Niersbach von Zwanziger enttäuscht

SID
Wolfgang Niersbach zeigt sich enttäuscht über die Kritik seines Vorgängers
© getty

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist nach der überraschenden Kritik offenbar enttäuscht von seinem Vorgänger Theo Zwanziger.

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"Im Fußball ist man doch vor Überraschungen nicht gefeit - und auch abseits der 90 Minuten muss man nicht alle Dinge verstehen können", sagte Niersbach der "Welt am Sonntag".

Zwanziger hatte eine Woche zuvor in der Sonntags-FAZ den Führungsstil seines Nachfolgers kritisiert. "In wichtigen sportpolitischen Fragen wünschte ich mir natürlich, dass sich auch der DFB einschaltet. Aber das macht jeder in einer Führungsposition so, wie er es für richtig hält", hatte er gesagt und schnippisch angemerkt: "Es gibt als Funktionär im Fußball allerdings nicht nur die schönen Seiten; auf der Tribüne sitzen, tolle Spiele sehen, interessante Leute treffen in den VIP-Räumen. Man hat auch eine gesamtpolitische Verantwortung, die sichtbar werden muss."

Ausweichtermin soll erst später entschieden werden

Auch inhaltlich wehrte sich Niersbach gegen die Vorwürfe, der DFB verhalte sich in der Diskussion um die Austragung der umstrittenen WM 2022 in Katar zu passiv. "Ich halte es für absolut richtig, über einen genauen Ausweichtermin noch nicht jetzt zu entscheiden", erklärt der 62-Jährige. Europas Verbände hätten die Sorge gehabt, "dass die FIFA-Exekutive die Verlegung beschließt und gleich einen Termin benennt. Wir haben darauf gedrängt, in dieser Frage alle mit ins Boot zu nehmen: die großen Ligen, Spielergewerkschaften, Sponsoren, Medien und auch die Fans".

Er habe jedenfalls "gelernt, wie wichtig es ist, erst einmal die Fakten zu checken, bevor man lautstark in die Öffentlichkeit geht. Genau so habe ich es auch in diesem Fall gehandhabt. Und was die WM-Vergabe an Katar betrifft: Zu demokratischen Prozessen gehört nun mal auch, Entscheidungen irgendwann zu akzeptieren und nach Lösungen zu schauen. Ich kann doch jetzt nicht neun Jahre lang jede Woche wiederholen, dass unser DFB die Vergabe an Katar nicht für gut befunden hat".

ECA für Verlegung ins Frühjahr

Einig sei man sich aber, dass die WM verlegt werden muss, vom Sommer wohl in den Winter. "Ich weiß, dass FIFA-Präsident Sepp Blatter, UEFA-Präsident Michel Platini oder auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das grundsätzlich so sehen, denn im Sommer kann dort einfach kein Fußball gespielt werden", berichtete Niersbach: "Natürlich müssen sich die 14, die in der FIFA damals für Katar gestimmt haben, den Vorwurf gefallen lassen, dass sie diesen Aspekt mehr oder weniger ignoriert haben." Rummenigge als Chef der europäischen Klub-Vereinigung ECA hat sich für eine Verlegung der WM ins Frühjahr 2022 ausgesprochen.

Besorgt zeigte sich Niersbach über die Meldungen von angeblich 44 Todesfällen auf Baustellen der WM-Stadien in Katar. "Wenn es um Menschenrechte geht, sind wir alle in der Verantwortung. Fakt ist, dass die Plattform Fußball hilft, auf Missstände aufmerksam zu machen", betonte er und erinnerte noch mal daran, dass der DFB während der EM in Polen und der Ukraine "in Sachen Julia Timoschenko klar Position bezogen" habe: "Der Fußball darf vor solchen Dingen nicht die Augen verschließen. Das gilt für die FIFA, die für die Weltmeisterschaft in Katar zuständig ist. Das gilt aber natürlich auch für uns."

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