Legendenserie: Dan Marino

Der König ohne Krone

Mittwoch, 23.09.2015 | 17:59 Uhr
Dan Marino war für viele der beste Passer aller Zeiten - doch der große Wurf blieb ihm verwehrt
© getty
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Er war der vielleicht beste reine Passer, den die NFL jemals gesehen hat. Er beendete seine Karriere mit zu seiner Zeit unvorstellbaren Rekorden, die erst nach aggressiven Regeländerungen langsam gebrochen wurden und werden. Und trotz allem blieb die ganz große Krönung Dan Marino verwehrt. Alles begann mit einem unerwarteten Draft-Steal - doch Marino und seine Miamis Dolphins sollten nur einmal wirklich nahe an die Vince-Lombardi-Trophy kommen.

Coach Don Shula machte sich überhaupt nicht erst die Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. Seine Miami Dolphins hatten soeben Super Bowl XIX unerwartet deutlich gegen Bill Walshs und Joe Montanas San Francisco 49ers verloren und Shula verschonte kurz nach dem Spiel auch seinen Quarterback nicht. "Dan Marino hat heute definitiv nicht so gespielt wie zuvor in der Saison", betonte der so erfahrene wie erfolgsverwöhnte Coach.

Bei aller Ehrlichkeit hätte sich aber wohl auch Shula selbst nicht träumen lassen, wie Recht er mit seinem anschließenden Fazit haben sollte - insbesondere mit Blick auf den damals lediglich 23-jährigen Marino: "Die Enttäuschung, das heute nicht geschafft zu haben, wird uns ein Leben lang begleiten."

Der Quarterback-Kicker-Hybrid

Die Geschichte des späteren Hall-of-Fame-Quarterbacks beginnt 1961 in einem Arbeiterviertel in Pittsburgh. Marino, wie sollte es anders sein, wuchs als Steelers-Fan auf und dominierte bereits auf dem Highschool-Level - als Quarterback, aber teilweise auch als Kicker.

"Ich habe es geliebt", berichtet er in seiner Biographie. "In einem Spiel legte ich mehrere Touchdown-Pässe auf und kickte einen Extra-Point. Wir gewannen 19:18. Aber ich wusste, wo meine eigentliche Stärke lag. Deshalb war ich beim Kickoff schlau genug, den Anweisungen meiner Trainer zu folgen und nach dem Kick in die Nähe des Refs zu rennen, damit ich keinen Kamikaze-Block abbekomme."

Seine Talente beschränkten sich dabei allerdings nicht nur auf das Gridiron. Auch im Baseball sorgte Marino früh für Schlagzeilen, so dass ihn die Kansas City Royals in der vierten Runde drafteten und ihm einen Vertrag inklusive Unterschriftsbonus über 35.000 Dollar vorlegten. Doch Marino wollte College-Football spielen - und in der Heimat bleiben: "Irgendetwas, vielleicht war es mein Herz, sagte mir, dass ich nach Pitt gehen soll."

Drogengerüchte und Formtief zur Unzeit

Es war nur eine Frage der Zeit, ehe sich Marino bei den Pitt Panthers durchsetzte, wenngleich der Start durchaus holprig verlief: "Mein erster College-Pass war eine Interception gegen Kansas. Aber ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen und mein dritter Pass war ein Touchdown." Marino führte die Panthers zu drei Spielzeiten in Folge mit je elf Siegen und nur einer Pleite sowie zu mehreren Bowl-Triumphen. Doch das erste echte Formtief seiner Sportler-Karriere kam zur Unzeit.

Im letzten College-Jahr offenbarte Marino bis dato ungeahnte Probleme. Bei lediglich 17 Touchdown-Pässen leistete er sich 23 Picks und je näher der anstehende Draft kam, umso ungemütlicher wurde es um den jungen Mann, der zuvor nur mit Passing-Rekorden für Schlagzeilen gesorgt hatte. Gerüchte verbreiteten sich wie aus dem Nichts, wonach Marino Drogenprobleme habe und gerne heftig feiern gehe.

"Ich hatte mitbekommen, dass es zumindest Fragen gab", blickte Marinos damaliger Agent Marvin Demoff zurück. "Er sagte mir, dass innerhalb der Schule Gerüchte aufgetaucht waren. Angeblich nahmen einige Spieler Drogen. Sie wurden alle intern getestet und waren allesamt clean." Die Vorwürfe wurden niemals belegt und doch gab Steelers-Coach Chuck Noll fast zehn Jahre später zu, aufgrund eben jener Gerüchte Marino in der ersten Runde des 1983er Drafts nicht gewählt zu haben.

Miami dagegen hatte sich aus anderen Gründen im Vorfeld überhaupt nicht ernsthaft mit Marino beschäftigt - niemand im Dolphins-Lager dachte, dass der Pitt-Star an Nummer 27 noch verfügbar sein könnte und fünf Quarterbacks vor Marino gewählt werden würden. "Als er dann tatsächlich noch da war, war mir klar, dass ich ihn nicht ignorieren würde", erzählte Shula später. Er sollte seine Entscheidung niemals bereuen.

Die harte Shula-Schule

Schnell begann Marino, seinen Coach, der seines Zeichens bereits Johnny Unitas trainiert hatte, im Training zu beeindrucken. Nicht nur aufgrund Shulas reichem Erfahrungsschatz war das alles andere als eine einfache Aufgabe.

Shula hatte sich über die Jahre einen Ruf als knallharter Trainings-Coach erarbeitet. Seine Teams mussten nicht selten vier Mal am Tag ohne Wasserpause während den Einheiten trainieren, Marino wurde bereits als Rookie gezwungen, die Spielzüge auf dem Trainingsplatz sowie in den Meetings selbst anzusagen.

Und doch übertraf er Shulas Erwartungen mit seinem blitzartigen Release, den präzisen weiten Pässen und schnellen sowie guten Entscheidungen auf dem Feld. So dauerte es lediglich sechs Wochen, ehe Marino die Starter-Rolle übernahm - und gegen Buffalo prompt 322 Yards und drei Touchdowns auflegte. Er sollte den Startplatz, abgesehen von Verletzungszwangspausen, nie wieder hergeben.

"Alles hat sich verändert"

Shula merkte schnell, dass er seine Offense um Marino herum aufbauen und die Liga so aufmischen konnte. Zu einer Zeit, in der Running Game und wenn überhaupt kurze Pässe dominierten, dirigierte Marino eine Passing-Offense, für die lange Pässe ein elementarer Bestandteil waren. "Alles hat sich verändert, als wir Dan bekommen haben. Wir sind einfach in die andere Richtung gegangen", erzählte Shula der Sports Illustrated. Spätestens in Marinos zweiter Saison explodierte die Offense schließlich.

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Seine 48 Touchdown-Pässe waren für 20 Jahre die NFL-Bestmarke und wurden erst nach diversen, das Passing-Game begünstigenden, Regeländerungen überboten. Erst 14 Jahre später (Kurt Warner, 41) knackte überhaupt ein anderer Quarterback wieder die 40-TD-Schallmauer. Erreicht hatte Marino jene 48 Touchdown-Pässe, indem er für 5.084 Yards warf - ein absoluter Fabelwert Mitte der 80er Jahre, der erst 2011 von Drew Brees überboten wurde.

Miami pflügte durch die Regular Season, genau wie durch die Playoffs und im Conference-Final mussten ausgerechnet die Pittsburgh Steelers dran glauben - Marino stellte mit 421 Passing-Yards und vier Touchdown-Pässen jeweils neue Conference-Final-Rekorde auf. Noch 30 Jahre später erzählte er, dass es die Lieblingserinnerung an seine Karriere sei, "weil ich in Pittsburgh aufgewachsen bin".

Alles war bereit für einen absoluten Super-Bowl-Kracher gegen die San Francisco 49ers, die auf dem Rücken der West Coast Offense durch ihre Conference ähnlich dominant marschiert waren wie die Dolphins. Es sollte ein aus Miamis Sicht mehr als frustrierender Abend werden.

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