Monaco und der Oligarch

Kranker Bär

Von SPOX
Dienstag, 09.12.2014 | 11:51 Uhr
Dimitrij Rybolowlew und Prince Albert haben große Pläne
© getty
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Mit dem Einstieg des Milliardärs Dimitrij Rybolowlew wollte der AS Monaco den Etablierten in Europa das Fürchten lehren. Jetzt steht der Klub vor den Trümmern seiner Existenz. Oder ist beim Champions-League-Gegner von Bayer Leverkusenam Ende alles gar nicht so schlimm?

Der Messias kam in roten Sneakers, es sollte wohl ein Symbol sein. Wo sonst hätte Dimitrij Jewgenjewitsch Rybolowlew eine der schönsten Cinderella-Stories des europäischen Fußballs sollen wahr werden lassen, als in der Heimat der Schönen und Reichen?

Als Rybolowlew vor drei Jahren die letzte Gesprächsrunde zur Übernahme des AS Monaco führte, unterstrich er seine spektakulären Ambitionen mit der Wahl seiner Schuhe. So besagt es zumindest die Legende. Im Fürstentum wurde der Mann aus dem Ural mit offenen Armen empfangen, auch wenn es schon damals die üblichen Vorbehalte gab.

Aber dem AS Monaco ging es schlecht. Und der Ligue 1 drohte nach dem Einstieg der Katarer bei Paris St.-Germain eine Periode der Langeweile. Also waren doch einige froh, als sich der Russe und Prinz Albert II samt der Vereinsführung des ASM einigen und auf einen Einstieg Rybolowlews beim damaligen Zweitligisten verständigen konnten.

Milliarden dank Düngemittel

Laut "Forbes"-Magazin gehört Dimitrij Rybolowlew mit einem geschätzten Vermögen von rund acht Milliarden Euro zu den 150 reichsten Personen der Welt. Begonnen hat der unheimliche Aufstieg des Arztes aus Perm mit einer Ladung Bier, die er von Moskau aus in seine Heimstadt transportieren ließ.

Das große Geld verdiente er sich mit der Gewinnung von Sylvin. Aus Kaliumchlorid lassen sich Geschmacksverstärker oder Schmerzmittel herstellen, den größten Reibach erzielte Rybolowlew aber mit der Produktion von Düngemitteln.

Mit der "Monaco Sport Invest" übernahm er 67 Prozent des AS Monaco, gezahlt hat er dafür den symbolischen Preis von einem Euro. Danach hat er angefangen, im ganz großen Stil zu investieren. 250 Millionen Euro in die Mannschaft, rund 100 Millionen in die Infrastruktur, die Administration, ins Marketing und den Vertrieb und natürlich die handelnden Personen.

Der Russe war als potenter Bär angekündigt worden und er hielt sein Versprechen. "Rybolowlew hatte in der Tat einen nachhaltigen Aufbau des Klubs im Sinn. Er wollte ASM restrukturieren und langfristig zu einem rentablen Unternehmen aufbauen", erinnert sich Jean-Marc Goiran, Chef der Berateragentur Jess Group. Goiran war damals in den Verhandlungen zwischen Rybolowlew und Prinz Albert eine Art Zwischenhändler.

Kompromiss mit den französischen Klubs

Zwei Jahre lang lief alles nahezu perfekt, Monaco schaffte den Wiederaufstieg und wurde dank der Investitionen auf Anhieb Vizemeister der Ligue 1. Die hatte auf einen Schlag den gewünschten Kontrahenten für PSG.

Im Steuerparadies lässt sich vortrefflich Geld verdienen, das hatten Dutzende Spieler schnell begriffen. Teile der Liga waren weniger generös, allen voran Olympique Lyons Präsident Jean-Michel Aulas. Der organisierte den Widerstand, dem sich insgesamt sieben Klubs anschlossen und der sich für eine Vergleichszahlung der Monegassen an den Rest der Liga stark machte.

Die Diskrepanz zwischen dem sehr speziellen Steuersatz in Monaco und den mittlerweile 75 Prozent, die Großverdiener - und damit ein beträchtlicher Teil der Fußballprofis - in Frankreich bezahlen müssen, führte letztlich zu einer einmaligen Zahlung von 50 Millionen Euro von Rybolowlew an die Liga. Dem Oligarchen hat das gestunken, aber er hat es geschluckt.

"Hier ist es nett, aber zu klein"

Dessen rechte Hand Wadim Wasilyews umreißt die dringlicheren Probleme. Wasilyews ist als Vizepräsident der Mann für das operative Geschäft. Mit dem Einzig in die Champions League rückte Monaco auch verstärkt ins Visier der UEFA und deren Financial Fairplay-Regelung.

Die hohen Strafen gegen Manchester City und PSG, die Monaco mit ihrem Unternehmensmodell sehr ähneln, machten die Russen bei den Monegassen vorsichtig. "Wir wussten natürlich um die Regeln des Financial Fairplay. Aber vor diesem Sommer wurden schließlich keine Vereine wirklich bestraft, die dagegen verstoßen hatten", gibt Wasilyews zu.

Der europäische Verband orientiert sich am tatsächlich erwirtschafteten Cashflow der einzelnen Klubs - und da hinkt Monaco der Konkurrenz Lichtjahre hinterher. Im zweikleinsten (Stadt-)Staat der Welt sind die Potenziale begrenzt. Das Stade Louis II bietet lediglich 18.500 Fans Platz und ist trotzdem kaum einmal ausverkauft. Die Wirtschaft zieht nicht richtig mit, was bleibt, sind die großen Sponsoren von außerhalb.

Die haben sich auf ein Engagement mit dem AS eingelassen, murren seit geraumer Zeit aber unüberhörbar laut. Sportartikel-Gigant "Nike", die Zeitarbeitsfirma "Triangle" oder Brillen-Papst Alain Afflelou erwarten viel und bekommen immer weniger. "Wir haben nicht dieselben Bedingungen wie Paris, das wusste jeder", verteidigt sich Wasilyews. "Hier ist es nett, aber zu klein."

Sündhaft teure Scheidung

Große Umsätze sind mit einem Klub wie dem AS Monaco nicht zu machen, also blieben im Rahmen der UEFA-Bestimmungen im Sommer nur die Verkäufe einiger Spieler. Dass die rund 100 Millionen Euro, die durch die Veräußerung von James Rodriguez und Emmanuel Riviere sowie das Leihgeschäft von Radamel Falcao eingenommen wurden, nicht zu großen Teilen wieder in neue Spieler reinvestiert wurden, schreckt die Sponsoren ab. Das neue Stadion-Projekt wurde vom Senat vorläufig abgelehnt.

Willy De Bruyn ist als Mitglied des Vorstands in alle Vorgänge eingeweiht. Ob und wie lange sich Rybolowlew aber noch für seinen Klub begeistern kann, will auch De Bruyn nicht voraussagen. Zumal der Geldgeber derzeit noch ein paar andere Probleme hat, als sein langsam verglühendes Sternchen ASM.

Rybolowlew erholt sich von den Folgen einer Tumoroperation, dazu wurde er im Sommer zur Zahlung von fast vier Milliarden Euro an seine Ex-Frau Jelena verdonnert. Sechs Jahre lang tobte der Scheidungskrieg, seine Frau ließ sogar die gemeinsamen Konten in der Schweiz einfrieren. Rybolowlew ist natürlich in Berufung gegangen, seine Chancen dürften vor dem Gerichtshof in Genf aber ziemlich schlecht stehen. Also versucht er längst, seine Vermögensstruktur zu verändern.

Trendwende in der Vereinspolitik

Eine seiner beiden Töchter sitzt im Verwaltungsrat des AS Monaco, Ekaterina sollen große Teile des Vermögens überschrieben werden. Die Trusts und Briefkastenfirmen, die zu großen Teilen in der Steueroase Zypern angelegt sind, werden nach und nach aufgelöst und in Sachwerte investiert. Die griechische Insel Skorpios soll seit einem Jahr ihr gehören, dazu Häuser und Wohnungen in New York und das ehemalige Domizil von Schauspieler Will Smith auf Hawaii.

Es sind die Begleiterscheinungen der Trendwende, die Rybolowlew seit einigen Monaten beim AS Monaco vorantreibt. Ein dezentes Sparkonzept durchdringt den Klub, nicht wenige sehen darin einen ersten Schritt des Rückzugs vom Klubfußball im Fürstentum.

Wasilyews dementiert die Gerüchte energisch. "Es gibt zwei Wege, diesen Klub zu führen", sagt Wasilyews. "Der eine ist Geld zu investieren, viel Geld, um schnell nach oben zu kommen. Der andere ein Konzept, das auf die Jugend- und Nachwuchsarbeit mit cleverem Scouting setzt. Und dafür haben wir uns entschieden."

Wie lange bleibt der Oligarch noch?

Spekulationen, sein Chef sei vom Fürsten schwer enttäuscht und deshalb nicht mehr willig, das gemeinsame Hobby zu finanzieren, lässt Wasilyews quasi unkommentiert. "Ich bin dafür verantwortlich, den Klub zu führen - und nicht, die privaten Angelegenheiten meines Präsidenten zu diskutieren." Angeblich soll Rybolowlew verärgert sein, dass ihm Prinz Albert nicht schon längst die monegassische Staatsbürgerschaft angeboten habe, zum Dank für all die Mühen und Anstrengungen.

Dass es mit den Russen in Monaco weitergeht, steht für Wasilyews fest. "Der Präsident hat Monaco ausgewählt. Was danach kommt, wer weiß das schon? Ich kann nur für das Heute sprechen und der Wunsch ist, dass es weiter geht. Wir bauen ein intelligentes, langfristiges Projekt auf. Das wird länger dauern, ist nicht so glamourös und wir werden seltener in der Zeitung stehen. Aber wir glauben daran. Hätten wir an unserer ursprünglichen Strategie festgehalten, wäre die ganze Mannschaft in Gefahr geraten."

Das neue Sparkonzept trägt jetzt Trainer Leonardo Jardim mit. Der folgte auf Star-Coach Claudio Ranieri, der im Sommer gehen musste. Der AS Monaco wird auf allen Ebenen wieder ein normaler Ligue-1-Klub. So sieht es derzeit jedenfalls aus.

Magnat Rybolowlew hat zumindest offiziell immer noch größere Pläne. "Wir wollen den Verein weiter in der französischen Spitze etablieren und auch international ein wichtiger Bewerber werden." Der russische Bär kränkelt aber schon länger, seine Zeit im Süden wird wohl in naher Zukunft enden.

Das ist der AS Monaco

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