Die denkwürdigsten Thanksgiving-Spiele

Raging Randy und Letts Bock

Mittwoch, 23.11.2016 | 13:00 Uhr
Leon Lett (l.) hatte gute Jahre in Dallas - sorgte aber für einen unfassbaren Thanksgiving-Moment
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Football an Thanksgiving - eine uralte und seit Jahrzehnten gepflegte Tradition. Die Dallas Cowboys und die Detroit Lions genießen das Vorrecht, Jahr für Jahr Thanksgiving-Spiele austragen zu dürfen und vor allem Dallas hat bereits für einige historische Spiele gesorgt. Ob Randy Moss' Rache-Spiel oder Leon Letts Komplettaussetzer: Zum Feiertag gab es so manches denkwürdige Spiel. SPOX lädt ein zur Tour durch die Geschichtsbücher.

Hinweis: Dieser Artikel erschien bereits zum gleichen Zeitpunkt in der Vorsaison auf SPOX. Zur Einstimmung auf den Donnerstag haben wir ihn an einigen Stellen nochmals überarbeitet und aufgefrischt, um auch neuen NFL-Fans einen Eindruck von Thanksgiving-Football zu geben.

1993: Dallas Cowboys vs. Miami Dolphins 14:16 - Let(t) it go!

Es war ein absolut verrücktes Spiel, das die Fans an Thanksgiving 1993 in Dallas zu sehen bekamen. Im wilden Schneetreiben in Texas verkürzte Miami, das ohne Franchise-Legende Dan Marino auskommen musste, die 14:7-Pausenführung der Hausherren und kam bis auf einen Punkt ran. Es ging hin und her und die Dolphins bissen sich immer weiter rein - bis sie schließlich die Chance auf das Game-Winning-Field-Goal aus 41 Yards Entfernung hatten. Eigentlich machbar.

Doch die Cowboys, namentlich Jimmie Jones, blockten den Kick! An der Seitenlinie flippten alle aus und freuten sich über den Sieg. Aber schnell war klar: Hier stimmt etwas nicht. Statt wie der Rest des Teams einfach weg zu bleiben, rutschte Dallas' Defensive Tackle Leon Lett auf dem Weg zum Ball aus und berührte das Ei - allerdings ohne es zu sichern. Deshalb konnte Miami den Ballbesitz nach dem Block wieder zurückerobern, aus 18 Yards durften sie nochmal ran, dieses Mal saß der Kick. Game Over, Miami wins.

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Kleiner Trost für alle Cowboys-Fans: Das Spiel wurde rückblickend zum kuriosen Wendepunkt für beide Teams. Während Dallas in der Saison anschließend kein einziges Spiel mehr verlor und seinen zweiten Super-Bowl-Titel in Folge einfuhr, setzte es für die zu dem Zeitpunkt bei neun Siegen und zwei Pleiten stehenden Dolphins nur noch Niederlagen. Für die Playoffs reichte es so am Ende nicht.

Und Lett selbst? "Ausgerechnet der!", haderte wohl jeder Cowboys-Fan vor dem Fernseher. Immerhin war es jener Leon Lett, der wenige Monate zuvor im Super Bowl auf dem Weg war, einen Fumble in die Endzone zurück zu tragen. Dabei fing er aber zu früh mit dem Jubel an und bekam das Ei kurz vor der Endzone aus der Hand geschlagen. Was der inzwischen 48-Jährige heute macht? Lett ist der Assistant-D-Line-Coach in Dallas und hat alles sehr gut verarbeitet. "Es ist, als hätte ich schon wieder meinen Traumjob", grinste er in einem Interview. "Manchmal muss ich mich schon kneifen."

1976: Detroit Lions vs. Buffalo Bills 27:14 - The Best and the Worst

Er war an diesem Tag einfach unaufhaltsam: O.J. Simpson marschierte durch die Lions-Defense wie das sprichwörtliche heiße Messer durch die Butter. Die Runs waren knallhart, Detroit brauchte jedes einzelne Mal mehrere Spieler, um ihn zu stoppen. So stellte der Running Back der Bills einen neuen Rekord auf: 273 Rushing-Yards hatte vor ihm noch niemand geschafft (auch wenn der Rekord nur ein Jahr später von Walter Payton wieder gebrochen wurde).

Aber ein Blick auf den Endstand lässt doch stutzig werden: 273 Rushing-Yards vom eigenen Running Back - und trotzdem nur 14 Punkte?! Wie war das möglich, dürfte sich der geneigte Leser fragen. Und das zu Recht! Die Antwort: Quarterback Gary Marangi brachte von 29 Passversuchen ganze vier (!) an den Mitspieler - für zusammen genommen 29 Yards. Es sollte dann, nach nur drei Jahren, übrigens auch seine letzte Saison in Buffalo werden. Und in der NFL.

1994: Dallas Cowboys vs. Green Bay Packers 42:31 - Garrett schlägt Favre

Nicht viel sprach für die Cowboys an jenem Novembertag in Irving. Starting-Quarterback Troy Aikman war verletzt und Green Bays Reggie White jagte dessen Vertreter anfangs nur so über den Platz. Für Aikman sprang ein gewisser Jason Garrett, seines Zeichens heute Head Coach in Big D, ein und - und musste miterleben, wie Brett Favre seinen Packers eine ungefährdete 17:6-Pausenführung bescherte.

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Doch Dallas bewies jede Menge Herz. Garrett kam wie verwandelt aus der Pause, Dallas schenkte Green Bay in der zweiten Hälfte 36 Punkte ein. Am Ende erklärte der damals 28-jährige Held des Tages: "Wir haben viele Waffen. Ich war heute nur ein Teil davon und habe versucht, innerhalb des Systems zu spielen."

Es war eine tolle Leistung - und dabei sollte Garrett trotz der Aikman-Verletzung ursprünglich gar nicht auflaufen. Erster Backup war eigentlich Rodney Peete, der sich aber seinerseits am Daumen verletzte. Es dauerte bis 1998, ehe Garrett nochmals regelmäßiger zum Einsatz kommen sollte (Peete war eine Woche nach Thanksgiving wieder fit) und man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt: Thanksgiving 1994 war das größte NFL-Spiel in der aktiven Karriere des Jason Garrett!

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