Yohan Cabaye im Porträt

Der stille Häuptling

Von Marco Kieferl
Donnerstag, 06.02.2014 | 10:54 Uhr
Yohan Cabaye gehörte in Newcastle zu den absoluten Leistungsträgern
© getty
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Yohan Cabaye gilt als der Inbegriff des stillen Chefs. Auf dem Platz lässt er lieber Taten als Worte sprechen. Als Kapitän und Herz von Newcastle United wechselte der 28-Jährige Ende Januar zu Paris Saint-Germain. Zum ruhigen Franzosen passt der schrille Milliardärsklub jedoch nur auf den zweiten Blick.

Claude Puel schien es schon 2011 gewusst zu haben: "Es ist für mich keine große Überraschung, dass er ins Ausland gewechselt ist und so schnell für das Nationalteam berufen wurde. Dank seiner guten Erziehung hat er es geschafft, trotz seines sportlichen Aufstiegs der Gleiche zu bleiben. Ich denke, dass er in den nächsten fünf Jahren in einem der größten Fußballklubs Europas spielen wird."

Ganz anders als der ehemalige Trainer vom OSC Lille präsentierte sich schon damals sein Schützling. Yohan Cabaye kam zwar als frischgebackener französischer Meister in die Premier League zu Newcastle United, große Töne spuckte er aber nie. Vielmehr gilt der 28-Jährige als ruhiger und besonnener Zeitgenosse.

Nun wechselt der stille Chef der Magpies zu Paris Saint-Germain. Ein Verein, der aufgrund seiner sportlichen Entwicklung als logischer nächster Karriereschritt Cabayes erscheint und dennoch nicht zu seinem Charakter passen will.

Herz der Mannschaft und heimlicher Chef

Bereits in seiner Jugend war er in Frankreich Leistungsträger der U-19-Europameister von 2005 und galt als hoffnungsvolles Talent. Mit seinem entscheidenden Tor im Halbfinale gegen Deutschland, war er es, der die Equipe Tricolore erst ins Endspiel gebracht hatte.

Auch im Anschluss verlief seine Karriere wie an der Schnur gezogen. Mit 18 debütierte Cabaye bereits für seinen Heimatverein OSC Lille und wurde nur kurze Zeit später zum unumstrittenen Leistungsträger. Nach einer Fabelsaison mit 13 Toren und neun Vorlagen in 32 Spielen wurde er nach der skandalösen WM 2010 auch erstmals in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen.

Ein Jahr später verabschiedete sich der 1,73 Meter kleine Franzose mit dem Meistertitel gen Newcastle. Auch dort entwickelte er sich nach kurzer Zeit zum unumstrittenen Leistungsträger und heimlichen Chef der Magpies. Im Rampenlicht standen seither zwar stets die Torjäger um Demba Ba, Papiss Demba Cisse oder Loic Remy, Herz der Mannschaft war jedoch stets Cabaye.

Freistoßspezialist Cabaye

Er war es, der Newcastles Spiel aus der Mittelfeldzentrale dirigierte und neben Cheikh Tiote den Takt angab. Mit seiner vorbildlichen Übersicht und seinen Fähigkeiten im Passspiel war Cabaye seit jeher für die Spielmacherrolle prädestiniert. Aufmerksamkeit erlangte er jedoch vor allem als exzellenter Distanz- und Standardschütze. Ob per Weitschuss, Freistoß oder Elfmeter - Cabaye verlieh Newcastle seit dem ersten Tag die nötige Torgefahr aus dem Mittelfeld.

Vor seinem Wechsel brachte er es auch schon wieder auf sieben Tore in der Premier League. Dabei ging Cabaye auch in den wichtigen Spielen als Leitwolf voran und sicherte den Magpies mit seinen Toren vier Punkte gegen die Topklubs Manchester United und Liverpool. Auf dem Platz haut der sonst so ruhige Zeitgenosse auch gerne einmal dazwischen. Durchschnittlich sieben Gelbe Karten pro Saison zeigen, dass sich Cabaye auch nicht zu schade ist, durch taktische Fouls oder härteren Einsatz Zeichen zu setzen.

Paris der Nationalmannschaft wegen

Trotz einer beinahe schon unheimlichen Konstanz in Cabayes Leistungen, muss er sich in der Nationalmannschaft um einen Platz im zentralen Mittelfeld streiten. Anders als bei Newcastle, wo er wahlweise mit Tiote auf der Doppelsechs oder als alleinige Zehn agierte, hat er bei les Bleus mit Valbuena, Pogba und Matuidi starke Konkurrenz auf den Positionen im zentralen Mittelfeld. Dort sieht ihn Didier Dechamps ohnehin in einer defensiveren Rolle, als dies unter Pardew bei den Magpies der Fall war.

Zwar überzeugte er im Trio mit Pogba und Matuidi im alles entscheidenden Playoff-Rückspiel gegen die Ukraine, gerne opfert Dechamps jedoch gerade Cabaye, um durch einen zusätzlichen Offensivmann mehr Kreativität ins Spiel zu bringen.

Vor allem für die Nationalmannschaft wird sich Cabaye nun auch den größten Vorteil durch seinen Wechsel nach Paris versprochen haben. Bereits im Sommer soll er um einen Wechsel gebeten haben, um in seiner Karriere den nächsten Schritt zu gehen. Arsenal soll zwölf Millionen Euro für Cabaye geboten haben. Auch im Winter sollen die Gunners wieder an einem Transfer interessiert gewesen sein, den Zuschlag bekommt Paris Saint-Germain für 24 Millionen Euro.

Ungekannter Konkurrenzkampf

Bei PSG rückt Cabaye alleine durch das Renommee des Klub und dessen Auftritte in der Champions League mehr in den Fokus, als das in Newcastle jemals der Fall sein konnte.

In Paris baut Trainer Laurent Blanc seit Längerem auf drei zentrale Mittelfeldspieler. Während Motta den defensivsten Part übernimmt, bemühen sich abwechselnd Verratti, Matuidi und Jungspund Rabiot um die kreativen Momente aus der zweiten Reihe. Neben der Qualitätssteigerung in der Breite erhofft sich PSG vor allem mehr Torgefahr aus diesem Mannschaftsteil. Cabaye alleine erzielte in dieser Saison ein Tor mehr, als alle seine Konkurrenten zusammen.

Ein Wintertransfer ergibt auch insofern Sinn, als dass Cabaye noch in der Champions League gemeldet werden kann und einen sofortigen Ersatz für den bis März verletzten Rabiot darstellt.

Liebe auf den zweiten Blick

Inwiefern der exzentrische Milliardärsklub jedoch menschlich zu Cabaye passt, erscheint auf den ersten Blick fraglich. Hier die extrovertierten und zuweilen arroganten Stars um Zlatan Ibrahimovic, dort Cabaye, der sich selbst als introvertiert und ruhig beschreibt.

"Ich würde sagen, seine größte Qualität ist seine Höflichkeit. Er ist geerdet und bleibt mit beiden Beinen auf den Füßen", beschrieb ihn einst einer seiner besten Freunde Mathieu Debuchy.

Cabaye ist ganz zweifellos ein neuer Typ in einer mit Superstars gespickten Mannschaft. Doch richtige Spitzenteams macht es schließlich auch aus, dass sich unter all den Individualisten auch Teamplayer befinden, die sich auch inmitten schwieriger Charaktere dem Erfolg unterordnen.

Das fehlende Puzzleteil?

Andere würden sagen: Unter einer Horde Häuplinge müssen sich auch ein paar folgsame Indianer befinden. Cabaye ist keines von beiden. Er ist ein stiller Anführer, der mit Leistung vorangeht. Er stellt die so wichtige Balance in einer Mannschaft voller Individualisten her und bildet so den Grundstein für den Erfolg.

Über sich selbst sagt er auf seiner Homepage: "Als stille Person komme ich grundsätzlich mit jedem aus." Nicht die schlechteste Voraussetzung, um sich auch inmitten von Ibrahimovic und Co. als Leader zu etablieren.

Yohan Cabaye im Steckbrief

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