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MLB Playoffs 2018: Houston Astros nach dem Aus - das gewisse Etwas hat gefehlt

Jose Altuve und die Houston Astros haben den Einzug in die World Series verpasst.
© getty

Die Houston Astros sind in der American League Championship Series an den Boston Red Sox gescheitert und haben damit den erneuten Einzug in die World Series verpasst. Nach starker Saison haben letztlich vor allem Kleinigkeiten den Unterschied gemacht.

So nah und doch so fern. Diese vielverwendete Floskel umschreibt sehr gut, wie sich die Astros nach dem Ausscheiden in der American League Championship Series fühlen dürfen. Auch umschreibt sie den Ausgang der Serie.

Es waren nur fünf Spiele, doch jede dieser Partien hätte im Grunde auch anders ausgehen können. Doch in nahezu allen engen Szenen waren es am Ende die Red Sox, die die Nase vorn hatten. Sie waren es, die das Quäntchen Glück mehr hatten, die mehr "clutch" waren, wie der Amerikaner so gerne sagt.

Den Astros bleibt nichts anderes übrig, als anzuerkennen, dass es dieses Mal einfach nicht gereicht hat. Anders als im letzten Jahr, als selbst mit schwachem Bullpen die entscheidenden Momente zu ihren Gunsten gelaufen waren. In diesem Jahr fehlte das gewisse Etwas. Third Baseman Alex Bregman brachte es auf den Punkt: "Sie spielten wirklich gut, sie spielten besser als wir. Es war eine hart umkämpfte Serie. Sie sind ein sehr gutes Team und wir sind einfach enttäuscht."

Der wohl größte Moment, der dem Team wohl endgültig den Zahn gezogen hat, war dabei sicherlich der 2-Run-Homerun zur ultimativen Führung der Red Sox durch ALCS-MVP Jackie Bradley Jr. im sechsten Inning von Spiel 4. Bis dahin waren die Astros trotz offenem Schlagabtausch drauf und dran, auf 2-2 zu stellen und damit eine gute Ausgangsposition für den Rest der Serie zu erarbeiten.

Homerun von Jackie Bradley Jr. der Wendepunkt

Doch Bradleys Homerun gegen einen zu dem Zeitpunkt überarbeiteten Josh James war die Wende. Die Astros hatten es in der Hand und gaben das Spiel und damit letztlich die Serie aus der Hand. Spiel 5 mag auf dem Papier nochmal eng gewesen sein, doch fünf Hits vor heimischer Kulisse - nur ein Runner in Scoring Position - in einem potenziellen Elimination Game sprechen eine deutliche Sprache: Die Sox hatten den Astros den Schneid abgekauft. Gefühlt bestand nie ein Zweifel daran, dass die Serie nicht mehr nach Boston zurückkehren würde.

Vor Spiel 5 jedoch boten sich den Astros zahlreiche Möglichkeiten, selber Schaden anzurichten und sich selbst zu helfen. Doch nach dem Sieg in Spiel 1 - mit vier Runs im neunten Inning, die das 7:2 deutlicher erscheinen ließen als es war - brach die Offense in sich zusammen.

Die Astros waren in den Spielen 2 bis 4 6-28 mit Runners in Scoring Position (Runner mindestens auf der zweiten Base), was einem Schlagdurchschnitt von .214 entspricht. Mit anderen Worten: richtig schwach! Und die Astros ließen 34 Mann auf Base stehen, was in nur vier Spielen Bände spricht.

ALCS 2018: Boston Red Sox - Houston Astros

DatumUhrzeitSpielErgebnis
14. Oktober2.09 UhrBoston Red Sox - Houston Astros, Spiel 12:7
15. Oktober1.09 UhrBoston Red Sox - Houston Astros, Spiel 27:5
16. Oktober23.09 UhrHouston Astros - Boston Red Sox, Spiel 32:8
18, Oktober2.39 UhrHouston Astros - Boston Red Sox, Spiel 46:8
19. Oktober2.09 UhrHouston Astros - Boston Red Sox, Spiel 51:4

Größtenteils ist dies ein Beweis fürs starke Pitching der Red Sox, aber die Astros zeigten sich teils auch einfach zu ungeduldig an der Platte und kreierten häufig zu schnelle Outs.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die fragwürdige Fan-Interference-Entscheidung in Spiel 4 beim vermeintlichen 2-Run-Homerun zum Ausgleich. Bis heute war keine Kamera-Perspektive zu finden, die belegt, dass der Fan tatsächlich ins Spielfeld gegriffen hat - doch der umstrittene Umpire "Country" Joe West sah es eben so.

Houston hatte danach noch zahlreiche weitere Scoring-Chancen, die sie mitunter auch verwerteten, aber diese zwei Runs fehlten dann in der Endabrechnung. Ein Umstand, den Manager A.J. Hinch allerdings nicht als Ausrede gelten ließ, obgleich er deutlich machte, was er von Wests Entscheidung hielt.

Ebenfalls problematisch war die Unfähigkeit der Astros-Pitcher, die Red Sox "wegzupacken". Sprich: Boston richtete sehr viel Schaden mit zwei Outs an. Sinnbild dafür ist Jackie Bradley Jr., der in den Spielen 2 bis 4 alleine neun Runs mit zwei Outs nach Hause geschlagen hat. Die eigentlich überlegenen Pitcher Houstons bissen sich die Zähne an der Sox-Offense aus, die in kurzer Serie zeigte, warum sie schon in der Regular Season die mit Abstand meisten Runs aller Teams erzielt hatte.

ALCS 2018: Houston Astros fehlt der Killer-Instinkt

Dieser Killer-Instinkt ging Houston ab. Ebenso ging die eine oder andere wichtige Entscheidung schief. Reliever Joe Smith nach seiner Nichtberücksichtigung in der ALDS für die ALCS zu nominieren, ging etwa nach hinten los: Er pitchte einmal und gab prompt den Homerun zum Sieg für Boston in Spiel 3 ab.

Charlie Morton nach fast dreiwöchiger Pause Spiel 4 starten zu lassen, entpuppte sich ebenfalls als Fehlgriff - obgleich es freilich keine echte Alternative gab. Zudem war da das besagte zu lange Festhalten an James in Spiel 4.

Ebenfalls kein "Winner" war die Versetzung von Alex Bregman - sicherlich der beste Spieler dieses Teams 2018 - auf den Lead-Off-Spot in Spiel 4 und 5. Er war 0-9 mit einem Hit-by-Pitch! Die Begründung mochte einleuchten - Bregman wurde äußerst vorsichtig gepitcht und bekam essenziell keine Pitches, die er ernsthaft hätte schlagen können - doch das Resultat war schlecht. Bregman wurde nicht unbedingt mehr attackiert, präsentierte sich jedoch aggressiver und machte sich häufig quasi selbst aus.

Natürlich soll das jetzt keine Generalkritik an Manager A.J. Hinch sein, der schließlich vor nicht mal einem Jahr die World Series gewonnen hatte, aber diese Serie wurde von Kleinigkeiten entschieden. Und bei diesen Kleinigkeiten lagen die Astros meist falsch.

Ein Weltuntergang ist dieses Ausscheiden freilich nicht. Nach einem World-Series-Triumph im Jahr darauf direkt wieder in die LCS einzuziehen, gelang in letzter Zeit nicht vielen Teams. Das beweist Nachhaltigkeit. Die Astros sind für die Zukunft gewappnet.

Houston Astros für die Zukunft gewappnet

Von den aktuellen Topkräften werden lediglich die Pitcher Dallas Keuchel und Charlie Morton Free Agents. Hinzu kommt wohl Catcher Brian McCann, dessen 15 Millionen Dollar schwere Klub-Option sicherlich nicht gezogen wird (kein Buyout!). Marwin Gonzalez' Option hingegen wird definitiv gezogen - mit 5,125 Millionen Dollar Gehalt ist er ein Steal.

Bis auf die drohenden Verluste von Keuchel und Morton steht damit jeder Stammspieler noch mindestens bis Ende 2019 unter Teamkontrolle. Einer von beiden könnte einen Platz für Top-Prospect Forrest Whitley freimachen, der dieses Jahr bereits in Double-A zu überzeugen wusste. Er zählt in allen größeren Publikationen zu den zehn besten Talenten der MLB.

Der erste größere Umbruch stünde indes erst 2020 an, obgleich auch dann bis auf Gerrit Cole und Ryan Pressly kein Kern-Spieler Gefahr liefe, das Team zu verlassen.

Die Astros haben allein in den letzten zwei Spielzeiten über 200 Spiele gewonnen und wenn es nicht einen unvorhergesehenen Einbruch gibt, dann wird diese Truppe auch in den nächsten Jahren ganz oben mitspielen.

Für den Moment steht Wunden lecken an, was Hinch auf der Pressekonferenz nach Spiel 4 verdeutlichte: "Wir haben die Messlatte genau so platziert, wie es hier auch sein sollte: Die World Series wäre das einzige gewesen, was diesem Team das Gefühl gegeben hätte, viel erreicht zu haben." Hinch gab zu: "Es ist ein ziemlich leeres Gefühl, wenn die Saison so abrupt endet."

Doch der Blick in die Zukunft dürfte die Enttäuschung schnell wieder lindern. Zu gut sind die Perspektiven des baldigen Ex-Champions.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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