Montag, 12.01.2015

Tops und Flops des Wochenendes

Je skie Charlie

Der Terroranschlag auf das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" lässt auch den Wintersport nicht kalt. Außerdem: Tim Tscharnke wird zum Sterne-Koch, Julia Mancusos Laptop ist begehrt und Cool Runnings Reloaded.

Der Anschlag auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" war auch im Wintersport allgegenwärtig
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Der Anschlag auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" war auch im Wintersport allgegenwärtig

Tops

Je suis Charlie: Am Wochenende wurde Ski gefahren. Es wurde gesprungen, geschossen, gelaufen, egal ob auf kurzen oder langen Latten oder mit Schlittschuhen. Und doch standen wohl immer noch alle unter dem Eindruck dessen, was am letzten Mittwoch in Paris geschehen war.

Der Terroranschlag auf das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" bewegte die Menschen rund um den Globus, die Sportwelt war da keine Ausnahme. Und nachdem bereits unter der Woche viele Menschen Anteil am Schicksal der Opfer nahmen, indem sie Plakate mit dem Aufdruck "Je suis Charlie" in die Luft reckten, zogen am Wochenende einige Athleten nach.

Da wäre zum Beispiel der zweimalige Schwimm-Olympiasieger Yannick Agnel zu nennen, der sein Preisgeld von einem Meeting im Pariser Vorort Courbevoie der Zeitschrift spendete. Aber auch die Helden des Winters gedachten Herausgeber Stephane Charbonnier und Co.

Alexis Pinturault beispielsweise, der bei seinem zweiten Platz im Riesenslalom von Adelboden die mittlerweile zu einem Symbol gewordene Aussage auf dem Helm trug. Später hielt er bei der Siegerehrung zudem ein Blatt mit den Worten "Je skie Charlie" in die Kamera, das sein Mitgefühl für seine Landsleuten erneut verdeutlichen sollte.

Auch bei den nordischen Kombinierern war die grausame Tat ein Thema. Die Veranstalter im französischen Chaux-Neuve gedachten der Opfer im Auslauf der Schanze, in den sie das weltweite Motto geschrieben hatten. Es sind diese Szenen, die einem von diesem Wochenende - ganz fern von jeglichen sportlichen Entscheidungen - am meisten im Gedächtnis bleiben werden.

Trend

Welcher Deutsche drückt dem Winter 2015/2016 seinen Stempel auf?

Felix Neureuther
Severin Freund
Simon Schempp
Eric Frenzel
Natalie Geisenberger
Laura Dahlmeier
ein anderer Athlet

Flug-Lust statt Tournee-Frust: Jaja, wenn's um nichts geht, dann gewinnt er wieder. Bei der Tournee pfui, jetzt hui. Wen interessiert schon Skifliegen? So in etwa hörte sich die eine oder andere Stimme an, nachdem Severin Freund am Samstag die Weitenjagd auf dem umgebauten Kulm für sich entscheiden konnte.

SPOX feiert den 26-Jährigen trotzdem. Erstens muss man schon ein wenig wahnsinnig sein, um auf 237,5 Meter zu segeln und damit sogar einen neuen deutschen Rekord aufzustellen. Und zweitens gehört zum Sport eben Verlieren dazu.

Dass aber auch Freund ein kleiner Stein vom Herzen gefallen ist, nachdem er den ersten Skiflug-Weltcup seiner Karriere gewonnen hatte und damit die Tournee zumindest ein klein wenig vergessen machen konnte, war kaum zu übersehen.

"Wenn man Skiflug-Weltmeister ist und noch keinen Podest-Platz hat, muss man das schleunigst ändern. Wenn das dann mit einem Sieg gelingt, ist das natürlich doppelt gut. Für mich hat brutal viel zusammen gepasst", so Freund. Übrigens: Der Lohn war kein Champagner oder sonstige Sperenzchen.

Stattdessen stapfte der Niederbayer vom Siegerpodest geradewegs zum nächstbesten Naschwerk-Stand und orderte eine Packung gebrannte Mandeln. Irgendwie erfrischend normal.

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Drei-Sterne-Tscharnke: Hinhocken. Durchschnaufen. Und bloß nicht vom Stuhl fallen. Am Samstag war bei der vorletzten Etappe der Tour de Ski kein Norweger ganz oben auf dem Podium. Noch nicht genug?

Mit Tim Tscharnke war ein Deutscher der Schnellste in der Loipe. Ein deutscher Langläufer, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Mehr Sensation geht eigentlich nicht, die ersten fühlten sich gar wie in einem Wintermärchen - Kinofilm inklusive.

Noch unglaublicher wird der Erfolg nur, wenn man bedenkt, dass der 25-Jährige gerade mal sieben Tage zuvor an seinem persönlichen Tiefpunkt angelangt war. Platz 73 beim Tour-Prolog in Oberstdorf, Rang 101 im Gesamtweltcup, ganz zu schweigen vom ohnehin verpatzten Saisonstart.

"Ich komme mir vor wie ein Koch, der nur Pizza machen kann, aber in einem Drei-Sterne-Restaurant arbeitet", hatte Tscharnke damals festgestellt. Jetzt reichte es zumindest kurzfristig für einen Michelin-Stern, auch wenn er sich am Sonntag mit Platz 21 schon wieder auf dem Boden der Tatsachen wiederfand.

Übrigens: Am Ende war die Langlauf-Welt doch wieder in Ordnung. Bei den Frauen gewann die Norwegerin Marit Björgen die Gesamtwertung der Tour de Ski vor der Norwegerin Therese Johaug vor der Norwegerin Heidi Wenig vor der Norwegerin Ragnhild Haga. Bei den Männern triumphierte der Norweger Martin Johnsrud Sundby vor dem Norweger Petter Northug.

Felix Neureuther - eine Karriere in Bildern
Im Januar 2003 gab Felix Neureuther sein Weltcup-Debüt. Ihm wurde der Bayerische Sportpreis als "herausragender Nachwuchssportler" verliehen. Bei der WM in St. Moritz belegte er Platz 15 im Slalom
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Im Januar 2003 gab Felix Neureuther sein Weltcup-Debüt. Ihm wurde der Bayerische Sportpreis als "herausragender Nachwuchssportler" verliehen. Bei der WM in St. Moritz belegte er Platz 15 im Slalom
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Der erste Rückschlag: Nach seinem Abitur wurde bei Neureuther eine Herzerkrankung festgestellt. Der 20-Jährige musste ein Jahr pausieren
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Der erste Rückschlag: Nach seinem Abitur wurde bei Neureuther eine Herzerkrankung festgestellt. Der 20-Jährige musste ein Jahr pausieren
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Doch der Youngster kehrte zurück und eroberte beim ersten Slalom der Weltcupsaison 2004/2005 den sechsten Platz
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Doch der Youngster kehrte zurück und eroberte beim ersten Slalom der Weltcupsaison 2004/2005 den sechsten Platz
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2005 folgte der erste große Titel: Das deutsche Team holte Gold bei der Skiweltmeisterschaft in Bormio
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2005 folgte der erste große Titel: Das deutsche Team holte Gold bei der Skiweltmeisterschaft in Bormio
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Während seiner Laufbahn musste Neureuther bereits viele Stürze hinnehmen. Doch das Stehaufmännchen ließ sich nicht unterkriegen
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Während seiner Laufbahn musste Neureuther bereits viele Stürze hinnehmen. Doch das Stehaufmännchen ließ sich nicht unterkriegen
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Jubel in Beaver Creek: Rang drei im Slalom
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Jubel in Beaver Creek: Rang drei im Slalom
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Neureuther meisterte spektakuläre Pisten auf der ganzen Welt
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Neureuther meisterte spektakuläre Pisten auf der ganzen Welt
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Und verdiente sich auch dadurch Sponsorenverträge bei großen Firmen
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Und verdiente sich auch dadurch Sponsorenverträge bei großen Firmen
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Außerdem wurde er zu den größten TV-Shows eingeladen, wie hier zu "Wetten, dass..." in Halle
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Außerdem wurde er zu den größten TV-Shows eingeladen, wie hier zu "Wetten, dass..." in Halle
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Trotz toller Leistungen: Für den Platz ganz oben auf dem Podium reichte es lange nicht
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Trotz toller Leistungen: Für den Platz ganz oben auf dem Podium reichte es lange nicht
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2010 war es dann endlich so weit: Auf dem Ganslernhang in Kitzbühel feierte der damals 25-Jährige seinen ersten Weltcupsieg. Der Jubel war grenzenlos
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2010 war es dann endlich so weit: Auf dem Ganslernhang in Kitzbühel feierte der damals 25-Jährige seinen ersten Weltcupsieg. Der Jubel war grenzenlos
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Der zweite Streich: Beim Weltcupfinale am 13. März 2010 siegte er in seiner Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen im Slalom auf dem Gudiberg
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Der zweite Streich: Beim Weltcupfinale am 13. März 2010 siegte er in seiner Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen im Slalom auf dem Gudiberg
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Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver enttäuschte Neureuther im Slalom, überraschte im Riesenslalom jedoch mit dem achten Platz
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Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver enttäuschte Neureuther im Slalom, überraschte im Riesenslalom jedoch mit dem achten Platz
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Die stolzen Eltern Christian Neureuther und Rosi Mittermaier waren schon immer Olympia-Fans
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Aus im Slalom, Rang 34 im Riesenslalom: Die Heim-WM 2011 war für Neureuther desolat
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Aus im Slalom, Rang 34 im Riesenslalom: Die Heim-WM 2011 war für Neureuther desolat
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Am 1. Januar 2013 setzte sich Neureuther in München gegen Marcel Hirscher durch und landete seinen dritten Weltcupsieg. Gefeiert wurde ordentlich
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Am 1. Januar 2013 setzte sich Neureuther in München gegen Marcel Hirscher durch und landete seinen dritten Weltcupsieg. Gefeiert wurde ordentlich
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WM 2013 in Schladming: Felix saust zu Silber, die erste WM-Einzelmedaille
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Doch er verletzte sich in der Vorbereitung auf die kommende Saison und musste am Sprunggelenk operiert werden
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Doch er verletzte sich in der Vorbereitung auf die kommende Saison und musste am Sprunggelenk operiert werden
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Wie so oft kehrte Neureuther gestärkt zurück: Mit seinem Sieg beim Weltcup in Bormio 2014 zog er nach Siegen mit seinem Vater gleich
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Den ersten Riesenslalom-Weltcupsieg eines Deutschen seit dem 2. März 1973 sicherte sich Neureuther wenige Tage später
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Den ersten Riesenslalom-Weltcupsieg eines Deutschen seit dem 2. März 1973 sicherte sich Neureuther wenige Tage später
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Drama vor Sotschi! Auf dem Weg zum Flughafen war Neureuther in einen Autounfall verwickelt, ein Schleudertrauma drohte den Olympia-Traum platzen zu lassen
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Nicht ganz fit lief es bei den Spielen mäßig - Rang acht im Riesenslalom, das Aus im Slalom
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Trost gab es von Freundin und Biathletin Miriam Gössner
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Trost gab es von Freundin und Biathletin Miriam Gössner
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Neben dem aktiven Sport verbringt Neureuther gerne Zeit mit seinem Kumpel Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern Basketball
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Durch den Erfolg beim Slalom von Madonna di Campiglio wurde der 30-Jährige zum erfolgreichsten deutschen Skirennläufen im alpinen Weltcup - besser als Markus Wasmeier
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Durch den Erfolg beim Slalom von Madonna di Campiglio wurde der 30-Jährige zum erfolgreichsten deutschen Skirennläufen im alpinen Weltcup - besser als Markus Wasmeier
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Cool Runnings: Mal im Ernst, wer hat den Namen Nico Walther schon mal gehört? Na, keine Handzeichen? Kein Wunder, es ist noch nicht lange her, da war der Name Nico Walther wirklich nur Insidern des Bobsports ein Begriff.

Das hat sich aber spätestens am Sonntag geändert. Der Junioren-Weltmeister stellte auf seiner Heimbahn in Altenberg die komplette Weltelite in den Schatten. Seine Erklärung: "Ich habe einfach das gemacht, was ich hier immer mache."

So viel zum deutschen Höhepunkt, denn es gab auch eine Schrecksekunde. Maximilian Arndt kippte mit seinem Viererbob bei vollem Tempo im ersten Lauf um und rutschte auf der Seite über die Linie.

Das hatte zwar etwas von Cool Runnings, doch weder kam einer vorbei und schrie "Üns, zwü, drü", noch lief das ganze wirklich glimpflich ab. Mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung musste Arndt zu weiteren Untersuchungen sogar ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Diagnose am Sonntagnachmittag: Nackenprellungen, eine leichte Gehirnerschütterung und eine Schnittwunde am Kinn. Glück im Unglück, sagt man da wohl.

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