Fernando Alonso und McLaren-Honda beim 101. Indy 500

Im Bobbycar auf Grand-Slam-Kurs?

Von Sebastian Schuch
Freitag, 26.05.2017 | 18:13 Uhr
Fernando Alonso will beim Indy 500 den nächsten Schritt zum Grand Slam machen
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Fernando Alonso startet am 28. Mai beim 101. Indy 500 (17.30 Uhr live auf DAZN). Der Spanier lässt hierfür den Monaco-GP der Formel 1 aus, strebt dabei aber höhere Ziele an. Er ist auf dem Weg, in einen illustren Kreis einzutreten. Vielleicht findet er sogar seine Liebe zu McLaren-Honda wieder.

Ein orangefarbener McLaren-Honda in Startreihe zwei! Was in der Formel 1 in dieser Saison ein Ding der Unmöglichkeit darstellt, ist beim Indy 500 Realität. Fernando Alonso wird bei der 101. Auflage des Traditionsrennens, für das er den Monaco-GP auslässt, von Position fünf ins Rennen gehen - zuletzt stand er 2014 in Belgien im Ferrari auf Rang vier in der zweiten Reihe.

"Ich bin positiv überrascht von dem Ergebnis. Ich glaube, das Auto war noch schneller als am Samstag", jubelte der zweimalige Formel 1-Weltmeister nach dem Fast Nine, dem Shootout der schnellsten neun Fahrer vom Samstag, am vergangenen Sonntag.

Ganz zufrieden war der 35-Jährige dennoch nicht mit dem Ergebnis, die Technik hatte ihm, wie so oft in der Formel 1, einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Ich hatte in Runde zwei ein Problem mit dem Ladedruck, als ich aus der letzten Kurve kam", erklärte Alonso, laut dessen Aussage ihn das etwa eine 0,25 mp/h (0,4 km/h) an Durchschnittsgeschwindigkeit gekostet hatte.

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Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 231,3 Meilen pro Stunde (372,24 km/h) legte der Spanier die vier Runden a 2,5 Meilen (etwa 4) Kilometer auf dem Indianapolis Motor Speedway zurück und war damit nur 0,864 mp/h (1,19 km/h) langsamer als Polesetter Scott Dixon, der die schnellste Runde seit Scott Brayton 1996 auf den Asphalt zauberte. Rechnet man die verlorene Geschwindigkeit hinzu, stünde Alonso im McLaren-Honda-Andretti gar in der ersten Reihe auf Platz drei.

Alonso wie ausgewechselt

So unterschiedlich die Leistung des McLaren-Honda im Vergleich zur Formel 1 auf der Strecke ist, so unterschiedlich gibt sich auch Alonso. Schon zu Saisonbeginn ließ er seinem Frust freien Lauf und bezeichnete den McLaren als "Bobbycar", kritisierte vor dem Heimrennen in Barcelona die Standfestigkeit als "absolut inakzeptabel" und deutete mit den Worten "Dann habe ich keine Verpflichtungen mehr gegenüber McLaren" das Ende seiner Karriere in der Königsklasse an.

Wie ausgetauscht wirkt da der Fernando Alonso in Indianapolis. "Das ist das größte Rennen der Welt. Das habe ich sofort gefühlt, als ich zum ersten Mal hier war. Ich kann den Sonntag kaum noch erwarten", sang er nach dem Fast Nine ein Loblied auf das Indy 500 und kam aus dem Grinsen fast nicht mehr heraus . Mittendrin: McLaren-Honda.

Trotz eines technischen Problems vor dem Fast Nine, der Einbau eines neuen Motors hätte Alonso fast die Teilnahme gekostet, ist die Standfestigkeit seines orangefarbenen Bobbycars mit der Nummer 29 kein Thema. Am Montag riss er 122 Runden ab. Nur Jack Harvey (124) umrundete das Oval öfter.

Alte Bekannte im Team

Dass Alonso bei seinem ersten Einsatz in einem Indy Car derart gut zu Recht kommt, verwundert zumindest sein Team nicht im Geringsten. Teamchef Zak Brown sprach nach der Verkündung von Alonsos Teilnahme bereits von Außenseiterchancen: "Kann Fernando das Indy 500 in diesem Jahr gewinnen? Ich bin nicht so dumm, so eine gewagte Prognose zu treffen. Aber ich denke schon, dass er vorne dabei sein wird."

Auch der "Samurai" glaubte nicht an eine lange Eingewöhnungszeit: "Ich bin noch nie zuvor ein Indy Car gefahren, und ich war auch noch nie auf einem Superspeedway unterwegs. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich mich schnell daran gewöhnen werde."

Alonso sollte Recht behalten, konnte aber auch auf die Unterstützung von Teamchef Mario Andretti, selbst ehemaliger Formel 1-Weltmeister und Indy 500-Sieger, sowie seiner Andretti-Teamkollegen Takuma Sato und Alexander Rossi bauen. Rossi hatte im vergangenen Jahr als Rookie gar den Sieg auf dem "Brickyard" gefeiert.

"Von allen Anleitungen, die ich erhalten habe, waren ihre Kommentare sehr, sehr hilfreich. Sie kennen die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Autos und wie man herangehen muss. Sie haben die nahezu gleiche Entwicklung hinter sich", machte auch Alonso kein Geheimnis um die Hilfe der beiden ehemaligen Formel 1-Fahrer.

Traum vom Triple Crown

Alonsos Interesse am Indy 500 kommt dabei nicht von ungefähr. Neben einem Sieg beim Monaco-GP - oder der Formel1-Weltmeisterschaft - und bei den 24 Stunden von Le Mans ist das Indy 500 Teil der "Triple Crown", einem der höchsten Ziele im Motorsport. Gewinnt ein Fahrer alle vier Titel spricht man vom Grand Slam.

Erst ein Racer konnte in der langen Motosportgeschichte den Titel der Triple Crown erringen: Graham Hill. Dem zweimaligen Formel 1-Weltmeister gelang bei fünf Monaco-Siegen sogar der Grand Slam.

Vor Hill kam Jochen Rindt der Triple Crown am nächsten. Dem Österreicher fehlte lediglich ein Sieg in Indianapolis, der ihm gleichzeitig auch den Grand Slam eingebracht hätte. Von den aktuell aktiven Fahrern ist Juan Pablo Montoya mit zwei Siegen beim Indy 500 (2000 und 2015) sowie einem Monaco-Sieg (2003) am nächsten dran. Zudem hat er Erfahrung auf der Langstrecke, ein Angriff in Le Mans könnte möglich sein.

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Nach seinen beiden Siegen in Monaco 2006 und 2007 sowie den Weltmeisterschaften 2005 und 2006 nimmt nun auch Alonso Anlauf auf den Grand Slam. Dieser ist das erklärte Karriereziel des Spaniers.

Zukunft in der Indy-Car-Series?

Nicht von ungefähr kommt da das, wenn auch versteckt ausgesprochene, Interesse Alonsos an einer weiteren Zusammenarbeit mit McLaren, wenn auch nicht in der Königsklasse.

"McLaren wird in der Zukunft bei den Indy Cars und in Le Mans sein. Das sind große Veränderungen", sagte der Spanier vor dem Großen Preis von Spanien in Barcelona. Arbeitet er weiter mit dem Team aus Woking zusammen, steigen unter diesen Bedingungen auch seine Chancen auf den Grand Slam.

Tipps für Le Mans könnte sich der Asturier jederzeit im Fahrerlager der Formel 1 holen, immerhin duelliert er sich häufig mit Nico Hülkenberg, dem Sieger von 2015, um die Punkte.

Bevor Alonso sich aber wieder im Paddock der Formel 1 blicken lässt und möglicherweise auch bei Langstreckenrennen startet, steht das Indy 500 auf dem Programm. "Eine neue Strecke. Ein neues Auto. Eine neue Welt", wie er es ausdrückt. Vielleicht entfacht ein gutes Ergebnis in Indianapolis auch wieder seine Liebe zu McLaren in der Formel 1, so wie es noch vor dem Beginn der Saison 2015 war.

Zeitplan zum 101. Indy 500

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