Der Wahnsinn hat Methode

Von Stefan Rommel
Mittwoch, 27.02.2008 | 12:19 Uhr
© Getty
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München - Manchmal gibt es Spiele, die plätschern nur so vor sich hin. Man spielt sie gegen Wolfsburg oder Paderborn oder Unterhaching und am Ende gewinnt man vielleicht.

Und selbst wenn man verliert, sind diese Spiele schnell wieder vergessen. Weil sie keine Geschichte erzählen.

Der VfB Stuttgart hat am Dienstag kein solches Spiel erlebt. Der VfB hat in 120 Minuten plus Elfmeterschießen eine ganze Saison erlebt. Die verkorkste des Jahrgangs 2007/08.

Das peinliche 6:7 n.E. gegen Carl Zeiss Jena führte den Schwaben die gesamte Spielzeit vor Augen, unmissverständlich und erschreckend real.

Einfach unterschätzt

Lethargisch habe seine Mannschaft die erste Halbzeit absolviert, meinte Trainer Armin Veh. Nur allzu offensichtlich aber hatte sein Team den Gegner schlicht und einfach unterschätzt.

Wie im Pokal zuvor schon Wehen (2:1-Sieg in letzter Minute), Paderborn (3:2 n.V.) und Werder Bremen II (3:2).

In der zweiten Halbzeit spielte der VfB dann endlich, wie es sich in einem Heimspiel des deutschen Meisters gegen den Vorletzten der 2. Liga geziemt: Dominant und zielstrebig.

Wahnsinn hat Methode

Aber nach dem 2:1 durch Mario Gomez zu Beginn der Verlängerung versäumte es Stuttgart nachzulegen und war geistig schon wieder in der ersten Halbzeit angelangt. Tenor: Alles im Griff, läuft schon irgendwie. Es lief nicht.

Man kann ein Spiel in den letzten Sekunden durchaus mal aus der Hand geben, keine Frage. Und man kann auch mal die klar bessere Mannschaft sein und verlieren.

Aber beim VfB handelt es sich schon lange nicht mehr um Zufall oder Einzelfall. Der Wahnsinn hat im Ländle offenbar Methode. In der Liga verzockte der Meister locker drei, vier Spiele völlig unnötig in einer Art der Selbsttäuschung, die beinahe schon zur Legendenbildung taugt.

Wo bleibt der Lerneffekt?

In der Champions League kam es zum Desaster, obwohl auch ein positiver Werdegang möglich gewesen wäre. Bei den Rangers war der Sieg quasi schon eingetütet, der positive Auftakt in die Königsklasse schon so gut wie sicher. Am Ende verlor der VfB das Spiel und den Bezug zur europäischen Spitzenliga.

Bleibt seither die Frage nach dem Lerneffekt. Dass es die Mannschaft kann, hat sie oft genug bewiesen. Allerdings folgten überzeugenden Auftritten immer wieder unerklärlich schwache Spiele.

Immer wenn der Weg aus der Krise vorgezeichnet ist, verläuft sich die Mannschaft wieder und fängt von vorne an.

Da Silva wie weiland Beckham

Auch beim Elfmeterschießen wäre ja noch alles drin gewesen, hätte Antonio da Silva bei seinem Fehlschuss nicht einen Ausrutscher a la David Beckham hingelegt und den Ball vier Meter über das Tor gedroschen. Aber auch das passt eben ins Bild.

Der DFB-Pokal wäre der leichteste Schritt in Richtung Europa gewesen. Drei, bei günstiger Konstellation sogar nur zwei Siege und der VfB hätte sein Minimalziel UEFA-Cup-Teilnahme erreicht gehabt.

Jetzt bleibt nur der steinige Weg durch die Stadien in Cottbus, Leverkusen oder München. Alles Spiele, die unzählige Geschichten schreiben können. Die Drehbücher hat Stuttgart selbst in der Hand.

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