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Fussball

96. Minute! Bayern erduselt sich Punkt in Berlin

Samstag, 18.02.2017 | 17:32 Uhr
Vedad Ibisevic machte ein bärenstarkes Spiel

Der FC Bayern München hat am 21. Spieltag die zweite Saisonniederlage in der 96. Minute abgewendet. Bei Hertha BSC spielte der deutsche Rekordmeister dank eines Tores von Robert Lewandowski 1:1 (0:1).

Vor 74.667 Zuschauern im Olympiastadion erzielte Vedad Ibisevic die Führung für die Hausherren (21.). Der Kapitän traf damit nach 656 torlosen Bundesligaminuten. Für Pal Dardai war es das erste Tor seiner Mannschaft gegen die Münchner, seitdem er Hertha-Cheftrainer ist. Damit geriet Bayern zum sechsten Mal in dieser Saison in Rückstand - bereits so häufig wie in der kompletten Vorsaison.

In der 96. Minute erzielte der eingewechselte Robert Lewandowski doch noch den Ausgleichstreffer für die Bayern. Der Treffer des Polen nach 95:59 Minuten war das späteste Bundesligator seit Beginn der detaillierten Datenerfassung.

Die Hertha verpasste den ersten Sieg seit 2009 gegen den FC Bayern. Immerhin holten die Berliner erstmals nach elf Liganiederlagen in Serie wieder einen Punkt gegen den Rekordmeister.

Der FC Bayern verlor keines der letzten 19 Bundesligaspiele nach einem Auftritt in der Königsklasse (15 Siege, vier Remis). 36 Prozent ihrer Pflichtspieltreffer im Jahr 2017 erzielte die Ancelotti-Truppe ab der 88. Minute (fünf von 14).

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Die Reaktionen:

Pal Dardai: "Die Mannschaft hat überragend gespielt. Wir haben genug Möglichkeiten gehabt, das zweite Tor zu machen. Leider gab es sehr viel Nachspielzeit. Ich glaube, das ist Bayern-Bonus. Sorry, da kann jeder beleidigt sein, aber nach fünf Minuten muss das Spiel beendet sein. Das ist kein Pokalspiel, wir spielen keine 120 Minuten."

Carlo Ancelotti: "Wir sind glücklich, denn es war schwierig. Hertha hat eine gute erste Halbzeit gespielt, mit viel Einsatz. Die zweite Halbzeit war anders, wir haben mehr Druck gemacht. Robert Lewandowski ist ein fantastischer Spieler und sehr wichtig für uns."

Sebastian Langkamp: "Ich glaube, dass wir heute das Spiel unseres Lebens gemacht haben und die Bayern am Rande einer Niederlage hatten. Aber es ist wohl ein ungeschriebenes Gesetz, dass man gegen die nicht gewinnen kann."

Thomas Müller: "Ich weiß nicht, ob es der Wahnsinn ist. Wir wollten unbedingt - das hat man das ganze Spiel über gesehen. Wir geraten durch einen Standard in Rückstand. Dann hat Hertha das gemacht, was sie immer machen - verteidigen und Zeit schinden. Das 1:1 fühlt sich jetzt vielleicht gut an, aber eigentlich wollten wir hier gewinnen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Dardai verändert seine Startelf nach der 0:2-Niederlage auf Schalke zweimal: Skjelbred und Darida beginnen anstelle von Lustenberger und Stocker.

Ancelotti nimmt im Vergleich zur 5:1-Gala gegen Arsenal drei Änderungen vor: Martinez, Alonso und Lewandowski sitzen zunächst auf der Bank, dafür rücken Bernat, Kimmich und Müller in die Startformation.

21., 1:0, Ibisevic: Plattenhardt fällt auf dem linken Flügel nach einem leichten Kontakt im Zweikampf gegen Vidal. Die Bayern reklamieren Schwalbe, Schiedsrichter Ittrich entscheidet jedoch auf Freistoß. Diesen tritt Plattenhardt ans kurze Fünfereck. Dort reagiert Ibisevic am schnellsten und schießt per Direktabnahme ins kurze Eck.

43.: Costa setzt sich auf dem linken Flügel erst gegen Pekarik durch, lässt auch noch Haraguchi stehen und zieht mit Tempo zur Grundlinie. Müller verpasst die scharfe Hereingabe des Brasilianers, Plattenhardt klärt in die Hände von Jarstein.

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50.: Darida bedient Plattenhardt an der linken Außenlinie. Der Linksverteidiger legt sich den Ball zurecht und flankt scharf ans kurze Fünfereck. Erneut ist Ibisevic einen Schritt schneller als sein Bewacher, diesmal trifft er jedoch das Außennetz.

89.: Alaba zirkelt einen Freistoß aus 20 Metern halbrechter Position über die Mauer. Jarstein fliegt ins Eck und faustet das Leder zur Seite weg.

90.+6, 1:1, Lewandowski: Unglaublich! Das darf aus Berliner Sicht nicht wahr sein. In der 95. Minute bekommen die Bayern einen Freistoß an der linken Strafraumgrenze. Thiago hat viel Übersicht und legt zurück in den Sechzehner, wo Robben direkt abzieht. Der Schuss wird abgeblockt und landet vor den Füßen von Lewandowski, der aus der Drehung abzieht und ins rechte Eck trifft.

Fazit: Die Hertha begann forsch, ging nicht unverdient in Führung und verteidigte das 1:0 in der zweiten Halbzeit mit hohem Engagement. Die 96. Minute rettete Bayern dann jedoch den Punkt.

Der Star des Spiels: Per Skjelbred. Zeigte eine bärenstarke Leistung im Mittelfeldzentrum. Machte den Bayern mit seiner engagierten Zweikampfführung das Leben schwer. Lief starke 12,4 Kilometer, hatte bei der Hertha die meisten Ballaktionen (53) und gewann 58 Prozent seiner Duelle.

Der Flop des Spiels: Thomas Müller. In der Mittelstürmer-Position ohne Durchschlagskraft. Gab nur einen Torschuss ab, hatte keine wirkliche Chance. Dazu von allen Startelfspielern der Bayern mit den deutlich wenigsten Ballaktionen und nur 26 Prozent gewonnenen Zweikämpfen.

Der Schiedsrichter: Patrick Ittrich. Seine Entscheidung auf Foul beim Freistoß vor dem 1:0 fachte Diskussionen an. Da ein leichter Kontakt bestand, ist der Pfiff jedoch vertretbar. Darüber hinaus tat er gut daran, viel laufen zu lassen. Zumindest meistens: In der 68. Minute ahndete er ein Foul von Plattenhardt gegen Robben an der Strafraumkante nicht. Stand am Ende noch unter Beschuss der Berliner, da er nicht nach den angezeigten fünf Minuten Nachspielzeit abpfiff. Der Freistoßpfiff erfolgte nach knapp fünf Minuten Extrazeit, allerdings hatten zuvor zahlreiche Hertha-Spieler mit Krämpfen an der Uhr gedreht. Entsprechend bitter aus Sicht der Hertha, doch vertretbar.

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Das fiel auf:

  • In den ersten Minuten zeigte die Hertha, dass sie sich etwas vorgenommen hatte. Durch die Umstellung auf ein 4-1-4-1-System zielten die Hausherren darauf ab, das Zentrum mit Skjelbred, Stark und Darida dicht zu bekommen. Diese Rechnung ging in der Anfangsphase auf. Über die weit aufrückenden Außenverteidiger - vor allem Pekarik auf rechts - kamen die Berliner zu Abschlüssen. Kurios: Nach fünf Minuten hatte Hertha 70 Prozent Ballbesitz.
  • Die Bayern hingegen zeigten ihre Bundesliga-Form und wirkten pomadig. Bei den eigenen Angriffsbemühungen fehlte es an Tempo und Explosivität. Kimmich ersetzte im 4-2-3-1 Alonso als Organisator im Mittelfeld. In dieser Rolle hatte er schnell die meisten Ballaktionen.
  • Im Lauf der ersten Hälfte verschob sich die Ballbesitzstatistik wieder in die erwartbaren Verhältnisse. Die Vorteile der Bayern legten sich allerdings ausschließlich in diesem Wert nieder. Gegen die kompakten Berliner erspielten sich die Gäste keine zählbaren Torchancen. Die Hertha war offensiv lange die gefährlichere Mannschaft. Nach einer guten halben Stunde standen die Hausherren bei 6:3 Torschüssen, die Führung war nicht unverdient.
  • Nicht nur beim Tor stellten die Berliner den Rekordmeister mit Standardsituationen vor große Probleme. In der 39. Minute erzielte Ibisevic nach einer Ecke ein Tor aus deutlicher Abseitsposition. Zwar zählte der Treffer zu Recht nicht, doch erneut wirkte die Zuordnung bei den Roten ausbaufähig.
  • Nach einer Stunde brachte Ancelotti Lewandowski und Alonso, um noch einmal einen Akzent zu setzen. Diese Maßnahmen zahlten sich jedoch nicht aus. Bis zum Schluss erspielten sich die Bayern keine wirkliche Torchance, einzig bei Alabas Freistoß wurde es richtig gefährlich - und eben in der Nachspielzeit.

Hertha - Bayern: Die Statistik zum Spiel

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