Mittwoch, 18.05.2016

Gymkhana-Star Ken Block im Interview

"Ich bin der American Dream"

Ken Block fuhr in der Rallye-WM, aktuell startet er in der aufstrebenden Rallycross-Weltmeisterschaft. Bekannt ist er vor allem für seine Gymkhana-Stuntvideos auf Youtube. Im Interview verrät der 48-jährige US-Amerikaner, wie die Erfindung von DC Shoes seine Karriere beschleunigte und warum sein Mustang Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton zu teuer war. Außerdem: Was bitte ist ein "Hoonigan"?

Ken Block startet mittlerweile mit seinem Hoonigan-Team beim Rallycross
© FIAWorldRallycross.com
Ken Block startet mittlerweile mit seinem Hoonigan-Team beim Rallycross

SPOX: Herr Block, wir sitzen zusammen in der Hospitality Ihres eigenen Rennteams Hoonigan Racing am Hockenheimring in Deutschland. Sie haben die Marke DC Shoes mitgegründet, sie später verkauft und anschließend eine Karriere als Rallye- und Rennfahrer sowie als Youtube-Phänomen gestartet. Sehen Sie sich selbst als die Verkörperung des American Dream?

Ken Block: (lacht) Das hat mich noch nie jemand gefragt. Ich bin in Südkalifornien aufgewachsen und hatte dort eine großartige Kindheit mit viel Sport wie Snowboarden und Motocross. Danach hatte ich Erfolg als Geschäftsmann und als Rennfahrer - und das alles, bevor ich 50 Jahre alt bin. Ich glaube, man kann schon sagen: Ich bin der American Dream.

SPOX: Die meisten kennen Sie durch Ihre Gymkhana-Videos auf Youtube. Wenn Sie jemandem, der die Bilder nicht kennt, eine der Folgen empfehlen müssten, welche wäre es?

Block: Gymkhana 5 in San Francisco. Die Stadt ist eine Ikone, nicht nur wegen ihrer Sehenswürdigkeiten wie der Golden-Gate-Bridge, sondern zum Beispiel wegen der Berge. Es ist ein einzigartiger Ort. Bei Gymkhana 8 in Dubai war das anders. Die Stadt ist einfach nur flach. Die Sprünge in San Francisco, die Downtown-Szenen, die Bilder mit den Schiffen am Wasser, die Brücke am Anfang - es ist das dynamischste Video, das wir gemacht haben. Ich weiß nicht, ob wir das jemals toppen können. Es ist einfach herausragend gut. (lacht)

SPOX: Man könnte die Gymkhana-Videos als Showcase der Fahrzeugbeherrschung bezeichnen. Teilweise sind es Stunts, die durchschnittlichen Leuten nicht mal im Traum einfallen würden, beispielsweise wenn Sie ein paar Runden um einen herumspringenden Lowrider driften. Wie kommt man auf solche Ideen?

Block: Mein Background liegt beim Skateboarden und Snowboarden. Die ganze Industrie da basiert auf Kreativität mit den Brettern, weit weniger auf Wettbewerb untereinander. Es geht darum, den größtmöglichen Spaß mit den extremsten Ideen zu haben. Diese Mentalität habe ich auf Autos übertragen. Die Gymkhana-Videos sind eine Serie von Aktionen, die ich so gut wie möglich gemacht habe. Anschließend wird das Ganze wie eine Collage des Autofahrens zusammengeschnitten. Ich gucke mir alles mit der Mentalität von Snowboardern und Skateboardern an und überlege, was ich damit anfangen kann. Wenn eine Wand da ist, frage ich mich, wie ich sie hochfahren kann. Das Auto ist mein Instrument, mit dem ich mich kreativ verwirkliche.

Fakten

Ken Block
Geburtstag: 21. November 1967
Geburtsort: Long Beach, Kalifornien
Erfolge:
  • #17 "Most Influencial People 2004", Sports Business Journal
  • 40 Under 40 Awards 2005, Sports Business Journal
  • Rookie of the Year 2005, Rally America
  • Mehr als 350 Mio. Aufrufe seiner Gymkhana-Videos
  • 2009: Gymkhana 2 wird #4 "Most viewed viral Videos"
WRC-Debüt: Rally Mexico 2007 (28.)
Bestes WRC-Resultat: Rally Mexiko 2013 (7.)
Bestes Rallycross-Saison: GRC 2014 (2.)

SPOX: Der Motorsport Gymkhana stammt aus der Frühzeit des Automobils. Die ursprüngliche Geschicklichkeitsfahrt ist in der Öffentlichkeit aber weitgehend in Vergessenheit geraten. Der siebte Teil Ihrer Serie hat mittlerweile über 35 Millionen Abrufe bei Youtube. Wann haben Sie realisiert, dass es ein weltweites Interesse gibt, einem Autonarr beim Driften zuzugucken?

Block: Das ging beim allerersten Video los. Was ich da gemacht habe, kann fast jeder Rallye-Fahrer. Ich habe die Manöver bei vielen gesehen - bei Tests mal einen Donut, Spaß haben mit dem Auto. Ich habe die Rallye-WM viele Jahre verfolgt, ich weiß was die Fahrer können. Aber so einen Showcase sieht man nur im WRC-Programm - und da geht es um den Wettbewerb. Ich wollte die Möglichkeiten des Fahrens anders präsentieren. Das hat die Leute umgehauen, besonders in Amerika.

SPOX: Wieso stellen Sie die Reaktionen in den USA heraus?

Block: Die Hauptmotorsportarten sind dort die NASCAR-Serien, die nur im Kreis fahren, und Drag-Racer, die nur geradeaus fahren. Ein Allradauto, das so gefahren wird, wie ich es tue, war in den Staaten komplett unbekannt. Niemand hatte diese Elemente jemals zuvor in ein Video gepackt und sie dem Mainstream präsentiert. Ich war mir sicher, dass die Reaktion der Leute so ausfallen würde. Wir haben einfach meine Fähigkeiten mit dem Auto genutzt, sie auf ungewöhnliche Weise aufgenommen und zu einem Paket zusammengefasst, dass die Leute sich auf einfache Weise im Internet angucken können.

SPOX: Die Videos erwecken den Eindruck, das ultrapräzise Fahren sei die leichteste Aufgabe der Welt. Machen Sie eigentlich auch Fehler oder üben Sie im Vorfeld so oft, dass diese praktisch ausgeschlossen sind?

Block: Ich habe vorher eigentlich nie viel Trainingszeit. Teilweise ist es echt bizarr. In Gymkhana 5 rutsche ich nach einem Drift rückwärts durch zwei Pylonen. Das hatte ich vorher noch nie gemacht. Der Drift um Randy's Donuts in L.A. ist ein einziger Shot. Ich wollte es beim zweiten Mal noch besser machen, aber das Auto ist kaputt gegangen. Meistens ist es aber eine Form des Studiums. Ich versuche herauszufinden, wie das Auto das macht, was ich von ihm will. Wir brauchen manchmal bis zu zehn Aufnahmen, um es perfekt hinzubekommen. Es kommt auch vor, dass ich alles richtig mache, aber der Kameramann falsch steht oder die Szene verpasst. Wenn wir es beim ersten Versuch perfekt hinbekommen, fühle ich mich eher vor den Kopf gestoßen. Ich will schließlich fahren! (lacht)

SPOX: Nach Drehs in Hollywood, Dubai, San Francisco und Los Angeles im Allgemeinen wäre es doch mal Zeit für einen Dreh in einer europäischen Metropole.

Block: Das Problem ist: Es gibt nur ganz wenige Orte, wo ich die Autos auf unterhaltsame Art fahren kann. Paris wäre etwa nicht so interessant wie San Francisco, weil es größtenteils flach ist. New York wäre interessant, aber solche Städte machen es einem mit ihren Genehmigungen schwer. Wirklich interessante Orte zu finden, ist ein echtes Problem. Gymkhana 3 haben wir auf einem Autodrom in Frankreich aufgenommen. Das war einzigartig. Eine überhöhte Kurve mit 52 Grad Überhöhung, dazu viele interessante Spots darunter und davor. Ich habe den Ort nur durch Zufall im Internet gefunden, weil ich nach so einer Steilkurve gesucht habe.

SPOX: Eine einzigartige Strecke wäre die Nordschleife des Nürburgrings.

Block: Für Gymkhana eignet sie sich leider nicht. Die Nordschleife ist wie eine Asphalt-Prüfung bei einer Rallye - viele Kurven, aber alles ähnlich. Gymkhana ist einzigartig, weil es verschiedenste Fahrsituationen gibt. Ein Video vom Nürburgring wäre gar nicht so beeindruckend, weil man die Strecke sogar als Zuschauer mit all ihren Kurven kennen muss. Ich muss aber unbedingt auf die Nordschleife, sie ist einzigartig auf der Welt und ich war noch nie da. Vielleicht schnappe ich mir meinen Beifahrer. Der könnte sich Notizen machen und wir fahren die Nordschleife dann wie eine Rallye-Etappe.

Seite 1: Block über sich als American Dream und Gymkhana als Kunstform

Seite 2: Block über seine rebellische Jugend, den Erfolg von DC Shoes und Rallycross

Seite 3: Block über "Hoonigans", das neue Top Gear und Lewis Hamilton

Interview: Alexander Maack

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Alexander Maack(Chef vom Dienst)

Alexander Maack, Jahrgang 1987, betreut seit Sommer 2012 die Formel 1 bei SPOX. Geboren im hessischen Fritzlar, landete er nach Aufenthalten in Niedersachsen, Dresden und Bonn schließlich in der "Medienhauptstadt" Mittweida, wo er sein Medienmanagement-Studium abschloss. Seit Mitte 2016 als Chef vom Dienst verantwortlich für den Inhalt der Homepage. Kernressorts: Motorsport, Fußball.

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