BVB: Mit dem besten Gesamtpaket

Von SPOX
Sonntag, 26.02.2012 | 23:34 Uhr
Borussia Dortmunds Spieler feiern das 3:1 gegen Hannover - den siebten Sieg in Folge
© Getty
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Borussia Dortmund eilt von Sieg zu Sieg und Rekord zu Rekord - bleibt seiner zurückhaltenden Art aber treu. Die Gewissheit, das beste Gesamtpaket der Liga auf den Rasen zu bringen, genügt dem BVB. Hannover 96 kann der Niederlage beim Meister sogar noch etwas Positives abgewinnen.

Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): "Wir haben das Ding am Ende verdient gewonnen. Aber Hannover ist einfach echt eklig zu spielen. Locker und entspannt war das heute nicht. Das Ergebnis der Bayern hat uns weder überrascht noch gefreut, das hat für uns keine Relevanz. Wir haben noch elf Spieltage und haben unsere Probleme mit Verletzungen. Das sind Dinge, die muss man regeln. Darauf konzentrieren wir uns - aber darüber hinaus interessiert uns das Gerede um die Meisterschaft nicht. Uns interessiert Fußball - über alles andere können andere quatschen. Wir beißen uns komplett in unsere Aufgabe rein. Das finde ich relativ geil, wie die Mannschaft sich heute auf diese Probleme eingelassen hat. Das ist das Außergewöhnliche."

Mirko Slomka (Hannpover 96): "Natürlich hat Dortmund einen überragenden Angriff - die hätten auch zwei, drei Tore mehr schießen können. Aber wir halten dagegen und wir haben in der zweiten Halbzeit ein tolles Spiel geboten."

Ron-Robert Zieler (Hannover 96): "Dortmund hat uns gerade in der ersten Halbzeit dominiert. In der zweiten Halbzeit haben wir viel, viel besser gespielt. Gerade in der zweiten Halbzeit Kompliment an die Mannschaft, weil wir alles gegeben haben."

Nachbetrachtung:

Borussia Dortmund siegt weiter munter vor sich hin. Die Konkurrenz kann das schon fast nicht mehr beängstigen, es ist mittlerweile gute Sitte in Westfalen. Das 3:1 gegen Hannover war der siebte Sieg in Folge, das hat der BVB jetzt unter Jürgen Klopp schon dreimal geschafft. Sechs Spiele in Folge zum Start der Rückrunde zu gewinnen gelang bisher nur den Bayern in ihrer Fabel-Saison 1998/99. Getoppt wird die Bilanz nur von den 17 Bundesligaspielen in Serie, die die Mannschaft jetzt ohne Niederlage ist. Letzte Saison waren es "nur" 15.

Dass es Mitte der zweiten Halbzeit doch noch einmal eng wurde, war unter anderem wieder einer ungenügenden Chancenverwertung geschuldet. So konsequent der BVB in den letzten Jahren seine Schwächen abgestellt und in eigene Stärken umgewandelt hat, so sehr hinkt die Mannschaft in dieser Beziehung einem Spitzenteam noch hinterher. Etwas mehr Rationalität und Kaltblütigkeit würden einige Probleme erst gar nicht (mehr) aufkommen lassen.

Die aufgesetzte Gleichgültigkeit bei Fragen nach der Titelverteidigung nimmt dem BVB niemand ab. Aber warum sollten die Verantwortlichen an ihrem Understatement zu diesem Zeitpunkt der Saison auch etwas ändern? Letzte Saison änderte man die Linie auch erst wenige Spieltage vor Schluss und ist damit bestens gefahren.

Dass sich die Mannschaft aber kaum bis gar nicht um die Spiele der Konkurrenz schert, erscheint durchaus glaubhaft und plausibel. Es ist der BVB, der vor dem ersten Verfolger Bayern München vier Punkte Vorsprung hat und noch ein Heimspiel gegen die Bayern, die zuletzt dreimal in Folge geschlagen wurden.

Nur der BVB hat die Dinge selbst in der Hand, so etwas beruhigt. Zumal das Vertrauen in die eigene Stärke genau das richtige Maß erreicht hat: es wirkt weder arrogant noch falsch zurückhaltend - sondern einfach nur den Tatsachen entsprechend.

Der BVB setzt an den Schwachpunkten des Gegners an und bearbeitet diese penetrant. Gegen Hannover kam Dortmund so zu 22 Torschüssen. Zuletzt musste Hannover in der Beinahe-Abstiegs-Saison bei einem 0:7 in München eine derart hohe Quote zulassen.

Die Borussia hatte müde Gäste erwartet und war in allen relevanten Statistiken klar dominant: bei der Laufstrecke (117 zu 111 km, sieben BVB-Spieler im zweistelligen Bereich, vier bei Hannover), den Sprints (206 zu 159, fünf Dortmunder hatten mehr Sprints angezogen als der beste Hannoveraner) oder den Flanken der starken Außenspieler Piszczek, Kuba oder Schmelzer (16 zu fünf Flanken).

In Dortmund stimmt das Gesamtpaket aus detailierter Spielvorbereitung und Umsetzung auf dem Rasen derzeit perfekt, gerade deshalb darf das Heimspiel kommendes Wochenende gegen Mainz 05 mit großer Spannung erwartet werden: Mainz ist die Mannschaft der Liga, die sich personell und taktisch am meisten am Gegner orientiert. Nicht umsonst erwartet Jürgen klopp "bis an die Zähne bewaffnete Mainzer"...

Hannover dagegen hat das erste Mal nach einem Spiel in der Europa League eine Partie in der Bundesliga verloren. Das spricht eindeutig für den Charakter und die gewachsene Mentalität der Mannschaft von Mirko Slomka, dass sie den Highlights in Europa stets auch den Pflichtaufgaben in der Liga gewissenhaft hinterher geht. In Dortmund war am Sonntag schlicht nicht mehr drin.

Hannover hat sich zu einer der Topmannschaften Deutschlands gemausert, mit einer klar strukturierten Spielidee und mittlerweile auch einem sehr beachtlichen Personal, besonders im Sturm. Dennoch hat die erste Stunde im Signal Iduna Park wohl auch gezeigt, dass es für die Niedersachsen noch weiter nach oben nicht gehen wird. Zumindest nicht in dieser Saison.

Zu Hause hat Hannover den BVB, die Bayern oder Werder geschlagen, gegen Schalke ein Remis geholt. Auswärts gab es aus zwölf Spielen bisher aber nur zwei Siege. Das könnte selbst für die Teilnahme an der Europa League zu wenig sein.

Trotzdem kann Trainer Mirko Slomka der Niederlage in Dortmund noch etwas Positives abgewinnen. Letzte Saison fiel seine Mannschaft nach einer 1:0-Führung nach einem Gegentor in sich zusammen, verlor am Ende mit 1:4. Dieses Mal wehrte sich 96 bis zum Ende erbittert, trotz der Belastung aus dem Brügge-Spiel.

Dortmund - Hannover: Daten zum Spiel

 

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