgeflogen wäre. Aber so hat es diesem Spiel noch eine weitere Geschichte gegeben", brachte es Santos selbst im Gespräch mit SPOX auf den Punkt. Und seither ging es auch für beide Teams in unterschiedliche Richtungen.

Kansas City auf der einen Seite gewann anschließend in Atlanta und zuhause gegen Oakland - nur um sich mit der Heim-Pleite gegen Tennessee am vergangenen Sonntag selbst wieder aus der Pole Position zu befördern. Denver dagegen schlug zwar die Jaguars, verlor aber in Tennessee sowie gegen die Patriots. Das bestimmende Thema dabei, wie eigentlich schon die komplette Saison über: die Harmlosigkeit der eigenen Offense.

Weder gegen Tennessee, noch gegen New England kam Denver über 58 Rushing-Yards hinaus. Lediglich vier Teams verzeichnen weniger Yards pro Run als die Broncos (3,6), und während manche Teams schwache Rushing-Zahlen ausgleichen können oder gar in Kauf nehmen, ist das Run Game für die Offense von Gary Kubiak von elementarer Bedeutung. Stattdessen ruht das Spiel aktuell viel zu häufig auf den Schultern von Trevor Siemian, und das hinter einer der anfälligsten Offensive Lines der Liga.

"Verstehe ihre Frustration"

Mit Blick auf den starken Pass-Rush sowie die opportunistische Secondary der Chiefs wirkt das umso mehr wie ein potentielles Debakel - die Auftritte der Offense sorgen inzwischen auch beim eigenen Team für Unmut, was zu einer lautstarken Kabinen-Auseinandersetzung nach der Niederlage gegen New England geführt haben soll. "Ich verstehe ihre Frustration, die Defense hat gut genug gespielt, um das Spiel zu gewinnen", gab Tackle Russell Okung offen zu.

Und die Zeit läuft Denver davon, eine Pleite am Sonntagabend würde das Ende aller Playoff-Träume bedeuten. Kansas City auf der anderen Seite könnte mit einem Sieg das Playoff-Ticket endgültig buchen. Dennoch flößt Denvers Defense dem Division-Rivalen nach wie vor jede Menge Respekt ein.

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"Du kannst das beste Scheme auf der Welt haben, aber wenn du nicht die individuelle Qualität hast, wird es nicht funktionieren. Genauso ist es auch andersherum - dieses Team hat beides, das haben die Broncos bewiesen", erklärte etwa Quarterback Alex Smith: "Sie haben eine großartige Pass-Rusher-Rotation und in der Secondary jede Menge Erfahrung und Spieler auf allerhöchstem Level."

Somit bleibt abzuwarten, in wie weit Kansas City die Secondary der Broncos wirklich testet, vor allem was lange Pässe angeht. Oder umgekehrt: In wie weit genau das nötig sein wird. Einerseits ist Denvers Defense im Run Game schlagbar, andererseits haben es die Chiefs über die letzten Wochen zunehmend besser geschafft, den Ball auch via Scheme in die Hände von Tight End Travis Kelce zu bekommen, um so zu Mismatches und Yards nach dem Catch zu gelangen.

"Yards nach dem Catch" sind generell ein guter Schlüsselbegriff für die Chiefs-Offense: Bei keinem Starting-Quarterback kommen in dieser Saison prozentual mehr Yards nach dem Catch zustande, als bei Smith (53,3 Prozent) - und mit Tyreek Hill, der einen Punt oder kurzen Screen jederzeit zum Touchdown das Feld runter bringen kann, hat KC dafür genau die richtige Waffe. Das mussten in dieser Saison auch die Broncos bereits feststellen.

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