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Die Chance verwandelt

Samstag, 07.02.2015 | 23:29 Uhr
Jürgen Klopp und der BVB haben den ersten Dreier der Rückrunde eingefahren
© getty
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Borussia Dortmund hat gegen den SC Freiburg im dritten Anlauf der Rückrunde den ersten, so wichtigen Sieg eingefahren. Die positive Stimmung tut gut, darf aber den nüchternen Blick auf das Spiel nicht verschleiern.

Ein kurzes Lächeln huschte Jürgen Klopp über das Gesicht, als er das Stadion in Freiburg betrat. Für wenige Sekunden strahlte er wieder diese positive Energie und Begeisterung für das Spiel seiner Mannschaft aus, die den BVB vor einigen Jahren an die Tabellenspitze der Bundesliga geführt hatte.

Ein kurzer Moment, der ebenso schnell wieder verging, wie er begonnen hatte. Die Mütze ins Gesicht gezogen, klemmte er auch noch seinen Schal am Kinn fest. Die Hände tief in die Jackentaschen geschoben, wurde Klopp wieder zu dem Klopp, den er zuletzt auf zahlreichen Pressekonferenzen gegeben hatte.

Verbissen, nachdenklich, mit harter Ausstrahlung und Tunnelblick. Kämpfen, kämpfen, kämpfen, waren die Parolen. Den Abstiegskampf annehmen, sich verabschieden vom schönen, federleichten Fußball - Klopp reduzierte die Tabellensituation auf die Einstellung und den Kampfgeist des Teams.

BVB sammelt Sicherheit

Dieser fehlte gegen Freiburg beileibe nicht. Gleich vom ersten Ballkontakt an wurden die Gastgeber intensiv unter Druck gesetzt. Der BVB entfaltet in diesen Situationen sein volles Potenzial, das Angriffspressing funktioniert wie eh und je. Im Bogen werden die Verteidiger angelaufen, das Spiel absichtlich in die Mitte gelenkt, um dort Überzahl herzustellen und einen Angriff mit wenig Distanz zum Tor zu starten.

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Im Winter wurde daran noch weiter gefeilt und gearbeitet. Mechanismen sind unersetzlich in diesem risikoreichen Spiel, werden sie trainiert und immer wieder einstudiert, gibt das Sicherheit. Sicherheit, die die Spieler gut gebrauchen konnten. Jeder Pressingauslöser wirkte in Freiburg auf den BVB wie ein Startschuss.

Explosiv und in höchstem Tempo wurde angelaufen, die ersten Minuten gegen den SC glichen einem Sturmlauf. Das ist die große Stärke des Systems Klopp: Der ständige Druck ist für den Gegner eine große psychische Herausforderung. Verstärkt wurde dies noch durch den ständigen Beschuss aus der zweiten Reihe. Die Freiburger wurden hektisch, unruhig, sie verloren die Übersicht.

Freiburg spielt in die Karten

Sie fügten sich. Naive Ballverluste wie vor dem Führungstreffer oder der ersten Großchance durch Marco Reus sorgten im Minutentakt für eine höhere Verunsicherung. Druck, Druck, Druck. Den Ball erobern, abschließen, sich zurückziehen und wieder Druck, Druck, Druck. Das ist das Spiel, das der BVB erzwingen will, auch wenn es in den letzten Spielen nur selten klappte.

Freiburg aber liegt dem BVB. Streichs Viererkette im 4-4-2 versucht das Spiel von hinten heraus aufzubauen und auf lange Bälle zu verzichten. Sie versuchen, die Außenverteidiger in den Spielaufbau einzubeziehen und über vertikales Spiel auf dem Flügel in das letzte Drittel zu kommen.

Der BVB wusste dies zu verhindern, baute seine übliche Pressingfalle in der Zentrale auf und eroberte mehrfach in einer 4-2-2-2 Staffelung mit einer bewusst offen gelassenen Mitte die Bälle. Die ständige Aggressivität führte zu gefährlichen Ballverlusten im Sechserraum. Einen Raum, den die Gegner zuvor in dieser Saison konsequent überspielt hatten.

Endlich einmal führen

Von einem "furchtbaren Spiel" seiner Mannschaft sprach Christian Streich im Anschluss. Das Team war mitten in das gezückte, schwarz-gelbe Messer gelaufen. Allen voran Unglücksrabe Mike Frantz. Dessen Aussetzer, wohlgemerkt ein erzwungener Aussetzer, erfüllte eine Wunschvorstellung der Gegner. Endlich einmal in Führung gehen, endlich einmal nicht einem Rückstand hinterherlaufen zu müssen.

Statistiken zu Freiburg - Dortmund

Dann blüht der Klopp-Fußball auf, kann man doch dem Gegner den Ball überlassen, eine ständige Drucksituation schaffen und auf die noch immer überragenden Abläufe im Pressing zurückgreifen. Perfekte Bedingungen also für den ersten Sieg der Rückrunde, die gut, wenn auch nicht perfekt genutzt wurden.

Ein Umstand, der ein wenig auftauen ließ nach dem Spiel. "Ich habe den Jungs gesagt, dass sie sich verdammt nochmal wieder richtig freuen soll", so Klopp. In diesem Moment huschte wieder das Lächeln über sein Gesicht.

Drei Punkte und mehr

Die Stimmung hat sich ein wenig verbessert, der Sieg, besonders in seiner Deutlichkeit, ist erst einmal mehr wert, als die drei Punkte in der Tabelle vermuten lassen. Es ist kein Ende der Talfahrt, keine Rückkehr zu alten Zeiten und schon gar kein Startschuss zu einer Aufholjagd - aber es ist ein Sieg, der etwas Leichtigkeit zurückbringt.

Drei Punkte, die das Training am nächsten Tag leichter machen und die verloren gegangenes Selbstbewusstsein zurückbringen. Und es ist ein Sieg gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten, versehen mit dem Zeichen: Weitermachen!

"Auf dem Weg zur Genesung"

"Vieles geht natürlich noch besser. Aber es war der erste Schritt in die richtige Richtung", stellte Klopp fest und sprach vom "richtigen Schritt auf dem Weg zur Genesung." Interessant werden also die nächsten Partien. Am Freitag wartet Mainz, ebenfalls eine Mannschaft, die gerne selbst aktiv ist, dann kommen der VfB Stuttgart und der Hamburger SV. Zwei Partien, die sich erneut über Arbeit definieren werden.

Dabei kann der Sieg gegen Freiburg helfen. "Wir hatten definitiv ein Kopfproblem", so Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang. Er spricht in der Vergangenheit. So, als ob schon alles durchgestanden wäre. Das ist es noch nicht. Noch lange nicht. Auf den BVB wartet noch eine Menge Arbeit, den ersten Schritt meinte man in dieser Saison schon oft getan zu haben.

Vorerst bleibt festzuhalten, dass man ein gutes Spiel unter günstigen Bedingungen abgeliefert hat. Die Einordnung in das Gesamtbild erfolgt in den nächsten Wochen, alles liegt in der eigenen Hand. Die drei Punkte gegen Freiburg hatte man auch in der Hinrunde geholt - um dann sieben Bundesliga-Spiele in Folge ohne Sieg zu bleiben.

Die Tabelle nach dem 20. Spieltag

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