Fussball

Trügerische Zufriedenheit

Von Daniel Paczulla
© Getty

München - Es hätte ein großer Schritt für Schalke in einem historischen Spiel werden können. Doch am Ende wurde daraus nur ein kleiner im ersten Champions-League-Achtelfinalspiel der Vereinsgeschichte.

Die Königsblauen haben mit dem 1:0-Hinspielsieg - dem 50. Erfolg im 100. Europacupspiel - keine schlechte Ausgangslage für das Rückspiel in Portugal. Dennoch hätte sie besser sein können, ja vielleicht müssen.

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Obwohl Trainer Mirko Slomka von einem Wunschresultat sprach, merkte man den Spielern nach dem Schlusspfiff an, dass sie zwar zufrieden waren - aber nicht glücklich. "Wir freuen uns über den Sieg, aber wir müssen über das Spiel reden", meinte Jermaine Jones.

Sein Teamkollege Kevin Kuranyi brachte es auf den Punkt: "Das 1:0 ist okay. Aber mit einem 2:0 wäre es in Porto einfacher geworden."

Porto beeindruckt

Ein 2:0 oder sogar 3:0 war durchaus im Bereich des Möglichen. Bereits nach vier Minuten brachte Kuranyi sein Team in Führung. Die Portugiesen waren angeknockt.

Nach vorne brachte Porto kaum etwas zustande, hinten wirkten sie unsortiert. "Wir hatten am Anfang Schwierigkeiten", bestätigte Mittelfeldspieler Lucho Gonzalez und führte es auf die Atmosphäre im Stadion zurück: "Die Lautstärke hat uns beeindruckt."

Fehlender Killerinstinkt

Zudem machte sich der Ausfall von Rechtsverteidiger Jose Bosingwa (muskuläre Probleme) bemerkbar. Sein Vertreter Joao Paulo war der Unsicherheitsfaktor bei den Gästen. Doch die Schalker konnten daraus kein weiteres Kapital schlagen.

"Wir hätten in der ersten Halbzeit das 2:0 machen müssen", meinte Heiko Westermann.

Die Möglichkeiten dazu waren da. Leider aber auch die fast schon latent schlechte Chancenauswertung. Ivan Rakitic (18.), Kuranyi (35.) und Gerald Asamoah (45.) scheiterten an Keeper Helton.

Neben dem fehlenden Killerinstinkt, wie ihn zum Beispiel Liverpool gegen Inter zeigte und dem 1:0 noch den zweiten Treffer nachlegte, kam die Angst vor der eigenen Courage.

Dicke Chance für Lisandro

Denn nach der Pause haben die Schalker in der Offensive ihre Linie verloren. "Porto wurde stärker und hat uns sehr weit zurückgedrängt. Da galt, erst mal die Null zu halten. Und ich bin froh, dass wir das geschafft haben", erklärte Slomka.

Die vorsichtige Spielweise hätte sich fast gerächt, hätte Lisandro Lopez seine hundertprozentige Chance (80.) genutzt. "Wir hätten ruhiger spielen müssen und nicht so hektisch", kritisierte Jones.

Lehren aus der Wolfsburg-Pleite

Für Slomka war dafür auch die 1:2-Heimpleite gegen Wolfsburg entscheidend, als Schalke nach der Führung ins Verderben gerannt ist. "Die Spieler waren auf Sicherheit bedacht und sind nicht mehr energisch nachgerückt", stellte der 40-Jährige fest.

Doch im Gegensatz zur Partie am Freitag lieferte die Defensive bis auf die Chance von Lopez eine konzentrierte Leistung ab. "Wir wussten, wenn wir sie attackieren und hart spielen, verlieren sie die Lust", sagte Jones, der mit Fabian Ernst im Mittelfeld die Löcher stopfte und unzählige Ballgewinne verbuchte.

Gonzalez versuchte vergeblich, Struktur ins Spiel zu bringen. Was auch daran lag, dass der Argentinier keine geeignete Anspielstation im Angriff fand. Schalkes Abwehrreihe meldete den Drei-Mann-Sturm fast komplett ab. Vom hochgelobten Ricardo Quaresma war so gut wie gar nichts zu sehen.

Strategie, Geduld und Köpfchen

Obwohl Portos Trainer Jesualdo Ferreira mit der Vorstellung seiner Elf nicht einverstanden war, geht er optimistisch ins Rückspiel. "Das 0:1 ist kein schlechtes Ergebnis. Wir können zuversichtlich sein", meinte er.

Genauso sah es Gonzalez: "Wir werden auf jeden Fall stärker spielen und zeigen, wie stark wir zu Hause sind."

Dass die Portugiesen noch einmal so eine Vorstellung abliefern werden, ist unwahrscheinlich. Deshalb ist der knappe Vorsprung für Schalke umso gefährlicher. Der Plan für das Rückspiel im Estadio do Dragao aber steht bereits.

"Mit einer guten Strategie, mit Geduld und Köpfchen haben wir eine riesen Chance", sagte Kapitän Marcelo Bordon. Sie hätten es aber auch leichter haben können.

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