Nachbericht: DFB-Pleite gegen Argentinien

Niederlage ohne Schmerzen

Von Für SPOX in Frankfurt: Stefan Rommel
Donnerstag, 16.08.2012 | 15:50 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw (l.) musste gegen Argentinien bereits früh umstellen
© Getty
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Der Test gegen Argentinien hat seinen Zweck in vielerlei Hinsicht erfüllt: Die Bindung zu den Fans ist intakt, die Mannschaft zeigte ordentliche Ansätze, es wurde jede Menge Geld verdient. Nur der Bundestrainer sorgt weiter für Diskussionen.

Als sich die Spieler der deutschen Nationalmannschaft aus dem Kabinengang wälzten und Sekunden später auf den Platz des Frankfurter Stadions sprinteten, drehte sich Thomas Müller noch einen Moment zu den Kollegen um und lächelte kurz.

Es war im Vorfeld eine der dringlichsten Fragen gewesen, wie das Publikum wohl auf die Rückkehr der Auswahl nach Hause reagieren würde, einige Wochen nach dem heftig debattierten EM-Aus gegen Italien.

Knapp 50.000 waren in die Arena in Frankfurt gekommen, die nur einen Steinwurf entfernt liegt von den Büros des Deutschen Fußball Bundes. Sie begrüßten ihre Mannschaft ganz so, als hätte es die letzten Wochen nicht gegeben.

Fans zurückgewinnen? Sie waren nie weg

Wer vorher gedacht hatte, dass sich die Sicht der Fans auf das Team und seinen Trainer Joachim Löw grundlegend verändert hätte oder etwas zu Bruch gegangen sei in der Nacht von Warschau Ende Juni, der sah sich belehrt. Die Fans zurückgewinnen? Sie waren offenbar nie weg.

Die positive Stimmung auf den Rängen hielt sich hartnäckig bis zum Schluss, auch wenn das Spiel gegen Argentinien die eine oder andere Wendung bereithielt, die andernorts schon mal dazu führt, dass die Gemütslage der Fans kippt.

Das 1:3 (0:1) gegen die Albiceleste war gemessen am Ergebnis ein denkbar schlechter Start in die neue Saison. Der sportliche Wert der Veranstaltung war schon im Vorfeld bezweifelt worden. Die Spieler stecken wie die des Gegners mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison. Den Deutschen fehlten dazu gleich mehrere Stammspieler.

Als sich dann während des Spiels so ziemlich alles gegen die DFB-Auswahl verschworen hatte, war die Aussicht auf ein erfolgreiches Resultat gegen die argentinischen Könner gleich Null.

Kuriose erste Halbzeit

Der Ertrag einer couragierten Leistung war bis zur Pause: Ein Rückstand durch ein Eigentor, ein Platzverweis - der erste in 864 Länderspielen für einen Torhüter des DFB: Marc-Andre ter Stegen gelang das Kunststück, mit seinem ersten Ballkontakt einen Elfmeter von Lionel Messi zu parieren - und die Verletzung von Mats Hummels.

Hummels war nach 15 Minuten mit Gegenspieler Gonzalo Higuain zusammengestoßen, versuchte es noch ein paar Minuten und musste dann doch mit einer Verrenkung einiger Halswirbel vom Platz. Die Folge war eine nahezu komplette Umstellung der Viererkette, lediglich Holger Badstuber verteidigte noch auf seiner angestammten Position.

Die Erkenntnisse für den Bundestrainer schnurrten schnell auf eine überschaubare Größe zusammen. Die fehlende Effizienz und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, die Löw in seiner EM-Analyse schon als Hindernis gegeißelt hatte, machte der deutschen Mannschaft auch dieses Mal einen Strich durch die Rechnung.

Balance geht verloren

"Im Moment brauchen wir zu viele Chancen, um ein Tor zu erzielen", sagte Löw. Ein paar taktische Fehler habe seine Mannschaft gemacht, Löw habe sie registriert und gespeichert. In der zweiten Halbzeit etwa stimmte die Balance zwischen Offensivkür und Defensivpflicht nicht mehr.

"Die ersten 20, 25 Minuten waren gut von uns", sagte Löw, "aber in Unterzahl war es schwer, gegen Weltklassespieler wie Messi oder di Maria immer kompakt zu bleiben."

Das stimmt allerdings nur zur Hälfte. Man kann auch mit nur neun Feldspielern sehr kompakt bleiben. Nur muss man dafür seine Offensivbemühungen entsprechend eindämmen. Darauf hatte die Mannschaft aber keine Lust - und auch kein Personal.

Der Spielberichtsbogen wies in Benedikt Höwedes nur einen Ergänzungsspieler aus den Defensivreihen auf, der Rest waren eher oder vollkommen offensiv orientierte Spieler. Also wurde munter weiter drauflos kombiniert. Was die eine oder andere hübsch herausgespielte Chance zur Folge hatte. Aber eben auch jede Menge Platz für Gegenspieler wie Kun Aguero, di Maria oder diesen Messi.

Götze-Schürrle-Reus mit Ansätzen

Also revidierte Löw ein wenig: "In Unterzahl taktisch cleverer zu spielen, kompakter zu stehen, das ist der entscheidende Punkt." Vielleicht war seine Mannschaft an diesem Abend aber auch noch zu grün. Beim Schlusspfiff war Benny Höwedes der älteste deutsche Spieler auf dem Feld. Der Schalker ist 24 Jahre alt.

Immerhin hat, ganz vorsichtig angemerkt, das Dreieck Götze-Schürrle-Reus einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlassen. Gegen nicht immer hoch konzentrierte und konsequente Gegenspieler zeigten die drei Jungen im Angriffsdrittel einige schöne Kombinationen. Ganz ohne einen Stürmer vor ihnen als Anspielstation. Diese Rolle teilten sich Reus und einige Male auch Schürrle.

Rund neun Mio. Euro Einnahmen

Ansonsten musste man sich wie erwartet schnell davon verabschieden, von einer Partie Mitte August detailliertere Erkenntnisgewinne zu erwarten. Zumindest auf dem Platz. Nicht jedes Testspiel folgt dem dafür vorgesehenen Zweck. Die FIFA hat den Termin vor dem Saisonstart ab der kommenden Saison gestrichen, die Klagen darüber waren zu groß.

Dass der DFB aber mit der Partie am Mittwoch abseits der Unannehmlichkeiten auch rund neun Millionen Euro aus dem Ticketverkauf, Bandenwerbung, Hospitality-Paketen und TV-Geldern eingenommen hat, sollte auch erwähnt werden. Das Wehklagen über die unglückliche Terminansetzung wird gerne strapaziert. Letztlich verdienen die Verbände damit aber auch eine ganze Menge Geld.

Löw: Weitere Diskussion

Also blieb an diesem Abend noch eine Sache, die nicht zu einem versöhnlichen Abschluss kam. Wie angefasst Joachim Löw ob der Kritik der letzten Wochen immer noch ist, wurde wie schon bei seinem Monolog ein paar Tage zuvor auf einer Pressekonferenz noch einmal deutlich.

Löw legte sich nach dem Spiel mit Oliver Kahn an, der als "Experte" einige grundsätzliche Dinge bemängelt hatte. Das Verhältnis Löws zu seinen Kritikern bleibt weiter angespannt. Daran ist der Bundestrainer mit seinem Verhalten aber auch nicht ganz unschuldig.

Löw beharrt weiter auf seiner Linie, räumt eigene Fehler allenfalls ansatzweise ein. Vermutlich werden ihn die Diskussionen noch eine ganze Zeit lang begleiten.

Das DFB-Team im Steckbrief

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