Kati Wilhelm im Interview

"Lena kann sich nur selber schlagen"

Von Interview: Liane Killmann
Mittwoch, 29.02.2012 | 12:43 Uhr
Magdalena Neuner und Kati Wilhelm haben im Biathlon viele gemeinsame Erfolge gefeiert
© Imago
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Kati Wilhelm erlebte bei ihrer Heim-WM in Oberhof 2004 ein Debakel. Bei den Titelkämpfen in Ruhpolding erwartet sie eine Neuner-Show. Die Dreifach-Olympiasiegerin verrät SPOX ihre Wunschstaffel und spricht über Erfolgsdruck, Trainingsgeheimnisse und die starken deutschen Herren.

SPOX: Frau Wilhelm, am Donnerstag geht's endlich los mit der Heim-WM, die Vorfreude der Fans ist riesig. Was meinen Sie, geht es den deutschen Athleten genauso?

Kati Wilhelm: Auf jeden Fall. Aber nicht nur, weil die WM in Deutschland stattfindet. Sondern weil die Sportler von den Weltcups wissen, dass in Ruhpolding eine super Stimmung herrschen wird. Vor einem vollen Stadion zu laufen, macht einfach riesig Spaß.

SPOX: Sie kennen ja dieses Gefühl. In Oberhof gab es 2004 "ihre" Heim-WM in Thüringen. Da ging es für Sie mit Platz 26 im Sprint und Platz 15 in der Verfolgung nicht so gut los...

Wilhelm: Nee, und es hat mit sieben Schießfehlern in der Staffel auch nicht so gut geendet. Diese WM war wirklich nicht toll für mich. Das Problem war: Ich wusste schon aus dem Saisonverlauf heraus, dass ich nicht gut drauf bin. Das hat es für mich umso schwerer gemacht, weil in Oberhof Dinge von mir erwartet wurden, die nicht möglich waren, weil ich sie im ganzen Jahr noch nicht abgerufen hatte.

SPOX: Das hat doch sicherlich Ihre Vorfreude geschmälert.

Wilhelm: Nein, die war trotzdem da. So ein Event zu Hause hat man ja nicht alle Tage. Und viele Leute kamen extra wegen mir dorthin. Die wollen aber dann natürlich auch gute Ergebnisse bejubeln.

SPOX: Daraus entsteht dieser berühmte Erfolgsdruck. Wie geht man damit um?

Wilhelm: Sicherlich macht das jeder Sportler ein bisschen anders. Verspüren wird ihn definitiv jeder. Der eine zeigt es, der andere tut so, als würde es ihn nicht interessieren, als sei das alles kein Problem. Aber man hat ihn einfach. Und der Druck gehört auch dazu. Ohne ihn und eine gewisse Anspannung würde Leistungssport vermutlich gar nicht funktionieren. Umso schöner ist es, wenn man dieser Erwartungshaltung dann plötzlich gewachsen ist und unter Druck Erfolge abliefert.

SPOX: Seit dem letzten Rennen sind drei Wochen vergangen, ist die Pause zu lang?

Wilhelm: Nein, vor einer WM wird ganz bewusst eine Trainingsphase eingeschoben. Die Saison ist lang, die letzte intensive Trainingsphase fand im November statt. Zwar ist über den Jahreswechsel noch ein bisschen etwas möglich, aber zwischen den Weltcups gibt es viel Reiserei und man kann nicht mehr machen als Auslaufen.

SPOX: Wie wurden diese drei Wochen genutzt?

Wilhelm: Nach Kontiolahti sind alle nach Hause gefahren und haben mal zwei Tage lang die Beine hochgelegt. Ich habe mich dann schon immer auf die WM-Vorbereitung gefreut. Das sind tolle Trainingslager, meist bei schönem Wetter an Orten, mit denen man Positives verbindet. Die Männer waren in Ridnaun, die Frauen wieder in Obertilliach. In dieser gewohnten Umgebung denkt man nicht pausenlos an die WM, die rückt sogar ein Stück weg.

SPOX: Und dabei hört man so oft vom Wettkampf-Rhythmus. Magdalena Neuner, die 2012 bereits sechs Siege gefeiert hat, hätte vermutlich einfach im Wochentakt so weitermachen können, oder?

Wilhelm: Der Lena hat die Pause sicher nicht geschadet. Denn die Belastung ist Woche für Woche sehr hoch. Es ist gut, dass da noch mal Luft heran kommt. Dieser Aufbau ist wichtig. Man darf halt nur nicht krank werden.

SPOX: Wie sieht Ihre sportliche Prognose aus: Wird es die Neuner-Show, die viele erwarten?

Wilhelm: Es müsste wirklich viel passieren, dass es keine Neuner-Show wird. So wie die letzten Weltcups gelaufen sind, ist es fast unmöglich, dass sie nicht aufs Podium läuft. Magdalena kann sich nur selber schlagen.

SPOX: Weil die Konkurrenz fehlt?

Wilhelm: Auch. Bei den Frauen ist es momentan so, dass es nur drei Athletinnen gibt, die immer auf dem Podium stehen: Darja Domratschewa, Kaisa Mäkäräinen und Neuner. Auch mal Andrea Henkel. Höchstens noch Olga Saitsewa, sie hat aber nicht das läuferische Vermögen wie die Top 3. Die sind gerade in der Loipe eine Klasse für sich.

SPOX: Für den Rest des Feldes muss es deprimierend sein, das schon vor dem Start zu wissen.

Wilhelm: Stimmt. Wir hatten damals Magdalena Forsberg. Da haben wir vor den Rennen auch gedacht: Der Sieg ist eh vergeben, freuen wir uns eben über Silber! Motivierend ist das nicht, wenn das Podium nahezu unerreichbar scheint. Auf der anderen Seite hat ja auch niemand mit Andrea gerechnet, aber in Oslo gewinnt sie halt. Das ist das schöne am Biathlon, dass es sich durch das Schießen auch mal durchmischt und unerwartete Ergebnisse gibt.

SPOX: Mit Tina Bachmann und Miriam Gössner hat das DSV-Team zwei tolle Läuferinnen, die jederzeit vorne mitmischen könnten, wenn denn die Fehler am Schießstand nicht wären. Was kann ein Biathlet in diesen zweieinhalb Wochen bis zur WM ändern, wenn er merkt, dass er seine Trainingsleistungen nicht in den Rennen zeigen kann.

Wilhelm: Jetzt noch etwas zu ändern, ist echt schwierig. Etwas neu lernen oder umlernen können sie in so kurzer Zeit nicht mehr. Sie können nur versuchen, sich bei den Trainingseinheiten Sicherheit zu holen und sich zu sagen: "Ich kann's." Vielleicht finden sie in einer schnellen Einheit auch noch eine Unsauberkeit im Ablauf mit der Waffe. Es kann passieren, dass ich zu weit ausatme oder nicht stoppe und den Schuss in die Atmung hinein abgebe. Vielleicht entdecken die Trainer in einer intensiven Einheit solch einen Fehler. Aber dazu muss man die Belastung im Rennen simulieren, sonst sind Training und Wettbewerb nicht vergleichbar.

SPOX: Was kann mentales Training leisten?

Wilhelm: Tina und Miri arbeiten beide in diesem Bereich, Lena auch. Jeder muss selbst entscheiden, was ihm hilft.

SPOX: Wie individuell läuft solch ein Trainingslager zur Vorbereitung ab? Wird gesagt, diese läuft und schießt zu gleichen Teilen, die andere macht mehr mit der Waffe?

Wilhelm: In Obertilliach trainieren alle ähnlich. Es wird das sogenannte Komplextraining absolviert, Laufen mit Schießen. In Zwei-Kilometer-Runden wie im Wettkampf. Dazwischen wird geschossen.

SPOX: Wieviel Munition benötigt man da denn so?

Wilhelm: Man rechnet pro Athlet etwa mit 80 Schuss am Tag. Wenn ein paar Serien mehr geschossen werden, in Schießspielen etwa mit sehr kurzen, schnellen Runden gegeneinander für eine sehr hohe Belastung, dann kommen auch einmal 100 Schuss zusammen.

SPOX: Die Damenstaffel, früher das Glanzstück, hat sich in dieser Saison als Problemdisziplin herauskristallisiert. Wenn Kati Wilhelm die Staffel aufstellen dürfte, wie sähe sie aus?

Wilhelm: (lacht) Puh, schwierig zu sagen. Auf jeden Fall... (Pause.) Also es fehlt eigentlich eine vierte Konstante.

SPOX: Jetzt ist es raus, genau das wird wohl das Problem...

Wilhelm: Ja, man hat gesehen, dass die Varianten mit Franzi Hildebrandt am Start gar nicht so schlecht waren. Aber sie verliert einfach noch zu viel auf der Strecke. Und das Problem bei unserer Staffel war zuletzt, wenn wir erstmal hinten sind, dann ist es fast unmöglich, wieder nach vorn zu laufen. Wenn man die Russinnen erstmal davonziehen lässt, sind sie nicht mehr zu schlagen. Deshalb haben wir in den letzten Jahren immer gute Läuferinnen am Start aufgeboten.

SPOX: Jetzt haben Sie Ihre Wunsch-Aufstellung immer noch nicht verraten.

Wilhelm: Andrea, Lena und Tina sind für mich gesetzt. Eine Mischung der Varianten von Oberhof (Henkel, Bachmann, Sabrina Buchholz, Neuner, d. Red.) und von Antholz (Hildebrand, Neuner, Gössner, Bachmann) macht Sinn. Ich würde die Andrea auf eins, Lena auf zwei setzen, um offensiv zu beginnen. Und Gössner und Bachmann als starke Läuferinnen hinten dran. Wir müssen hoffen, dass die Schlussläuferin dann das zeigt, was sie eigentlich kann, denn Tina kann viel mehr. Zwischen Gössner und Hildebrand wird die aktuelle Form entscheiden.

SPOX: Wie sieht Ihre Prognose für das Herrenteam aus?

Wilhelm: Um Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher müssen wir uns nach dem Saisonverlauf keine Sorgen machen.

SPOX: Michael Greis ist dagegen erst in letzter Sekunde auf den WM-Zug aufgesprungen. Was trauen Sie ihm zu?

Wilhelm: Ich kann in ihn nicht reinschauen. Aber wenn er nicht fit wäre, müsste ein Michi Greis sich nicht zur WM schicken lassen. Prügel muss er sich nicht abholen, das hat er nicht verdient. Aber Michi weiß selbst am besten, wie er drauf ist. Ich wünsche ihm, dass er in der Vorbereitung Form und Selbstvertrauen wiedergefunden hat. Obwohl das ohne den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz im Wettkampf ganz schwer ist.

SPOX: Führt auf dem WM-Podest ein Weg an den Franzosen und Norwegern vorbei?

Wilhelm: Na klar. Man hat gesehen, dass die Norweger schlagbar sind. Die deutschen Herren sind besser aufgestellt, vor allem in der Breite. Auch wenn Emil Hegle Svendsen sein Niveau konstant hochhält. Für Ole Einar Björndalen hat es mich sehr gefreut, dass er mal wieder gewinnen konnte. Da gilt wie für Michi Greis: Er hat es nicht verdient Platzierungen um die 20 herauszufahren, dafür hat er schon zuviel geschafft.

SPOX: Und die Fourcades?

Wilhelm: Viel mehr als Martin Fourcade haben die Franzosen nicht zu bieten. Vor seinem Bruder Simon und dem Rest des Teams müssen sich die Deutschen nicht verstecken. Das Podium ist ohnehin offener als bei den Mädels. Die Chancen für Peiffer, Birnbacher und Florian Graf sind besser als letztes Jahr. Und um die Herrenstaffel mache ich mir gar keine Sorgen.

Der Zeitplan der Biathlon-WM

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