Donnerstag, 22.05.2008

Ronaldo: Zeichen stehen auf Abschied

Was will er noch gewinnen?

München - Anelka verschießt, van der Sar hält. In Bruchteilen von Sekunden löst sich die Anspannung. Ein wildgewordener ManUnited-Mob rast in Richtung Strafraum zu Edwin van der Sar. Nur Cristiano Ronaldo nicht.

© Getty

Der Portugiese hält zwei, drei Meter mit seinen Kollegen mit, sinkt plötzlich in sich zusammen und fällt hinterrücks auf den nassen Rasen im Moskauer Luschniki-Stadion. Er dreht sich auf den Bauch, vergräbt das Gesicht in seine Arme. Der Druck weicht den Tränen. Er will diesen Triumph ganz alleine erleben.

Vom Held, zum Depp, zum großen Triumphator. So in etwa kann man das Finale aus Sicht von Cristiano Ronaldo beschreiben. "Das ist der glücklichste Tag in meinen Leben", versucht er später seine Gefühle in Worte zu fassen.

Die Highlights des Finals bei SPOX.TV

Mit gerade mal 23 Jahren hat Ronaldo den europäischen Gipfel erklommen. Nach dem 7:6 (1:1, 1:1) gegen den FC Chelsea ist er erstmals in seiner Karriere Champions-League- Sieger. Doch was kommt jetzt?

"Ich verspreche gar nichts"

Wie üblich stand die Nummer 7 im Mittelpunkt des Geschehens - positiv wie negativ. Mit einem lehrbuchmäßigen Kopfball hatte Ronaldo die Red Devils mit 1:0 (27.) in Führung gebracht - sein 42. Saisontreffer.

Zwei Stunden später verschoss er als einziger Manchester-Spieler seinen Elfmeter. "Ich dachte, dass in diesem Moment alles vorbei war und wir verlieren", sagte Ronaldo hinterher. Doch dann kam John Terry, traf nur den Pfosten. Der Rest war van der Sar überlassen.

"Football, bloody hell" - Die Pressestimmen zum Finale

Nach seinem Heulkrampf im Mittelkreis feierte Ronaldo ausgelassen mit seinen Mitspielern. Euphorisiert meinte er noch am Abend vorschnell: "Ich bleibe und werde Manchester nicht verlassen."

Am Donnerstagmorgen revidierte er diese Aussage jedoch. "Ich verspreche gar nichts, nicht meiner Mutter und auch den Fans nicht. Ich möchte hier bleiben, aber wir werden sehen, was in den nächsten zwei Wochen passiert. Es stimmt nicht, dass ich eine Entscheidung getroffen habe", so Ronaldo.

Calderon: Es gibt keine Sklaverei mehr

Trotz eines Vertrages bis 2012 schürt das fehlende Bekenntnis zu den Red Devils neue Spekulation und lässt vor allem Real Madrid aufhorchen. "Ich habe immer gesagt, wenn Manchester ihn verkaufen will, werden wir anfragen", erklärte Reals Präsident Ramon Calderon bei "Punto Radio".

"Wenn ein Spieler gehen will, kann ihn nichts aufhalten. Die Sklaverei ist schon vor langer Zeit abgeschafft worden."

Hier die besten Bilder vom Finale in Moskau!

Glaubt man der Real-Hauspostille "Marca", soll Ronaldo selbst bereits von einem Wechsel nach Madrid überzeugt sein. "Ja, ich will", hatte ihn das Blatt vor dem Finale zitiert. 

Am Abend folgte postwendend das Dementi von Manchester. "Ronaldo bleibt ohne Zweifel bei uns. Er ist hier sehr glücklich, hat Vertrag und kein Interesse daran zu gehen", sagte Co-Trainer Carlos Queiroz.

Auch Sportdirektor David Gill hatte bereits vor einigen Tagen zur spanischen Zeitung "Sport" gesagt: "Cristiano bleibt hier. Er wird nirgendwo hingehen. Es gibt überhaupt keinen Grund, ihn zu verkaufen."

Real lockt mit Rekord-Gehalt

Aus Ronaldos Sicht könnte man das auch anders sehen. Aus einem ganz einfachen Grund: Außer dem Weltpokal gibt es für ihn mit Manchester nichts mehr zu holen.

Champions League: gewonnen. Meisterschaft: zwei Mal gewonnen. FA-Cup: gewonnen. Liga-Pokal: gewonnen. Was bleibt da noch?

Als designierter Weltfußballer kann sich der 23-Jährige seine Zukunft aussuchen. Real Madrid ist jedenfalls bereits, jede Summe für den Portugiesen auf den Tisch zu legen.

"Wir werden bezahlen, was immer sie verlangen", sagte Calderon. Sollte Manchester letztendlich doch einlenken, muss Calderon wohl zwischen 60 und 100 Millionen Euro nach England überweisen.

Um Ronaldo zu überzeugen lockt Real angeblich mit einem Wochengehalt von 250.000 Euro - macht schlanke 13 Millionen pro Jahr. Mit diesem fürstlichen Lohn würde Ronaldo zum bestbezahlten Fußballer der Welt aufsteigen.

Man kann es drehen wie man will: Die Zeichen deuten auf einen Abschied aus England hin. Doch wie sagte Ronaldo am Donnerstag? Mal sehen, was in nächsten zwei Wochen passiert...

Daniel Paczulla

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