Sergi Samper vom FC Barcelona im Porträt

Der Typ aus dem La-Masia-Reagenzglas

Montag, 25.07.2016 | 20:30 Uhr
Sergi Samper hatte es im ersten Team des FC Barcelona bisher nicht leicht
Advertisement
Primera División
Celta Vigo -
Leganes
Primera División
Alaves -
Eibar
Primera División
Real Madrid -
Malaga
Primera División
Real Betis -
Girona
Primera División
Levante -
Atletico Madrid
Primera División
La Coruna -
Bilbao
Primera División
Real Sociedad -
Las Palmas
Primera División
Villarreal -
Sevilla
Primera División
Valencia -
Barcelona
Primera División
Espanyol -
Getafe
Copa del Rey
Real Madrid -
Fuenlabrada
Copa del Rey
Barcelona -
Murcia
Copa del Rey
Atletico Madrid -
Elche
Copa del Rey
Villarreal -
Ponferradina
Primera División
Malaga -
Levante
Primera División
Barcelona -
Celta Vigo
Primera División
Atletico Madrid -
Real Sociedad
Primera División
Sevilla -
La Coruna
Primera División
Bilbao -
Real Madrid
Primera División
Leganes -
Villarreal
Primera División
Getafe -
Valencia
Primera División
Eibar -
Espanyol
Primera División
Las Palmas -
Real Betis
Primera División
Girona -
Alaves

Kaum ein anderer Spieler des FC Barcelona hat so viel La Masia in sich wie Sergi Samper. Nun geht es für den 21-jährigen Mittelfeldakteur endlich in die erste Mannschaft zu Luis Enrique. Die nächsten Wochen können wegweisend sein - für Spieler und das gesamte Modell.

78 Folien ist sie lang, verfasst von Louis van Gaal, Frans Hoek und Lluis Lanz. Es wird die gesamte Spielidee des FC Barcelona entschlüsselt. Eine Präsentation wie geschaffen, um zu verstehen, was die Katalanen auf dem Platz treiben. Sie beginnt beim Vier-Phasen-Modell, geht über die 1-2-3-2-3-Ordnung in Ballbesitz bis hin zu einzelnen Spielerprofilen.

Auch die Rolle der Nummer sechs ist darin festgehalten, klar definiert und vorgegeben. Diese Nummer hat mit Wirkung zum 1. Juli 2016 den Kader der ersten Mannschaft erreicht. Sie hört auf den Namen Sergi Samper. Ob er bei den Großen mitspielen darf, ist allerdings noch lange nicht gesichert.

2001 wechselt Samper in die Jugendabteilung des FC Barcelona. Ein kleiner Junge, sechs Jahre alt. Einen Traum hat er ebenso vor Augen wie einen langen Weg. Zwölf Jahre wird es dauern, dann steht er bei den Herren auf dem Platz. FC Barcelona B gegen CD Mirandes. Weitere drei dauert es bis zum Vertrag bei den Profis.

"Gute Trainer nutzen die grundlegenden Eigenheiten des Straßenfußballs für ihr Training. Sie realisieren, dass es das effektivste Training für Kinder ist." - Rinus Michels

Alles beginnt mit kleinen Spielen ohne Wettkampfcharakter. Die Kinder sollen selbst lernen, der Klub stellt im Training Fragen durch geschicktes Gestalten der Spielformen. Warum macht es Sinn, abzuspielen? Wann spiele ich ab? Die Kinder spielen zwei gegen eins und lernen so, dass das Toreschießen einfacher ist, wenn man den Ball im richtigen Moment abspielt.

Erst mit der sogenannten Benjamin (B und A) wird eine klare Struktur deutlich. Die Kinder sind dann neun oder zehn Jahre alt, es beginnt die Ausbildung zum Fußballer. Die Basis besteht aus Aspekten wie Balance, räumlicher Orientierung und Koordination, die möglichst mitgebracht werden sollen, aber auch weiterhin gefördert werden.

Die einfachen Techniken werden erlernt, die Kinder beginnen dazu mit Rondos und simplen taktischen Ansätzen. Schon jetzt geht es um Breite im eigenen Ballbesitz, gemeinsames Aufschieben und direktes Nachsetzen nach Ballverlust - spielerisch vermittelt und immer mit Technikbezug. Technik bedingt Taktik, Taktik entscheidet über Technik.

"Das leichte Spiel ist das schönste Spiel. Die Lösung, die am einfachsten erscheint, ist in ihrer Ausführung die Schwierigste. Das Ziel: Spielt nah aneinander." - Johan Cruyff

Die Alevin (B und A) sowie die Infantil (B und A) führen mit den Elf- bis 14-Jährigen fort, was in der Benjamin eingeführt wurde. Das Niveau steigt von Tag zu Tag, lediglich das körperliche Basistraining fällt weg. Die Kinder befinden sich im Wachstum und würden angeeignete Koordination ohnehin verlieren.

Es geht darum, Technik und Taktiken zu festigen und Automatismen zu erarbeiten. Dies geschieht immer unter Berücksichtigung zweier Hintergründe: Erstens soll die Spielidee immer voran getrieben, zweitens selbst gelernt werden. Trainer sind helfende Hände, keine Redner.

Sie stellen Aufgaben, die Kinder finden Lösungen. Finden sie diese nicht, gibt es Tipps. Fünf Punkte werden immer wieder hervorgehoben. Die Annahme mit dem ballfernen Fuß, das Spiel über deutliche Passlinien, Aktionen vor und nach dem Pass wie Finten oder Tiefensprints, schnelle Rückeroberung des Balles und das Vermeiden von langen, hohen Bällen.

"Der einzige Weg, ein gutes Team zu formen, ist Spieler zu finden, die die gleiche Sprache sprechen. Du kannst nichts alleine erreichen und wenn doch, hält es nicht lange." - Arrigo Sacchi

Immer wieder folgt das Training den gleichen Prinzipien: Technik, Spielform, Spielen. Das ändert sich erst mit Erreichen der Cadete A, der U16, die zahlreiche Änderungen mit sich bringt. Nun gehört ein körperliches Erwärmen zum Programm, es folgen Krafteinheiten, Sprints und intensive Taktikeinheiten.

Die Ausbildung macht hier auch einen Schritt in der Lehrmethode. Das Selbstentdecken wird zurückgefahren, die Trainer erklären und sprechen mehr. Reine Technikübungen fallen weg, jede Minute des Trainings hat jetzt einen klaren Bezug zur Taktik. Es werden Profile weiterentwickelt und Positionen allmählich festgeschrieben.

So entsteht der Leistungsgedanke, den Spielern werden nicht mehr als 40 Prozent der möglichen Spielzeit garantiert. Das 4-3-3 und das 3-4-3 sind die Grundordnungen der Wahl, es soll immer kreativ und offensiv gespielt sowie hoch verteidigt werden. Das zieht sich in Barcelona bis hin zum Reserveteam, das derzeit in der dritten Liga Spaniens spielt.

"Das System basiert auf einem Set aus Positionen, Linien und Dreiecken, um den Platz in verschiedenen Phasen des Spiels ideal auszunutzen." - Louis van Gaal

Doch was davon beschreibt nun Sergi Samper? Antwort: All das. Samper ist in jeder Faser seines fußballerischen Könnens ein Produkt aus La Masia. Er hat nichts anderes gesehen, nichts anderes erlebt. Ein Spieler aus dem Reagenzglas von Johan Cruyff und Louis van Gaal. Mit 21 Jahren wird er zum ersten Team stoßen und nach Andres Iniesta und Lionel Messi der Mann mit den meisten Jahren im Trikot der Blaugrana sein.

Samper ist die Nummer sechs von Folienseite 45. In Ballbesitz bestimmt er das Spieltempo, ist immer anspielbar, nutzt und schafft Platz, bietet sich als dritter Mann an und verändert die Spielrichtung. Er hat eine herausragende Orientierung, ist Zentrum der Kommunikation auf dem Platz, erkennt, wann er Druck auf den Ball machen muss, sieht Über- und Unterzahlen auf dem Platz.

Er ist ein Anführer, geht voran, ist auch unter Druck mit dem Ball die Ruhe selbst, ist diszipliniert und verantwortungsvoll. Dazu in seiner Persönlichkeit selbstbewusst und eine natürliche Autorität, die stets für Fehler der Kameraden da ist. Er fintiert Pässe, überspielt Linien, ist immer perfekt ausbalanciert und besitzt ein hohes Tempo auf kurzen Strecken.

"Ich habe den Ball, ich passe den Ball. Ich habe den Ball, ich passe den Ball. Wir haben den Ball, wir passen den Ball." - Pep Guardiola

So steht es geschrieben, so ist Samper. Er hat nie eine andere Position gespielt als die Sechs, das haben ihm Xavi, Iniesta, Thiago oder Cesc Fabregas voraus. Er hat nie ein anderes Spiel gesehen als das des FC Barcelona. Als Barca B 2015 gegen den Abstieg in der dritten Liga spielte und sich der Stil entsprechend veränderte, fielen die Leistungen von Samper von Woche zu Woche.

Er ist schon jetzt ein genialer Ballverteiler, das stellte er selbst in der Champions League bereits unter Beweis. Hinter den wippenden Haaren versteckt sich ein stets rotierender Kopf. Schulterblick links, Schulterblick rechts, Rausrücken, Balleroberung. Passen, fallen, annehmen, drehen, antäuschen, passen, aufrücken, annehmen - Samper könnte nicht besser hineinpassen in eine von Guardiola oder Cruyff trainierte Mannschaft.

Doch auf Seite 48 hat van Gaal auch etwas von Stärke im defensiven Duell und Stärke im defensiven Kopfballduell erwähnt. Dies ist der größte Schwachpunkt Sampers, den er sich schlicht nicht anlernen konnte: Er ist klein, schmächtig und wird defensiv oft physisch ausgestochen.

"Du machst Druck, du willst den Ball, du willst angreifen. Manche Teams können oder wollen den Ball nicht passen. Warum spielt ihr? Was ist der Punkt? Das ist kein Fußball." - Xavi Hernandez

Nun soll er im ersten Team des FC Barcelona zum Einsatz kommen. In einem Team, das sich ausgerechnet jetzt vom ewigen Cruyff-Mantra entfernt hat. Nicht allzu sehr, aber doch ausreichend genug, um es Samper schwerer zu machen. Den Verein verlassen möchte der 21-Jährige eigentlich nicht, eine Leihe stand aber lange im Raum. Nun trainiert er doch in Barcelona und nicht bei Gijon, Malaga oder La Coruna.

Man darf gespannt sein, wie Samper in die Planungen von Enrique passt. Eigentlich ist seine Position fest an Sergio Busquets vergeben, der kaum ein Spiel verpassen wird. Samper wird erstmals aus dem Labor heraustreten müssen, um neue Dinge zu lernen, will er nicht auf die seltene Rotation warten. Mit dem Lernen hat er schon begonnen: Im B-Team eignete er sich hervorragende lange Bälle an.

Er ist keine zugeschnittene Maschine, das ist nicht das Ziel von La Masia. Somit wird die Vorbereitung zeigen, wohin der Weg geht. Nicht nur für Samper, sondern auch für das Modell Barca. Eine reinere Version eines La-Masia-Spielers wird man vielleicht nie wieder finden, eine passendere Faust auf das Auge Barcas aber wohl auch nicht.

"Heute ist ein großer Tag. Ich habe beim Klub meines Lebens verlängert und bin überglücklich. Ich freue mich unglaublich darauf, endlich loszulegen." - Sergi Samper

Sergi Samper im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung