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Mit königsblauem Auge

Donnerstag, 11.12.2014 | 08:18 Uhr
Roberto di Matteo steht mit den Königsblauen im Achtelfinale der Königsklasse
© getty
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Der FC Schalke 04 darf sich zu den besten 16 Mannschaften Europas zählen, sucht aber weiter nach der fußballerischen Identität. Roberto di Matteo verzockt sich fast - am Ende reicht's, weil Maribor kein Gegner sein darf und London kräftig mithilft. Hoffnung macht die Winterpause.

Die Stimmen:

Roberto Di Matteo (Trainer FC Schalke 04): "Ich bin glücklich, dass wir jetzt im Achtelfinale sind. Es war ein hochverdienter Sieg für uns, wir haben das Spiel sehr gut kontrolliert. Es ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft dieser Gruppe. Kollektiv ist das für uns super positiv. Es war hochverdient und wichtig für die Entwicklung der Mannschaft. Wir hatten einen Plan, wir wussten, dass es bis zur letzten Minute gehen würde. Max hat das super gemacht. Wir haben wieder kein Gegentor bekommen, das gibt der Mannschaft Sicherheit. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke 04): "Wenn es um den Vertrag geht, dann macht mein Manager das. Aber es geht nicht nur um Geld. Ich habe immer gesagt, dass ich mich auf Schalke wohlfühle, aber wir wollen nicht nur um den dritten oder vierten Platz spielen. Wenn wir angreifen wollen, dann müssen wir das als ganzer Verein zeigen. Das ist das Wichtigste für mich."

Benedikt Höwedes (FC Schalke 04): "Wir sind als Mannschaft aufgetreten und haben den unbedingten Siegeswillen mitgebracht. In der Ordnung haben wir gut gestanden und nicht viele Torchancen zugelassen. Darüber hinaus haben wir immer für Torgefahr in den eigenen Reihen gesorgt. Es freut mich für Max Meyer, der nicht von Beginn an ran durfte."

Horst Heldt (Sportvorstand FC Schalke 04): "Bisher habe ich noch nicht viele Geschenke bekommen, da wir schon einen Tag vorher hier waren. Wenn ich es mir hätte wünschen können, dann wäre ein Sieg sicher unter den Top drei Geschenken gewesen. Von daher bin ich jetzt glücklich. Am Ende hat die Mannschaft das abgeliefert, was sie abliefern musste. Es war unser ausgemachtes Ziel, die Gruppenphase zu überstehen."

Nachbetrachtung:

Fast hätte Benedikt Höwedes Recht behalten. Zumindest sah es 45 gruselige Minuten im kleinsten Stadion der Champions League so aus. Die "Gier" würde seinen königsblauen Mannen von Zeit zu Zeit fehlen, hatte der Kapitän der Knappen vor dem Spiel gegen Maribor in der "Sport Bild" eingestanden.

Was im Ljudski vrt von 20.45 bis 21.30 Uhr folgte, darf gerne als Beleg für Höwedes' These genommen werden. Die Ausgangslage war klar: Drei Punkte braucht es ohne wenn und aber, im Parallelspiel muss zudem Chelsea gegen den direkten Konkurrenten Sporting gewinnen. Die Blues legten auch gleich fulminant los, führten bereits nach acht Minuten - doch Schalke ließ sich davon nicht beflügeln. Wirkte verkrampft, planlos. Ohne Gier.

Am Ende des Abends hieß es 1:0, und die Schalker kamen mit einem blauen Augen davon. Es genügte eine durchschnittliche zweite Halbzeit, weil das - bei allem Respekt - auch reichen muss gegen Maribor. Es reichten 34 Minuten von Joker Max Meyer, mit dessen Verbannung auf die Bank nach seinem fulminanten Auftritt gegen Stuttgart sich Coach di Matteo fast ins eigene Bein geschossen hätte. Und es reichte, weil man an der Stamford Bridge in London seinem Champions-League-Helden vom "Finale dahoam" Schützenhilfe gab.

"Am Ende hat die Mannschaft das abgeliefert, was sie abliefern musste", brachte es Sportvorstand Horst Heldt genau einen Tag nach seinem 45. Geburtstag nüchtern auf den Punkt.

"Kontinuität zu erreichen ist schwierig"

Unter dem Strich bleibt, das ausgegebene Minimalziel erreicht zu haben. "Ein großer Schritt in die richtige Richtung", wie es Heldt schon im Vorfeld im Interview mit SPOX ankündigte. Doch bleibt auch die Frage, wann Schalke zu seiner fußballerischen Identität findet.

Zwar lobten die Spieler zuletzt Verbesserungen unter dem neuen Coach di Matteo. "Ich glaube, wir sind mit ihm auf einem guten Weg", befand beispielsweise Kapitän Höwedes. "Es gab auch Rückschläge. Aber das wird sich weiterentwickeln." Es muss sich sogar weiterentwickeln. Rein fußballerisch ist ein Fortschritt im Vergleich zu Vorgänger Jens Keller bislang nämlich ausgeblieben.

Di Matteo selbst bittet derweil um Geduld. "Es ist unmöglich, alles ganz schnell umzusetzen", erklärte der 44-Jährige, der die Geschicke der Knappen seit Anfang Oktober leitet. "Kontinuität zu erreichen ist sehr schwierig, das geht nur über gutes und hartes Training und intensive Zusammenarbeit."

Neues Schalke nach der Winterpause?

Dieses Training soll es im Winter geben. Wenn mit Jefferson Faran, Julian Draxler, Leon Goretzka oder Sidney Sam auch die Langzeitverletzten aus der Kreativabteilung an di Matteos Idee von Schalke 04 mitarbeiten sollen. Auch Heldt sehnt die Winterpause herbei, so sei im Angesicht der Mehrfachbelastung samt Abstellungen zu den Nationalteams "vernünftiges Training nur noch in der Sommer- und Wintervorbereitung möglich".

Allzu viele Lehren kann man aus dem Spiel in Maribor also nicht für die fußballerische Entwicklung der Knappen ziehen. Denn am Ende steht nur das immens wichtige Weiterkommen. "Ein wichtiger Schritt für die Zukunft dieser Gruppe", wie di Matteo nach Abpfiff schwärmte. "Kollektiv ist das für uns super positiv."

"Aber", schob der Coach nach: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns." Diese liegt vor allem an ihm. Denn bei der Auslosung in Nyon (Mo., 12 Uhr im LIVE-TICKER) warten mit Real, Barca, Atletico, Porto und Monaco Schwergewichte, gegen die es ein anderes Schalke braucht. Ein Schalke, dass sich nicht die Frage nach der Gier stellen muss. Oder um einen Sieg gegen Maribor zittern muss.

NK Maribor - FC Schalke 04: Die Statistik zum Spiel

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