Mittwoch, 20.02.2008

Champions League

Morddrohung überschattet Chelsea-Spiel

Hamburg - Bernd Schuster machte seinem Ärger mit einer Schiri-Schimpftirade Luft: "Der Referee hat es nicht verdient, mein Landsmann zu sein", sagte der Trainer von Real Madrid nach dem 1:2 beim AS Rom im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League.

Ballack, Champions League, Chelsea
© Getty

Der Kyllburger Herbert Fandel sei ein "Heimschiedsrichter" gewesen. Der Konzert-Pianist reagierte gelassen auf die Misstöne und sagte: "Damit disqualifiziert sich Schuster selbst. Ich reagier da mit Schmunzeln. Das war ein tolles Spiel, das ganz normal und friedlich zuende ging."

Vor dem Spiel habe er Schuster höflich begrüßt, danach sei man sich nicht mehr begegnet. Dem spanischen Rekordmeister droht zum vierten Mal in Folge der K.o. im Achtelfinale.

Aufregung um Grant 

In eine bessere Ausgangsposition brachte sich der FC Chelsea mit einem soliden Michael Ballack durch das 0:0 bei Olympiakos Piräus. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft warnte nach seinem Debüt in dieser Champions-League-Saison jedoch vor Übermut: "Es ist immer besser, wenn man auswärts trifft, im Moment ist die Begegnung noch gefährlich ausgeglichen."

Überschattet wurde die Partie von angeblichen Morddrohungen gegen Chelseas israelischen Coach Avram Grant. Nach Polizeiangaben traf auf dem Trainingsgelände der Blues ein Paket für Grant ein mit vermeintlich tödlichem Pulver, das sich nach Untersuchungen allerdings als harmlos herausstellte.

Spanische Presse tröstet Real  

Im Gegensatz zu Real und Chelsea präsentierte sich der FC Liverpool von seiner Schokoladenseite. Nach dem Rumpelanfall im Pokal und dem peinlichen Aus gegen den Zweitligisten FC Barnsley bezwang der Champions League-Sieger von 2005 den italienischen Meister Inter Mailand nach späten Toren von Dirk Kuyt (85.) und Steven Gerrard (90.) mit 2:0. Durch den Erfolg entspannte sich auch die Situation für den in Kritik geratenen Liverpool-Coach Rafael Benitez.

Von Entspannung konnte bei Schuster unterdessen nicht die Rede sein "Er war bei den Fouls einseitig und zeigte unseren Fußballern Gelbe Karten für Vergehen, die er auf der Gegenseite durchgehen ließ", zog Schuster über den Schiri her, "Fandel pfiff ziemlich schlecht. Aber das tut er auch in der Bundesliga."

Der Beschimpfte, der Deutschland bei der EM als Referee vertreten wird, blieb cool: "Jedes Wort, was man dazu sagen würde, wäre völlig unangebracht."

Spaniens Presse hatte tröstliche Worte für die Königlichen. "Keine Angst! Solange Ihr so spielt wie in Rom, werdet Ihr weiterkommen. Das Schuster-Team bewies, dass es deutlich besser ist als AS Rom, aber es nutzte seine Chancen nicht", schrieb "Marca".

Chelseas Glücksspiel 

"El Pais" orakelte: "Real dominierte die Partie, zog daraus aber keinen Nutzen. Im Rückspiel werden die Madrilenen die Mystik ihres Stadions auf ihrer Seite haben, die Römer das Ergebnis des Hinspiels."

Chelsea erreichte hingegen trotz "Grants Lotto", wie "Guardian" oder die "Daily Mail" das Vorgehen des Trainers nannten, durch das Unentschieden wenigstens das Minimalziel. Lob hagelte es in der Presse für die magere Nullnummer nicht.

Die "Times" meinte: "Chelseas Coach kam mit seinem Glücksspiel durch, John Terry und Frank Lampard auf der Bank zu lassen. Es hätte auch leicht anders laufen können." Ballack sagte mit Blick auf das Rückspiel: "Ich rechne mit weiteren sehr schweren 90 Minuten, aber wir sind zu Hause sehr stark und werden mehr Risiken eingehen."


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