Dreamchaser im Zeichen der Sieben

Montag, 11.05.2015 | 12:53 Uhr
Treffsicher: Memphis Depay traf in 29 Spielen bislang 22 Mal
© getty
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Für knapp 30 Millionen Euro wechselt Memphis Depay zu Manchester United, weil sein Förderer Louis van Gaal in letzter Sekunde dazwischen grätschte. Eigentlich war sich der PSV Eindhoven mit einem anderen Verein längst einig. Der junge Niederländer könnte bei den Red Devils in die Fußstapfen einiger legendärer Kicker treten.

Wie groß die Wertschätzung für Memphis Depay in Eindhoven ist, zeigte sich am vergangene Samstag. Tage zuvor wurde der Wechsel des 21-Jährigen von Meister PSV zu Manchester United bekannt gegeben. Bei seiner Auswechslung in der 86. Minute brandete tosender Applaus im Phillips Stadion auf. Alle 33.300 Zuschauer standen auf und applaudierten dem kleinen Mann mit der Nummer 7 auf dem Rücken.

Ein Plakat wurde in der Fankurve in die Höhe gestreckt. Die Fans bedankten sich bei ihrem "Dreamchaser aus Eindhoven". Mit 22 Toren in 29 Spielen schoss der Flügelstürmer den PSV quasi im Alleingang zur Meisterschaft. Durch teils spektakuläre Treffer, wie sein letztes Tor bei seinem letzten Spiel vor heimischer Kulisse gegen Hercales Almelo, als er einen Freistoß aus gut 30 Metern fast ansatzlos ins Tor jagte, spielte sich Depay in die Herzen der PSV-Fans.

Depay, der ghanaische Wurzeln hat, durchlief alle Juniorenmannschaften des PSV und gilt als Paradebeispiel für erfolgreiche Jugendarbeit. "Memphis hat alle PSV-Jugendteams durchlaufen und hat bei uns eine wichtige Rolle gespielt. Er ist ein Aushängeschild unserer Nachwuchsarbeit", sagte Sportdirektor Marcel Brands. "Sportlich verlieren wir natürlich einen fantastischen Spieler, der von großem Wert für das Team ist. Aber PSV gewährt ihm diesen prächtigen Karriereschritt."

Ist er bereit für England?

Geschätzte 27,5 Millionen Euro überweisen die Red Devils an Eindhoven. Nicht wenig für einen 21-Jährigen, der bisher nur in den Niederlanden aktiv war. Depay spielte seit seinem 12. Lebensjahr bei PSV und wagt jetzt den Schritt in die Premier League.

"Das ganze Jahr über zeigte er, dass er bereit ist, zu einem europäischen Top-Klub zu wechseln. Er ist einfach zu gut für die Liga und hat das Woche für Woche gezeigt", sagt Yanick Vos, Chefradakteur von Goal Niederlande.

Auch der Spieler selbst sieht sich bereit für die englische Liga. "Ich habe schon WM-Spiele auf höchstem Level absolviert und die holländische Liga ist nicht so schlecht wie manche denken. Klar, die Qualität in der Premier League ist höher, das Spiel schneller und auch härter, aber ich glaube fest daran, dass ich bereit für den nächsten Schritt bin", sagte Depay zu Transfermarkt.co.uk.

Aus United-Sicht ergibt die Verpflichtung zudem in jedem Fall Sinn. Depay ist ein Spieler, der Tempo und Überraschungsmomente ins Spiel bringt. Er hat einen ungeheuren Zug zum Tor, ist stark im Abschluss und technisch sehr visiert. Er ist der ideale Flügelstürmer, einen ähnlichen Spielertypen von der Qualität besitzt United nicht.

Cleverer Transfer

Juan Mata, der in den letzten Wochen öfter auf dem Flügel zu finden war, fühlt sich in der Zentrale wohler. Ashley Young erlebt zwar seinen zweiten Frühling in Manchester, genügt aber nicht den internationalen Ansprüchen. Mit Adnan Januzaj hat man zwar ein weiteres großes Talent in seinen Reihen, allerdings nahm der Belgier in dieser Saison noch nicht die erhoffte Entwicklung. Insofern ist die Verpflichtung des 1,76-Meter großen Rechtsfußes absolut nachvollziehbar.

Vor allem aber wechselt Depay zu seinem Förderer. Louis van Gaal nominierte ihn im Oktober 2013 erstmals für die Elftal und nahm ihn als 20-Jährigen mit zum WM nach Brasilien. Dort überzeugte er in vier Spielen mit zwei Treffern und einem Assist. Depay ist begeistert von van Gaal: "Wir haben die Weltmeisterschaft in Brasilien zusammen verbracht und ich habe eine Menge von ihm gelernt. Ich mag ihn, weil er sehr direkt ist."

Van Gaal war auch ausschlaggebend dafür, dass Depay sich für United entschied, denn eigentlich waren sich Eindhoven und Paris St. Germain schon über einen Wechsel einig. "Mit ihnen waren wir schon im Winter sehr konkret. Wir waren uns einig und wenn sie mich vor zwei Tagen gefragt hätten, wohin Memphis wechselt, hätte ich PSG gesagt. Aber in den letzten 48 Stunden hat sich Manchester United eingeschaltet und alles durcheinander gewirbelt. Letztlich trifft der Spieler die Entscheidung. Und so ist es Manchester geworden", sagte Brands noch vergangene Woche.

"Van Gaal ist das große Plus"

"Die Wahl zwischen so vielen Top-Klubs zu haben, hat es nicht einfacher gemacht. Es war eine sehr hektische Zeit. Manchester United ist für mich ein absoluter Traumklub. Mit van Gaal zu arbeiten, ist nochmal ein großes Plus", freut sich Depay.

Im Old Trafford könnte er in die Fußstapfen legendärer Kicker treten. Bei United spielten schon immer großartige Flügelspieler. George Best, Ryan Giggs, David Beckham und Cristiano Ronaldo. Depay hat durchaus das Talent, um sich in diesen erlauchten Kreis einzureihen.

Vor allem trug er in Eindhoven die Rückennummer 7. Eine Nummer, bei den Red Devils bisher immer ganz besondere Spieler trugen. Derzeit gehört diese besondere Nummer zwar noch Angel Di Maria, vielleicht aber wird sie in naher Zukunft bald der kleine Wirbelwind aus Moodrecht tragen.

An Selbstvertrauen mangelt es Depay zudem nicht. Zu seiner Zeit in Manchester befragt, gibt der Youngster bei De Telegraaf ein Versprechen ab: "Ich bin sehr stolz und ich glaube, dass ich ein großer Spieler bei United werden kann. Ich werde den Leuten zeigen, was ich drauf habe. Ich trainiere jeden Tag Freistöße, da können die Fans viel von mir erwarten". Ganz im Zeichen einer großen Nummer Sieben.

Memphis Depay im Steckbrief

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