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Der Kosmos Löw

Samstag, 12.10.2013 | 18:02 Uhr
Auf Joachim Löw (M.) kommt bis zur WM in Brasilien noch einige Arbeit zu
© getty
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Deutschland hat die Qualifikation für die WM in Brasilien geschafft. Ein Zwischenschritt auf dem Weg zum großen Ziel Titel. In den nächsten Wochen und Monaten stehen wichtige Entscheidungen und Entwicklungen an. Fast alles dreht sich dabei um Bundestrainer Joachim Löw.

Richtig ernst wurde es eigentlich erst nach dem Schlusspfiff. Weil Bundestrainer Joachim Löw die erfolgreiche Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien erst mit seinen Spielern feiern wollte und jeden, der ihm in die Quere kam, abklatschte, umarmte oder sonst wie beglückwünschte, gab es Ärger mit Robbie Keane.

Irlands zweifelsohne bester Spieler, der das Spiel wegen einer Knöchelverletzung verpasste, war ganz schön fuchsig. Löw solle doch schleunigst seinem Gegenüber Noel King die Hand schütteln. Das gebiete der Anstand und Respekt.

Löw saß knapp eine halbe Stunde später recht entspannt auf dem Podium der Pressekonferenz, wo er zum Abschluss auch noch das Gift aus dieser Szene nehmen konnte. Er wollte in diesem besonderen Moment erst bei seiner Mannschaft sein, später habe er dann auch King die Hand gereicht. Alles okay, no problem!

Problemlos gegen irische Terrier

Ernsthafte Schwierigkeiten machten die einsatzfreudigen Iren der deutschen Mannschaft auch in den 90 Minuten auf dem Rasen kaum. Zwar hatte Irland bei ein, zwei Kontern und einigen Standards ordentliche Möglichkeiten, die Partie verlief insgesamt aber einseitig.

"Wir haben das gesehen, was zu erwarten war. Wenn elf so irische Terrier auf dich am eigenen Sechzehner warten und der Torwart auch einen guten Job macht, dann hast du natürlich keine Chancen im Minutentakt", sagte Thomas Müller.

Für die Nationalspieler hat sich die erfolgreiche WM-Qualifikation einerseits mit einer Prämie von bis zu 200.000 Euro ausgezahlt (abhängig von der Anzahl der Kadernominierungen) und mit zwei freien Tagen. Erst am Sonntagabend müssen sich Philipp Lahm und Co. wieder im Kölner Hotel einfinden.

Bei besserer Chancenverwertung wäre auch ein höherer Sieg drin gewesen. So blieb es beim 3:0 durch Tore von Sami Khedira, Andre Schürrle und Mesut Özil. Der Spielmacher vom FC Arsenal musste bis zur Einwechslung von Max Kruse in der 82. Minute seine genaue Rolle als vorderster Angreifer suchen.

Löw erkennt zwei Aufgaben

Löw nutzte ohne seine etatmäßigen Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez schon das vorletzte Gruppenspiel für das Experiment mit der falschen Neun. Dass sich Özil in dieser Rolle nicht wirklich wohlfühlte war von Beginn an sichtbar.

Die Iren waren aber auch "kein Gradmesser", wie Özils Teamkollege in England Per Mertesacker bemerkte. Es habe so wenig Raum gegeben zwischen der irischen Viererkette in letzter Linie und der Fünferkette davor. "Wo soll er sich da hinfallen lassen?"

Das Spiel ohne echten Stürmer war ein Punkt, warum Löw nach der Partie "enormes Steigerungspotenzial" bei seiner Mannschaft erkannte. "Ein bisschen was muss noch passieren, ich sehe da zwei Schwerpunkte: Wir müssen die Defensive weiter stabilisieren und das Spiel im letzten Drittel."

Selbst gegen dem in seiner spielerischen Banalität gefangen Gegner gewährte die DFB-Elf einige Möglichkeiten, sei es aufgrund mangelnder Konzentration, fehlender Konsequenz oder körperlicher Unterlegenheit bei Standardsituationen.

Zentrales Thema Defensive

Löw hat in seiner Amtszeit bisher vor allem gezeigt, dass er ein guter Offensivtrainer ist. Die Spielweise der deutschen Mannschaft ist bisweilen berauschend. Sein Credo lautet: Nur mit schönem, offensivem Fußball gewinnt man Titel.

In letzter Zeit hat er seine Philosophie im öffentlichen Diskurs aber auch mit dem Ziel der defensiven Stabilität verknüpft. Zu offensichtlich waren die Balanceprobleme, die die deutsche Mannschaft selbst gegen kleinere Gegner hatte.

Drei Zu-Null-Spiele weisen den richtigen Weg, wobei die Gegner Österreich, Färöer und Irland nicht unbedingt als Prüfsteine herhalten. "Wir haben uns in diesen Spielen sehr auf Dinge konzentriert, die wir uns vorgenommen haben", sagte Mertesacker, der seine Aussage nicht konkretisieren wollte.

Entscheidende Testspiele

Der Umstand, dass das letzte Gruppenspiel in Schweden stattfindet, ausgerechnet bei dem Gegner, der die Debatte um das Defensivverhalten der Deutschen beim 4:4 in Berlin ins Rollen gebracht hat, ist nicht frei von Ironie.

Die Schweden sind der erste Testspielgegner auf dem Weg zum erträumten WM-Titel in Brasiliens Fußballtempel Maracana. Die abschließenden Testspiele gegen Italien (15. November in Mailand) und England (noch nicht fix) weisen dann den Weg für das WM-Jahr 2014.

Hier bieten sich Löw die Möglichkeiten, seine Problemzonen gegen international hochwertige Gegner unter die Lupe zu nehmen und taktische Variationen zu testen. Diese Richtwerte braucht es, um in den entscheidenden Spielen der K.o.-Runde auf den Punkt da zu sein, auch wenn die spezielle Situation eines WM-Halbfinales oder Finales nicht zu simulieren ist.

Neuer Vertrag und mehr Macht

Ein weiteres Fragezeichen dürfte relativ schnell aus dem Umfeld des DFB verschwinden: Die offene Vertragssituation des Bundestrainers. Erstaunlich offen sprach dieser nach dem Spiel über seine anstehende Verlängerung.

"Wir haben schon Gespräche geführt und die Eckdaten festgezurrt", sagte er in der "ARD". "Ich glaube, dass wir eine Einigung finden werden." DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kündigte an, sich nach dem Schweden-Spiel zusammenzusetzten und dann "werden wir uns zu den spannenden Personalien klar äußern."

Denn es geht ja nicht nur um Löw. Es geht auch um die Zukunft von Teammanager Oliver Bierhoff, der schon länger mit einem Wechsel in den Ligabetrieb kokettiert. Und es geht um die Position des Sportdirektors, die wohl Löws Assistenten Hansi Flick zufallen wird. Doch wer nimmt dann Flicks Platz ein?

In jedem Fall würde die Berufung Flicks zum Sportdirektor Löw noch mächtiger machen. Im Moment deutet alles darauf hin, dass Löw auch über die WM 2014 hinaus für die Entwicklung des deutschen Fußballs auf höchster Ebene verantwortlich sein wird.

Deutschland - Irland: Daten zum Spiel

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