UFC-Europachef Garry Cook im Interview

"Wir waren die Bösen"

Dienstag, 29.07.2014 | 10:29 Uhr
Garry Cook (l.) war von 2008 bis 2011 als Geschäftsfürhrer von Manchester City tätig
© getty
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Er arbeitete bei Nike mit Michael Jordan zusammen und machte aus Manchester City einen Weltklub. Nun soll Garry Cook als Europachef die UFC in neue Spähren führen. Bei SPOX blickt der Brite zurück.

SPOX: Herr Cook, Ihre Biografie ist ziemlich beeindruckend. Sie waren bei Nike für den kompletten Air Jordan Brand zuständig, danach Geschäftsführer von Manchester City und sind nun bei der UFC. Kann man Ihre tägliche Arbeit miteinander vergleichen?

Garry Cook: Natürlich unterscheiden sich die grundlegenden Aufgabenbereiche. Es ist etwas anderes, ob man für einen Verein mit einer langen Historie innerhalb einer Liga verantwortlich ist oder eine Marke vertritt. Trotzdem hatte ich immer eine Vision. Bei Nike habe ich zusammen mit einem großartigen Team den populärsten Sports-Brand erschaffen. Manchester City haben wir ein globales Profil verpasst. Und mit der UFC stellen wir nun die komplette Sportwelt auf den Kopf.

SPOX: Das klingt alles sehr ambitioniert. Trotzdem mussten Sie gerade während Ihrer Zeit in Manchester viel Kritik einstecken.

Cook: Wir haben City damals aus einem Tiefschlaf geweckt. Als ich 2008 dort angefangen habe, hatte ich den Eindruck, dass zwei Siege gegen United wichtiger waren als der Gewinn der Champions League. Das war das Problem: Man hat den Blick für das große Ganze über die Jahre verloren und das Potential nicht genutzt. Ich wollte von Anfang an, dass die Duelle mit Barcelona und Real Madrid im Mittelpunkt stehen. City sollte einer der größten Vereine der Welt werden. Damit habe ich vielleicht ein paar Leute vor den Kopf gestoßen, aber dieser Kulturschock war notwendig.

SPOX: Sie wurden 2008 von Thaksin Shinawatra zum Geschäftsführer ernannt. Ein Milliardär, der in seiner Heimat Thailand auf Grund von Korruption und Menschenrechtsverletzungen verfolgt wurde. Hatten Sie Gewissensbisse?

Cook: Ich hatte keine Probleme mit ihm. Sein politischer Hintergrund hat mich zu diesem Zeitpunkt nicht interessiert. Mein Job war es, einen Verein zum Erfolg zu führen. Das war meine Mission. Allerdings muss ich eine Sache deutlich betonen.

SPOX: Und die wäre?

Cook: Es war im Nachhinein sicherlich ein Fehler, sich nicht näher mit ihm zu beschäftigen. Das gebe ich zu. City war zu dieser Zeit dem Abgrund sehr nahe. Ohne die Investmentgruppe rund um die Königsfamilie von Abu Dhabi, die im September 2008 den Verein kaufte, würde es den Verein jetzt vielleicht nicht mehr geben.

SPOX: Mit den finanziellen Mitteln der neuen Besitzer baute sich ManCity ein Team der großen Namen zusammen. Dieses Vorgehen sorgte europaweit für negative Reaktionen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Cook: Wir waren die Bösen, aber es war ja nicht nur City, das diese Summen bezahlt hat. So hat sich der Fußball nun mal entwickelt. Jeder sucht gute Spieler, und die meisten Klubs sind gewillt, viel Geld auszugeben. Die Triumphe auf dem Rasen waren aber nur ein Aspekt unserer Strategie. Wir wollten die Wirtschaft von Manchester wieder in Schwung bringen. Wir wollten die weltbeste Jugendakademie aufbauen. Wir wollten den Anhängern eine besondere Fan-Erfahrung bieten. Aber dafür hat sich nie jemand interessiert. Es ging immer nur darum, wie teuer unsere Transfers waren.

SPOX: So richtig kann man das den Kritikern angesichts von dreistelligen Millionensummen über die Jahre allerdings nicht verübeln.

Cook: Das stimmt, und das will ich auch gar nicht leugnen. Aber Sie müssen es sich so vorstellen. Es gab zwei Wege: Entweder hätten wir über zehn Jahre gesund wachsen können. Oder wir hätten aufs Gaspedal drücken können. Und genau dafür haben wir uns entschieden. Es war sozusagen ein Zehnjahresplan, dessen Ziel wir innerhalb von drei Jahren erreichen wollten. Dafür waren gute Spieler und die dazu gehörigen Ausgaben nötig. So läuft es auch in der Wirtschaft ab. Man kauft heute teure Maschinen, die im Optimalfall morgen Profit abwerfen. Manchmal kann man es sich nicht leisten, auf den Erfolg zu warten.

SPOX: Haben Sie jemals an diesem Plan gezweifelt?

Cook: Nicht gezweifelt, aber wir waren auf einmal in einem Teufelskreis gefangen. Wir wollten gar nicht so viel ausgeben, aber jeder wusste, dass wir finanziell auf Rosen gebettet waren. Dementsprechend sind die Summen in die Höhe geschossen. Wir haben quasi den kompletten Markt bestimmt. Und seien Sie sicher: Die Anzahl der abgebrochenen Verhandlungen mit Spielern waren im Endeffekt genauso hoch wie die fixen Verpflichtungen. Manchmal wurde es einfach zu verrückt. Trotzdem geben City die zwei Meisterschaften sowie der FA-Cup-Sieg seit 2008 Recht. Und ich habe keine Zweifel, dass irgendwann auch der Triumph in der Champions League dazukommt.

SPOX: Im Gegensatz zu anderen Vereinen schien das Risiko fehlgegangener Investitionen allerdings gering.

Cook: Das würde ich nicht sagen. Geld schießt nicht immer Tore. Aber um Geschichte zu schreiben, muss man ein gewisses Risiko eingehen. Das haben wir damals gemacht und damit die Basis für die nächsten Jahre geschaffen.

SPOX: Muss man im Fußball rücksichtslos sein?

Cook: Auf jeden Fall, das gilt aber für jede Branche. Der Blick muss zu jeder Zeit nach vorne gerichtet sein.

SPOX: Als Geschäftsführer jonglierten Sie mit Millionen. Verliert man mit der Zeit das Gefühl für die Realität?

Cook: Es kann schwierig werden, keine Frage. Aber das gilt nicht nur für City. Wenn ich an David Silva denke, das war ein echtes Schnäppchen für 28 Millionen Euro. Wenn ich dann an den Wechsel von Gareth Bale zu Real Madrid denke, sind das ganz andere Dimensionen.

SPOX: Sie sprechen Bale an. In diesem Sommer sorgten die Transfers von Luis Suarez und James Rodriguez für Kopfschütteln. Viele Vereine hoffen durch das Financial Fairplay auf mehr Chancengleichheit. Glauben Sie daran?

Cook: Das ist schwer zu beurteilen. Ich habe auch keine Funktion mehr bei City, deswegen kann ich mich zu diesem Thema nur als Außenstehender äußern. Aber ich finde es schon komisch, wenn die UEFA die Vereine mit großen Preisgeldern in der Champions League ködert und sie deswegen unterschwellig dazu auffordert, viel Geld auszugeben, um sich für die Königsklasse zu qualifizieren. Auf der anderen Seite aber eben genau das regulieren will.

SPOX: Wäre eine gewisse Ausgeglichenheit aber nicht besser für den Wettbewerb?

Cook: Mal abgesehen davon, dass es auf Grund von Standortvorteilen wohl nie wirklich ausgeglichen zugehen wird, würde eine Regulierung Stillstand bedeuten. Und Stillstand bedeutet Rückschritt. Die großen Vereine sind mittlerweile richtige Wirtschaftsunternehmen und sorgen für viele Arbeitsplätze. Davon profitiert auch die Gesellschaft. Außerdem darf man bei großen Transfers auch nie die andere Seite der Medaille vergessen. Der Verkäuferverein kassiert eine beträchtliche Ablösesumme, die weitergenutzt werden kann. Etwas Vergleichbares ist doch in der Wirtschaft und Politik gang und gäbe, Stichwort Investitionen und Subventionen.

Seite 1: Cook über die Kritik an ManCity und das Financial Fairplay

Seite 2: Cook über seinen Rücktritt und einen Hall-of-Fame-Fauxpas

Seite 3: Cook über die UFC und Michael Jordan

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