Bundesliga - 6. Spieltag

"Überzeugend von A bis Z"

Von Daniel Börlein
Sonntag, 18.09.2011 | 22:08 Uhr
Manuel Neuer blieb im achten Pflichtspiel in Folge ohne Gegentor
© Imago
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Manuel Neuer war das große Thema beim Spiel des FC Schalke gegen den FC Bayern. Die starke Leistung des Rekordmeisters rückte dadurch ein wenig in den Hintergrund. Doch das Schalke-Spiel unterstrich: Im Kollektiv sind die Bayern derzeit womöglich so stark wie seit Jahren nicht mehr.

Reaktionen:

Christian Nerlinger (Sportdirektor FC Bayern): "Man muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, das war von A bis Z eine konzentrierte und überzeugende Leistung. In der ersten Halbzeit hatten die Schalker die eine oder andere Situation, wo sie ein Tor hätten erzielen können, in der zweiten Halbzeit haben wir sie total kontrolliert. Es war ein hochverdienter Sieg. Wie sich die gesamte Mannschaft momentan als homogenes Team präsentiert, ist sehr überzeugend."

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Jupp Heynckes (Trainer FC Bayern): "Wir haben wieder ein klasse Spiel gemacht. Das war die beste zweite Halbzeit in dieser Saison. Wir haben einen guten Kader, punktuell können wir den einen oder anderen Spieler ersetzen - das hat man auch heute wieder gesehen. Aber es ist sehr wichtig, dass Mario Gomez und Arjen Robben schnell wieder zurückkommen."

Thomas Müller (FC Bayern): "Ich denke schon, dass das eine Serie ist, die jedem Gegner Respekt einflößt. Wir haben diese Dominanz, auch defensiv, das ist ein schönes Gefühl."

Ralf Rangnick (Trainer FC Schalke): "Wir haben in der ersten Halbzeit versäumt, unsere Chancen zu nutzen. Wir hatten genug Möglichkeiten, um mindestens ein oder zwei Tore zu schießen. Umgekehrt haben wir kaum Chancen für Bayern zugelassen. Wenn es da 1:1 oder 2:1 für uns steht, dürfen sich die Bayern nicht beklagen. In der zweiten Halbzeit war es für uns auch ein bisschen ein Kraftproblem nach dem Spiel vom Donnerstagabend."

Benedikt Höwedes (FC Schalke): "Wir haben unsere Chancen in der ersten Halbzeit nicht genutzt. Dann hat Bayern sehr gut und kompakt verteidigt, alle elf Spieler machen da mit. Nach der Pause hat man gesehen, was für eine Klasse sie haben. Sie haben unheimlich gut den Ball laufen lassen. Ein absolut verdienter Sieg für den FC Bayern."

Ralf Fährmann (FC Schalke): "Bayern München war über das ganze Spiel überlegen. Wir haben uns in der ersten Halbzeit vielleicht ein kleines Chancenplus erarbeitet, konnten das aber nicht nutzen. So hat Bayern, das muss man anerkennen, verdient gewonnen."

Nachbetrachtung:

Natürlich war Manuel Neuer das große Thema dieses Spiels. Vorher und nachher. Von den Ex-Kollegen und Schalkes Verantwortlichen war der Bayern-Keeper bei seiner Ankunft freundlich empfangen worden. Neuer schüttelte viele Hände, führte den einen oder anderen Small-Talk und hatte dabei immer ein Lächeln im Gesicht.

Als er dann den Platz betrat, war Neuers Lächeln weg. Aus Schalkes Nordkurve hallte ihm ein Pfeifkonzert entgegen. Fans, die ihn einst vergöttert hatten, streckten ihm den Mittelfinger hin und hatten Transparente mit unschönen Aufschriften überall im Stadion platziert.

Als "geschmacklos" bezeichnete Bayern-Coach Jupp Heynckes das, was dort zu lesen war. "Ich wusste, was mich erwarten wird. Ich kenne das Publikum und weiß, dass es sehr emotional ist", sagte Neuer. "Klar hört man das nicht gern, aber wenn man darauf eingestellt ist, geht es teilweise auch da rein und da raus."

Doch selbst Schalkes Spieler schienen peinlich berührt ob des Verhaltens eines Teils ihrer Anhänger. "Er hatte hier tolle Jahre und hat Schalke einiges geboten, deshalb hat er das nicht verdient", sagte Benedikt Höwedes. Und Neuer-Nachfolger Ralf Fährmann war sich sicher, dass die Anfeindungen der Fans "sehr, sehr schmerzhaft" für Neuer waren.

Als Trost gab es für Neuer allerdings einen ungefährdeten 2:0-Erfolg in der alten Heimat. Es war Bayerns achter Pflichtspielsieg in Serie - der achte ohne Gegentor. Der Rekordmeister ist derzeit in einer glänzenden Verfassung, im Kollektiv womöglich so stark wie seit Jahren nicht mehr und in der Bundesliga seinen Gegnern derzeit nahezu in allen Belangen überlegen.

748 Pflichtspielminuten ohne Gegentor sind kein Zufall. Das Team wirkt im Spiel gegen den Ball weitaus aktiver als in der Vergangenheit, attackiert den Gegner mit höherem Tempo und gibt ihm kaum Luft zum Verschnaufen. Jeder einzelne arbeitet in der Defensive für den Erfolg der Mannschaft mit. Selbst ein Franck Ribery, der sich in der Vergangenheit in der Rückwärtsbewegung gerne mal ausklinkte.

SPOX-Analyse: Ribery und Schweinsteiger stark, Farfan enttäuschend

In der Offensive ist der Franzose seit einigen Wochen ohnehin der Impulsgeber der Bayern. Ribery strotzt vor Spielfreude, geht immer wieder ins Dribbling und überzeugt mit viel Übersicht. Langsam nähert er sich der Form aus seiner ersten Bayern-Saison.

Und weil neben Ribery offensiv auch Kroos, Müller und Schweinsteiger Akzente setzen, können die Bayern derzeit auch Arjen Robben und Mario Gomez scheinbar mühelos ersetzen. Der verletzte Gomez wurde auf Schalke von Petersen vertreten. Der Neuzugang von Energie Cottbus ließ zwar gute Chancen aus, erzielte aber auch das wichtige 1:0 und zeigte, dass er zur Stelle ist, wenn man ihn braucht.

Schalke musste hingegen erkennen, dass es für ganz oben noch nicht reicht. In Halbzeit eins hielt die Rangnick-Elf noch einigermaßen mit, nach dem Seitenwechsel war man dann allerdings fast chancenlos. "Nach der Pause hat man gesehen, was für eine Klasse die Bayern haben", gestand Höwedes den Leistungsunterschied ein.

Nach der zweiten Niederlage in Folge gilt es für die Königsblauen nun, schnell wieder in die Spur zurückzufinden und Konstanz in die eigenen Leistungen zu bringen. In den nächsten drei Begegnungen warten mit Freiburg, Hamburg und Lautern drei Abstiegskandidaten. Will man in die Spitzengruppe, darf man sich gegen diese Gegner eigentlich keine Ausrutscher erlauben.

Schalke - Bayern: Daten zum Spiel

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