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Fussball

Selecao macht Traumhalbfinale perfekt

Thiago Silva trifft nach einer Ecke zur 1:0-Führung für die Selecao
© getty

Gastgeber Brasilien hat sich für das Halbfinale bei der WM im eigenen Land qualifiziert. Gegen den südamerikanischen Rivalen aus Kolumbien siegte die Selecao mit 2:1 (1:0) und trifft in der Runde der letzten vier auf Deutschland.

Vor 60.342 Zuschauern im ausverkauften Estadio Castelao in Fortaleza brachte Thiago Silva die Selecao nach einer Ecke früh in Führung (7.) und erzielte damit das erste Tor eines brasilianischen Kapitäns bei einer WM-Endrunde seit Rai 1994 in den USA gegen Russland.

In Halbzeit zwei sorgte David Luiz mit einem sensationellen Freistoßtreffer (68.) für das 2:0. Kolumbiens James Rodriguez gelang mit seinem sechsten Turniertor vom Elfmeterpunkt aus nur noch der Anschluss (79.).

Die Selecao trifft damit im Halbfinale am 8. Juli in Belo Horizonte auf das DFB-Team, das zuvor Frankreich ausgeschaltet hatte.

Brasilien muss dabei aber auf Abwehrchef Silva verzichten, der sich seine zweite Gelbe Karte des laufenden Turniers abholte. Superstar Neymar erlitt eine schwere Verletzung und fällt für den Rest der WM aus.

Reaktionen

Jose Pekerman (Trainer Kolumbien): "Ein harter Moment für uns, wir hatten diesen Traum, dieses Spiel zu gewinnen. Aber jeder kleine Fehler wird bei diesem Turnier bestraft. Das Spiel war sehr intensiv mit vielen Fouls. Die sehr guten Spieler auf beiden Seiten kamen nicht so zur Entfaltung."

David Luiz (Brasilien): "Heute haben wir so gespielt, wie es alle fordern, wie es jeder mag. Aber mit Deutschland haben wir jetzt einen sehr schweren Gegner vor der Brust, mit einer klaren Linie und einer eigenen Identität. Das wird ein großartiges Spiel werden."

James Rodriguez (Kolumbien): "Auch Männer weinen, gerade wenn man so etwas wie heute erleben muss. Ich bin einfach nur traurig."

Carlos Bacca (Kolumbien): "Der Spielzug mit James war genial und hätte eigentlich mit dem Platzverweis für Julio Cesar enden müssen. Aber wir sind eben in Brasilien."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Luiz Felipe Scolari muss auf die Gelbsperre von Gustavo reagieren und stellt Paulinho an die Seite von Fernandinho im defensiven Mittelfeld. Rechts in der Viererkette kommt bei den Brasilianern Maicon für Alves in die Startelf. Fred bleibt trotz seines enttäuschenden Auftritts gegen Chile im Sturm.

Auch Kolumbien tauscht im Vergleich zum Achtelfinale doppelt. Jose Nestor Pekerman lässt Stürmerstar Martinez draußen und bringt dafür Ibarbo. Zudem steht Guarin anstelle von Aguilar von Beginn an auf dem Feld.

7., 1:0, Silva: Neymar bringt eine Ecke von links mit viel Schnitt in den Fünfer. Der Ball segelt an Freund und Feind vorbei und landet am langen Pfosten beim vollkommen blanken Silva. Der Innenverteidiger drückt die Kugel mit dem Knie über die Linie. Traumstart!

11.: Fast der Ausgleich! Ibarbo und Cuadrado erwurschteln sich den Ball am rechten Sechzehner-Eck. Letzterer geht einen Schritt in die Mitte und zieht ab. Silva hält den Fuß noch rein - der Ball streift hauchzart am kurzen Pfosten vorbei.

17.: Cuadrado vertändelt den Ball nach einer Ecke fahrlässig am eigenen Strafraum gegen Hulk. Der zieht links in den Strafraum und legt quer. Zapata klärt im letzten Moment gegen den bereitstehenden Luiz.

20.: Wieder ist es Hulk, der den Doppelpass mit Neymar sucht und frei aus 14 Metern mit einem zu unplatzierten Schuss von links an Ospina scheitert. Auch der Nachschuss aus der Distanz ist kein Problem für den Keeper.

28.: Nächste Hulk-Chance! Marcelo scheitert von links mit einer Hereingabe, nimmt den Rebound aber volley und bedient den Angreifer im Strafraum. Hulk legt den Ball mit einer Berührung an Zapata vorbei und scheitert von links aus acht Metern mit seinem Flachschuss aus Ospina.

64.: Was für eine saublöde Aktion! Ospina will nach einem abgefangenen Ball einen Abschlag aus der Hand machen, doch Abwehrchef Silva springt einfach in den Keeper - und sieht Gelb! Damit fehlt er im nächsten Spiel.

68., 2:0, Luiz: Was für ein irres Ding! Luiz legt sich einen Freistoß aus knapp 30 Metern zentraler Position zurecht und hämmert das Ding in den rechten Winkel. Ospina sieht nicht allzu glücklich aus, der Ball flatterte aber enorm.

79., 2:1, Rodriguez: Elfer Kolumbien! Rodriguez schickt Bacca in die Gasse, der von Cesar umgeräumt wird - klare Sache! Der Passgeber tritt selbst an, verzögert kurz und verlädt Cesar in die rechte Ecke. Links unten schlägt's ein.

Fazit: Brasilien glänzt abermals nicht spielerisch, zieht aber dank zweier Standard-Tore verdient ins Halbfinale ein. Von Geheimfavorit Kolumbien kam bis auf die Schlussphase zu wenig.

Der Star des Spiels: David Luiz (SPOX-Note 2). Harmonierte prächtig mit Silva und war in der hektischen Schlussphase als rigoroser Abräumer gefragt, wo er einen kühlen Kopf behielt. Sein entscheidender Treffer per Freistoß war wohl eines der schönsten Tore des Turniers.

Der Flop des Spiels: Carlos Sanchez (SPOX-Note 5). Der Kolumbianer sollte das Spiel auf der Sechs lenken, hatte aber zu keiner Zeit Zugriff auf die Partie. Mit nur 29 Ballkontakten und einer inakzeptablen Zweikampfquote von 14,3 Prozent. Pennte zudem beim 0:1 und ließ den Torschützen Silva aus den Augen.

Der Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien) lieferte eine durchwachsene Vorstellung ab und war bei der Zweikampfbewertung und den Eckenentscheidungen nicht immer auf der Höhe und zu großzügig, was das verteilen von Gelben Karten anging. Hätte beispielsweise Zuniga nach dessen Tritt gegen Hulk zwingend verwarnen müssen (45.). Gut dagegen die Entscheidungen der Assistenten, zum Beispiel Yepes' Tor wegen Abseits nicht anzuerkennen (66.)

Das fiel auf:

  • Es entwickelte sich von Anfang an ein temporeicher und ebenso wilder Kick. Von intensiven Zweikämpfen geprägt war es in Hälfte eins ein zerfahrenes Spiel ohne Mittelfeld und Spielaufbau, in dem es nur von Strafraum zu Strafraum ging.
  • Die brasilianische Defensive um den sehr starken Abräumer Paulinho und die Zweikampfmaschinen Silva und Luiz eroberten viele Bälle aus den schludrigen und lange brotlosenTempovorstößen der Kolumbianer und schalteten umgehend um. Die Abwehr der Cafeteros hatte mit den Gegenstößen ihre Probleme und ließ der Selecao immer wieder große Räume. Die Viererkette war oftmals als solche nicht wiederzuerkennen.
  • Auffällig war, dass sich sowohl Neymar als auch Oscar immer wieder hinter die Doppelsechs fallen ließen, um Bälle zu holen und vorne zu verteilen. Generell rotierten die vier Angreifer fleißig durch. Während die meiste Gefahr über den starken Hulk auf der linken Seite ausging, blieb Fred, der immer wieder auf den rechten Flügel rotierte, weitestgehend unsichtbar.
  • Beide Teams hielten den aberwitzigen Schlagabtausch auch nach der Pause zunächst aufrecht, wobei vor allem die Brasilianer mehr um einen geordneten Spielaufbau bemüht waren und auch mal das Tempo aus den Aktionen nahmen.
  • Nach dem 2:0 schien die Partie durch. Doch der Elfmeter ließ Kolumbien weiter träumen und Brasilien wurde nervös. Dennoch konnte die Selecao die wütenden Schlussangriffe abwehren und den Sieg über die Zeit retten.

Brasilien - Kolumbien: Die Statistik zum Spiel

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