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Der Dino lebt

Samstag, 25.04.2015 | 22:29 Uhr
Dem HSV gelang nach fünf Niederlagen wieder ein Dreier
© getty
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Der Hamburger SV fährt drei unheimlich wichtige Punkte gegen den FC Augsburg ein. Der 3:2-Sieg gibt Selbstvertrauen und Hoffnung, muss aber doch erst bestätigt werden.

Es gibt Endspiele, die werden mit Musik eingeleitet. Mit Fanfaren, einer Hymne, einer Choreographie. Und es gibt Endspiele, die mit nicht viel mehr beginnen als 22 Männern, die nebeneinander in ein Stadion einlaufen. Sechs Endspiele dieser Art hatte Bruno Labbadia bei seinem Antritt ausgerufen.

"Wir sind jetzt im Pokalmodus", hatte er angekündigt. Jeder kleine Ausrutscher bedeutet das Aus, darum geht es im Pokal. Tatsächlich hat Labbadia aber die erste Schlacht bereits verloren, mit 0:1 im Derby gegen den SV Werder Bremen. Nach dem Spiel gegen Augsburg ist die Bilanz wieder ausgeglichen.

Ein Sieg, eine Niederlage. 3:3 Tore. 3:3 Tore! Die Hanseaten haben gegen den FCA nicht nur phasenweise ihre Spielfreude entdeckt, sondern endlich auch wieder das Tor gefunden. Angetrieben von den treuen Fans im Rücken gelang der erste Heimsieg seit dem 7. Februar (2:1 gegen Hannover 96).

Brustlöser Olic

In den letzten sechs Ligaspielen blieb der HSV ohne Torerfolg, stellte damit einen Vereinsnegativrekord auf, und auch am 30. Spieltag schien es nicht mit normalen Mitteln zu funktionieren. Die Führung durch Ivica Olic, der sein erstes Tor seit seiner Rückkehr erzielte, war mehr ins Tor gewürgt als herausgespielt.

Heiko Westermann auf Zoltan Stieber, der eigentlich den Abschluss sucht, aber seinen Mitspieler trifft. Egal. Führung HSV. Wenig später eine Flanke von links, Kopfball Pierre-Michel Lasogga. Zwei Tore. Als "Brustlöser" betitelte Labbadia den Doppelschlag später. Tatsächlich konnte man regelrecht sehen, wie sich Körperhaltung und Selbstbewusstsein der Hamburger sofort veränderten.

Dabei hatte es der Neu-Trainer schon vor dem Anpfiff vermocht, neues Vertrauen aufzubauen. Hatte Vorgänger Peter Knäbel seine Spieler noch öffentlich angezählt, macht sein Nachfolger deutlich, was im Abstiegskampf entscheidend sein kann - ein Team zu sein.

Neues Vertrauen gibt Stärke

"Bei sechs Spielen musst du klare Entscheidungen treffen", so Labbadia über den Doppeltorschützen Lasogga. Die klare Entscheidung zu Gunsten des Mittelstürmers hat diesem sichtlich gut getan. Den Treffer zum 3:2 macht nur ein Stürmer mit breiter Brust und der Rückendeckung durch Mannschaft sowie Trainer.

Ein goldenes Händchen könnte man meinen, hat der Coach in diesem Fall gehabt. Sein Plan scheint zumindest aufzugehen.

"Ich sehe, dass ein Lasogga am Stück trainieren konnte, in Bremen gute Ansätze zeigte und sich im Training gut bewegt. Stieber hatte ebenfalls zwei gute Gelegenheiten und mit etwas Glück geht ein Ball rein. Und auch ein Olic wird mit seiner Erfahrung immer mal wieder zu Möglichkeiten kommen", hatte er noch vor dem Spiel prophezeit.

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Tatsächlich scheint das zu funktionieren, was Labbadia vorhat. Die drei erwähnten Spieler besorgten einen wichtigen Sieg, der dem HSV in den nächsten Tagen ebenso wichtige Ruhe verschafft. "Wir hatten immer eine Antwort. Der Trainer hat uns hervorragend eingestellt", sagte Westermann.

Ein gutes Gefühl

Nun gilt es für den Trainer aber, aus seinem goldenen Händchen - sehr bildlich gesprochen - einen grünen Daumen zu machen. Denn ein Sieg wird den Hamburger SV nicht endgültig aus dem Sumpf ziehen, die Entwicklung über die nächsten Wochen wird entscheidend sein.

Ein Sieg, drei Punkte, ein gutes Gefühl. Das gab es schon lange nicht mehr für die Hanseaten. Bei einem kleinen Strohfeuer darf es aber nicht bleiben - mit dem FCA hat man einen Gegner besiegt, dem zuvor von vier anderen Mannschaften schon ein empfindlicher Treffer verpasst worden war.

"Wir haben uns selbst geschlagen", fluchte Paul Verhaegh nach dem Spiel und fand in Trainer Markus Weinzierl schnell Unterstützung: "Das war eine völlig unnötige Niederlage für uns. Wir kriegen zwei frühe Gegentore, die wir so nie bekommen dürfen. Das ist sehr, sehr ärgerlich und bitter."

Nachhaltigkeit entscheidet

Ein bisschen Glück gehört aber dazu zum Fußball und davon hatte der HSV in dieser Saison bekanntlich noch nicht viel. Allerdings muss bei aller erzeugten Aufbruchstimmung doch beachtet werden, dass sich die Mannschaft im Moment ein kurzes Hoch erarbeitet hat, das gefestigt werden muss.

Genug Beweisführung dürften die Minuten nach Augsburgs Anschlusstreffer liefern. Der Treffer von Raul Bobadilla legte das alte Hamburg kurz offen, das mit zittrigen Beinen und dramatischer Abstiegsangst. Die Passivität hielt kurz wieder Einzug, wurde aber nicht bestraft.

Es war an Labbadia, nach dem Spiel zu attestieren: "Unter dem Druck, der heute da war, hat die Mannschaft das sehr gut gemacht."

Der Druck ist jetzt ein wenig gefallen, bleibt aber weiter extrem hoch. Die stetig tickende Uhr auf der Tribüne hängt weiter wie eine dunkle Wolke über dem Verein - auch wenn ein paar Sonnenstrahlen durchbrechen konnten.

Der Hamburger SV im Überblick

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