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Leverkusen verschenkt den Gruppensieg

Offenbarung, Kapitel 2, Vers 6

Mittwoch, 10.12.2014 | 08:52 Uhr
Aufmunternde Worte: Bayer-Coach Schmidt und Spahic nach dem Remis gegen LIssabon
© getty
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Bayer Leverkusen steht in der Champions League im Achtelfinale, hat sich den Absturz auf Rang zwei und den damit verbundenen potenziellen Brocken in der nächsten Runde aber selbst zuzuschreiben. Nach der Pleite gegen die Bayern macht auch das Spiel in Lissabon klar: Im Konzert der Großen spielt die Werkself keine Rolle.

Die Reaktionen:

Roger Schmidt (Trainer Leverkusen): "Wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt. Die Kompromisslosigkeit, die wir beim Verteidigen gezeigt haben, haben wir vor dem gegnerischen Tor nicht umgesetzt. Deshalb haben wir auch kein Tor geschossen und sind leider nicht Gruppenerster geworden. Aber wir wollen aus diesem Spiel lernen. Meine Mannschaft hat vor allem im zweiten Durchgang alles versucht, um das Spiel zu gewinnen."

Rudi Völler (Sportdirektor Leverkusen): "Es war sicherlich ein schlechtes Spiel von uns - trotzdem sind wir eine Runde weiter."

Bernd Leno (Leverkusen): "Wir haben kein gutes Spiel gemacht. Wir haben viel zugelassen, kamen nicht gut in unser Pressing und die Zweikämpfe. Daran sieht man, dass das direkt in die Hose geht, wenn ein paar Spieler nicht mitmachen. Letztendlich stehen wir mit leeren Händen da und sind nur Zweiter."

Simon Rolfes (Leverkusen): "Wir haben Benfica in der ersten Halbzeit zu viele Räume gelassen. Nach der Pause haben wir etwas besser zusammengespielt, aber wir haben es auch nicht verdient, zu gewinnen."

Jorge Jesus (Trainer Benfica): "Wir haben ein großartiges Spiel gezeigt und hätten gewinnen können. Die Leistung war super, das Abschneiden in der Gruppe aber nicht."

Nachbetrachtung:

"Letztendlich stehen wir mit leeren Händen da", war Bernd Lenos Fazit nach 90 Minuten im Estadio da Luz. Drastische Worte, nach einem Remis und dem Weiterkommen in der Königsklasse. Drastische Worte - jedoch nur auf den ersten Blick.

So wirklich freuen mochte sich im Tross der Werkself nach dem bescheidenen 0:0 gegen Benfica niemand. Zu ärgerlich war die verpasste Chance, als Gruppensieger einen machbaren Gegner in der Runde der letzten 16 zu bekommen. Vielleicht doch ein bisschen länger Königsklassen-Luft zu schnuppern. Noch ein bisschen mehr Geld in die Klub-Kasse zu spülen.

Die Werkself nutzte ihre perfekte Ausgangslage nicht. Als Gruppenzweiter warten jetzt Kaliber wie Real oder Chelsea - ein Szenario, das man sich selbst fahrlässig eingebrockt hat.

"Matchball" gegen Monaco

Und ein Szenario, das man schon lange hätte verhindern können. Den ersten "Matchball", wie es Sportdirektor Rudi Völler nannte, hatte Bayer bereits am vergangenen Spieltag vergeben. Ein Remis gegen das sportlich darbende Monaco hätte im heimischen Wohnzimmer gereicht.

Am Ende stand wie schon im Hinspiel ein 0:1 auf der Anzeigetafel. Das habe nichts mit Fußball zu tun, wütete Völler nach den Spielen gegen die mauernden Monegassen. Für Leverkusen reichte es.

Spätestens die Nullnummer gegen Lissabon - bei denen Coach Jorge Jesus ob des bereits feststehenden Ausscheidens und des kommenden Liga-Krachers gegen den FC Porto seine Mannschaft auf zehn (!) Positionen umstellte und eine B-Elf auf den Platz schickte - hat gezeigt, dass Leverkusen im Konzert der Großen noch keine Rolle spielt.

Denn auch wenn Trainer Roger Schmidt im Anschluss bei "Sky" darauf verwies, es seien mit Benfica und Zenit zwei "absolute Topvereine" hinter seiner Mannschaft gelandet: Betrachtet man den Kader, den Verlauf der Gruppenphase und die Konstellation am Ende, so darf unter dem Strich nichts anderes stehen als der Gruppensieg. Es fehlte der Werkself aber an Killer-Instinkt, an Konstanz - und vielleicht an Einstellung.

"Alles versucht, um das Spiel zu gewinnen"

Benfica war bereits die zweite Offenbarung binnen weniger Tage. Am Wochenende bekamen die Rheinländer vom Rekordmeister aus München die Grenzen aufgezeigt. Schmidts Überfall-Fußball hatte seine Feuertaufe gegen eines der besten Teams der Welt nicht bestanden. Zwar fuhr man nur mit einem 0:1 nach Hause, mehr als eine ordentliche Hälfte brachte Leverkusen in der Allianz Arena aber nicht auf den Rasen.

Gegen Benfica schwächelte man am Dienstag personell wie konditionell. Vom konsequenten Offensiv-Pressing mit einer Viererkette wie in München war vor allem in der gruseligen ersten Halbzeit nichts zu sehen. Dass das Auftreten von Verantwortlichen und Spielern in Halbzeit zwei gleichermaßen gelobt wurde, stimmt dabei bedenklich. "Meine Mannschaft hat vor allem im zweiten Durchgang alles versucht, um das Spiel zu gewinnen", sagte Schmidt über sein Team, das die beste Chance hatte, weil Roberto Hilbert am Sechzehner angeschossen wurde und der Ball am verdutzten Benfica-Keeper Artur Moraes am Pfosten vorbei hüpfte.

Auch frisches Personal aus der zweiten Reihe vermochte nicht zu helfen. Schmidt rotierte fleißig, brachte fünf neue Spieler - von denen sich vier als Ausfälle entpuppten. Nur Kapitän Simon Rolfes gefiel, im Angriff musste der blasse Robbie Kruse nach 15 Ballaktionen und acht gespielten Pässen schon zur Halbzeit raus. Josip Drmic verlebte ebenso einen Tag zum Vergessen.

In der Hintermannschaft fehlten Wendell und der zuletzt so überragende Jedvaj an allen Ecken und Enden. Roberto Hilbert hatte mit dem flinken Ola John zu kämpfen, sein Pendant auf links, Sebastian Boenisch, kam nach 90 Minuten auf eine indiskutable Passquote von 47,8 Prozent und nahm im Spiel nach vorne quasi nicht teil.

Schade nimmt's mit Humor

Am Ende der Gruppenphase steht jetzt also das Minimalziel Achtelfinale, dass sich nach dem Verlauf der Ereignisse aber alles andere wie ein Triumph anfühlt. Wenn kommende Woche in Nyon die Achtelfinals ausgelost werden (Mo., 12 Uhr im LIVE-TICKER), lauert mit Atletico, Real, Chelsea, Porto und vermutlich Paris und dem FC Barcelona die geballte Fußball-Elite Europas auf die Werkself.

"Jetzt erwartet uns wenigstens ein attraktiver Gegner", nahm Bayer-Geschäftsführer Michael Schade das höchst vermeidbare Szenario mit Galgenhumor. Zumal - und das passte zu diesem verkorksten Abend in Lissabon - mit Ömer Toprak ein Teil der Stamm-Verteidigung fehlen wird. Der Deutsch-Türke hatte sich für ein taktisches Foul im Niemandsland in der Nachspielzeit die Ampelkarte abgeholt.

Die Aufgabe ist für Bayer also um ein vielfaches gewachsen. "Unser Anspruch ist ein hoher", sagte Schmidt, der sich die Situation mit seiner Mannschaft selbst eingebrockt hat und liefern muss. Denn die Gefahr ist groß, bald mit wirklich leeren Händen dazustehen.

Benfica Lissabon - Bayer Leverkusen: Die Statistik zum Spiel

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