Ex-College-Star Adam Morrison

Er galt einmal als neuer Larry Bird...

Von Maurice Kneisel
Freitag, 14.10.2011 | 19:24 Uhr
Belgrads Adam Morrison wurde 2009 und 2010 mit den Los Angeles Lakers NBA-Champion
© Getty
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Adam Morrison war auf dem College Topscorer und wurde als kommender Superstar gehypt. In der NBA floppte er dann aber brutal - trotz zweier NBA-Championships. Mittlerweile hat der 27-Jährige bei Roter Stern Belgrad in Serbien angeheuert. Schafft die Gonzaga-Legende unter Coach Svetislav Pesic doch noch die Kehrtwende?

7000 Fans in der Pionir Hall feuern lautstark ihre Mannschaft an, die Stimmung ist auf dem Siedepunkt. Der Tipoff zur Partie zwischen Roter Stern Belgrad und dem FC Bayern München hat sich aufgrund von Feuerzeugen, Konfetti und Münzen, die auf das Parkett geworfen wurden, bereits verzögert. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Emotionen überkochen und jemand die Beherrschung verliert.

Und dann ist es soweit: FCB-Center Bogdan Radosavljevic sichert sich dank vollen Körpereinsatzes gegen einen schmächtigeren Gegenspieler einen Rebound, passt weiter und läuft Richtung gegnerische Hälfte. In der Bewegung geraten die beiden aneinander - erst wird geschubst, dann fliegen munter die Ellbogen und einige weniger freundliche Worte.

Den Tränen nahe

Der Roter Stern-Spieler wird daraufhin vom Schiedsrichter auf die Bank geschickt. Er kriegt sich kaum mehr ein, geht zunächst munter weiter schimpfend Richtung Seitenlinie, nur um noch mal zurück zu kommen und den Gegenspieler mit einigen weiteren Verwünschungen zu bedenken.

Dabei immer wieder die Geste: Er hat mich mit dem Ellbogen attackiert! Schließlich verlässt er widerwillig das Parkett, aber nicht, ohne den aufgedrehten Fans noch mal einzuheizen. Eigentlich sollte es sich hierbei um ein Freundschaftsspiel handeln, doch der Eindruck scheint zu täuschen.

Ebenso täuscht, dass diese Szene ohne größere Bedeutung ist. Der Spieler, der zunächst seine Teamkollegen abklatscht und dann wutentbrannt und sichtlich den Tränen nahe auf der Ersatzbank Platz nimmt, ist nämlich nicht irgendwer, sondern ein ehemaliger College-Star: Adam Morrison.

Einziger US-Boy im Team

Der gebürtig aus Glendive, Montana stammende 27-Jährige ist der einzige US-Amerikaner im Kader der Serben. Er soll diverse Angebote von größeren europäischen Klubs abgelehnt und auf eine ordentliche Stange Geld verzichtet haben, um für Roter Stern zu spielen.

Der Grund? Ganz einfach: Svetislav Pesic. Belgrads Trainer, der früher unter anderem beim DBB und Alba Berlin tätig war, hatte sich besonders für die Verpflichtung des seit seinem 13. Lebensjahr an Typ-1-Diabetes leidenden Morrison eingesetzt.

"Er ist ein unglaublich offener Typ. Er kam in der Halle gleich zu mir und sagte, dass er mir Grüße von Elias Harris (spielt für Morrisons Ex-College-Team Gonzaga, Anm. d. Red.) ausrichten soll. Von meinem Vater habe ich mitbekommen, dass er sich sofort angepasst hat und schon jetzt von den Fans geliebt wird", erzählt Bayerns Sportdirektor Marko Pesic im Gespräch mit SPOX.

"Für Adam waren zwei Sachen wichtig: Erstens ein guter Trainer, weil er wenig gespielt hat und seine Sicherheit wieder braucht. Zweitens war die Spielzeit entscheidend in einer Mannschaft, die Qualität hat und gut strukturiert ist. Das Geld war nur nebensächlich. Ein abosluter Coup, ihn zu holen."

Vom neuen Bird zum Bust

Knapp fünf Jahre zuvor war der Small Forward mit hohen Erwartungen in die NBA gekommen. Mit den Gonzaga Bulldogs hatte er drei erfolgreiche Saisons am College erlebt und war in seiner letzten Spielzeit mit durchschnittlich 28,1 Punkten landesweit Topscorer. Zudem versenkte er knapp 43 Prozent seiner Dreierwürfe.

Als einer der besten College-Spieler seines Jahrgangs und gar als der neue Larry Bird gehypt, wurde er an dritter Stelle von den Charlotte Bobcats gedraftet... und verkam zum ultimativen Bust. Auf deutsch: Er enttäuschte so bitterlich, dass im Lexikon ein Foto von Morrison neben dem Begriff abgebildet sein sollte.

Stash - so der Spitzname, den er seinem Schnurrbart verdankt - stand in seiner Rookie-Saison durchschnittlich 29,8 Minuten auf dem Court. Ursprünglich als Go-to-Guy eingeplant, kam er auf gerade mal 11,8 Punkte pro Spiel und traf nur grottige 37,6 Prozent seiner Würfe. Hauptprobleme waren sein nicht existentes Defensivspiel sowie die Unfähigkeit, sich offensiv dem NBA-Niveau anzupassen.

Zwei Championship-Ringe

Während der Vorbereitung auf seine Sophomore-Saison 2007-08 riss sich Morrison zu allem Überfluss in einem Testspiel gegen die Los Angeles Lakers auch noch das Kreuzband im linken Knie und fiel die komplette Spielzeit aus.

Danach verlor man in Charlotte endgültig das Vertrauen. Seine Minuten sackten merklich ab und schließlich wurde er zu den Los Angeles Lakers getradet, die ihn nach Ablauf seines Rookie-Vertrags 2010 gehen ließen.

Ironischerweise hat Morrison etwas erreicht, womit sich selbst Superstars wie LeBron James (noch) nicht rühmen können. Bei den Lakers stand er zwar nur noch 7,3 Minuten pro Spiel auf dem Parkett, gewann aber 2009 und 2010 jeweils die NBA-Championship.

Keine Ausstiegsklausel

Morrison hat in Belgrad laut seinem Agenten Mark Bartelstein einen Einjahresvertrag ohne die obligatorische Ausstiegsklausel unterschrieben und besitzt somit nicht die Möglichkeit, zum NBA-Saisonstart in die USA zurückzukehren.

Der Grund liegt auf der Hand: Er zählt nicht zu den NBA-Profis, die während des Lockouts einfach nur eine Zwischenlösung benötigen und sicher sind, anschließend wieder bei einer der 30 Franchises unterzukommen.

Vielmehr sucht Morrison am Balkan nach einer neuen (und möglicherweise letzten) Chance. Und seine NBA-Karriere ist damit wohl endgültig vorbei - oder?

Zurück zu Gonzaga

Pesic hat sich einen Shooter gewünscht und eben diesen bekommen. Defensiv wird, anders als in der NBA, nicht viel von Morrison gefordert. Und offensiv wird er in Zukunft nicht mehr von Verteidigern des Kalibers eines Tony Allen oder Tayshaun Prince gedeckt, so dass er, wie zu seiner Collegezeit, wieder zahlreiche freie Würfe bekommen sollte.

Apropos Collegezeit - hier findet sich eine weitere Parallele: Belgrad ist eine basketballverrückte Stadt und die Pionir Hall gleicht, wie zu Beginn geschildert, regelmäßig einem Hexenkessel. Gelingt es Morrison, sich schnell einzuleben und in Team und System ähnlich gut einzufügen wie früher bei den Bulldogs, dann könnten wir die Wiederauferstehung des alten Stash erleben.

Rückschritt gleich Fortschritt?

Roter Stern gewann das beschriebene Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern übrigens deutlich mit 80:55. Topscorer auf dem Court? Na genau, der blasse Kerl mit den langen Haaren und dem Schnäuzer, der trotz Courtverweis 17 Punkte sammelte.

Entsprechend beeindruckt äußerte sich Bayern-Trainer Dirk Bauermann gegenüber SPOX: "Ein hervorragender Mann mit großer Qualität. In Gonzaga einer der besten Spieler, den sie je hatten. Es ist immer schwer, als einziger Amerikaner in einer Mannschaft zu spielen, in der sonst nur einheimische Spieler sind. Aber er scheint ganz gut damit zurechtzukommen."

Wird Morrison über die Zwischenstation Europa den Weg zurück in die NBA finden? Nach seinen schwachen Vorstellungen erscheint dies unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Man muss allerdings fragen, ob das überhaupt ein Muss ist? Denn der Mann, der stinkwütend zur Belgrader Bank stapfte, wirkte unzufrieden mit Gegenspieler und Schiedsrichter. Aber nicht mit seiner neuen Situation.

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