Kommentar zu Arsene Wengers Abschied vom FC Arsenal: Der Rücktritt kommt zu spät

Freitag, 20.04.2018 | 14:10 Uhr
Arsene Wenger trainiert den FC Arsenal seit 1996.
© getty
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Nach 22 Jahren verlässt Trainer Arsene Wenger den FC Arsenal trotz laufenden Vertrags bis 2019 am Saisonende vorzeitig. Sein Rücktritt kommt zu spät. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Nino Duit.

In den vergangenen Jahren hatte es Anflüge von Realitätsverleugnung. Arsene Wenger wollte sein Lebenswerk FC Arsenal unbedingt auf einem Höhepunkt verlassen - und dafür redete er sich einfach ein, dass das noch möglich sei. Als Wenger 2014 um drei Jahre verlängerte, wurde er gefragt, ob Arsenal in diesem Zeitraum Meister wird. Und er sagte: "Natürlich." Ein Versprechen, das er nicht einhielt: Arsenal wurde Dritter, Zweiter und Fünfter. Und Wenger verlängerte erneut für zwei Jahre. Er hoffte weiter.

Kurz vor Ende der ersten dieser zwei Saisons ist Arsenal in der Premier League abgeschlagener Sechster. Im FA Cup, der Wenger in den vergangenen Jahren immerhin Trostpreise bescherte (Siege in den Jahren 2014, 2015 und 2017), scheiterte Arsenal schon vor Monaten am Zweitligisten Nottingham Forest. Im League-Cup-Finale ließ sich Arsenal von Manchester City vorführen. Einzig in der Europa League besteht noch eine Titelchance.

Die vergangenen Monate brachten Wenger zur Einsicht: Es ist hoffnungslos. Mit seinen Ansätzen sind die ganz großen Titel - die Premier League und die Champions League - nicht mehr zu holen. 22 Jahre nach seinem Dienstbeginn tritt Wenger vorzeitig zurück, sein Vertrag lief eigentlich noch bis 2019.

Arsene Wenger: Ein Trainer, der es anders macht

Wenger war stets ein Trainer, der es anders macht. Als er Arsenal 1996 übernahm, verbot er seinen Spielern Junkfood und Alkohol. Unerhörte Maßnahmen in einer Zeit, in der sich einige Arsenal-Spieler im allwöchentlich abgehaltenen "Tuesday Club" öffentlich akzeptiert betranken. Wengers Ansätze waren frisch und sorgten nicht nur in England für ein neues Verständnis des Trainerberufs.

Auch auf dem Transfermarkt machte es Wenger anders: Statt erfahrene Spieler zu verpflichten, gab er stets jungen eine Chance. Thierry Henry und Patrick Vieira formte er beispielsweise zu Weltklassespielern und gewann mit ihnen 2004 seinen dritten Meistertitel. Ungeschlagen. Zwei Jahre später erreichte Arsenal das Finale der Champions League, führte gegen den FC Barcelona bis zur 76. Minute 1:0 - und verlor letztlich 1:2.

Die Champions League holte er nie und seitdem auch keinen Meistertitel mehr. Ab dann ging es abwärts.

Arsenal umschwebt eine Aura der Frustration und Tristesse

Arsenals Konkurrenz wurde auf dem Transfermarkt aggressiver und kauffreudiger, während Arsenal finanziell unter dem Bau des Emirates Stadium litt. Schlüsselspieler verließen den Klub: Thierry Henry und Cesc Fabregas zum FC Barcelona, Robin van Persie zu Manchester United. Immer wieder fand Wenger entsprechenden Ersatz, aber auch immer seltener.

In den vergangenen Jahren probierte er es ebenfalls mit kostspieligen Transfers, doch dieser Kurswechsel bewirkte keinen Aufschwung. Wenger machte es nicht mehr anders als die Konkurrenz, sondern mit den gleichen Ansätzen - nur offenbar schlechter.

Lange reichte Wenger bei den Fans die Erinnerung an bessere Zeiten als Daseinsberechtigung, zuletzt nahm aber die Wut über die Stagnation überhand. Die Schilder mit den Aufschriften "in Arsene we trust" und "Arsene knows" wurden weniger, ebenso die Fans im Emirates Stadium. Leere rote Sitzschalen prägten zuletzt das Stadionbild. Ob der anhaltenden Erfolgslosigkeit umschwebt den Verein eine Aura der Frustration und Tristesse.

Obwohl er es lange nicht wahrhaben wollte, erkannte das schließlich auch Wenger. "Ich habe das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt gekommen ist", ließ er sich in seinem Abschiedsstatement zitieren. Wenger trainierte den FC Arsenal ein Sechstel seiner Vereinsgeschichte und sorgte Anfang des Jahrtausends wohl für die spektakulärste Ära. Sein Lebenswerk ist vollständig - aber das ist es schon seit Jahren. Wengers Rücktritt kommt zu spät.

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