Eine Frage der Mentalität

Von Für SPOX in Bremen: Stefan Rommel
Samstag, 10.12.2011 | 22:29 Uhr
"Was soll man noch machen?" Diego Benaglio (r.) im Austausch mit Marcel Schäfer (3.v.l.)
© Getty
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Der VfL Wolfsburg bleibt seiner Linie treu, holt sich in Bremen die nächste Auswärtsniederlage ab und steckt im Abstiegskampf. Die Patchwork-Mannschaft hat immer noch erhebliche Probleme mit sich selbst. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Im kleinsten Ansatz Wolfsburger Glückseligkeit meldeten sich die Fans dann doch noch kurz zu Wort. Der wenig liebliche Gesang beinhaltete aber mehr als eine bloße Nachricht an die Spieler auf dem Rasen.

Trotzig bedachten die Anhänger der Gäste den Treffer von Marcel Schäfer zwei Minuten vor Schluss. Während die Mannschaft nach etlichen vergebenen Chancen noch sah: "Wir können es ja doch", sagten die Fans: "Wir ham die Schnauze voll."

Nahe der Selbstaufgabe

Mit 1:4 wurde der VfL Wolfsburg von Werder Bremen abgewatscht, und wären die Bremer nicht noch fahrlässiger mit ihren Gelegenheiten umgegangen als der VfL, hätte der Ausflug nach Bremen für die Gäste in einem echten Debakel enden können.

Nahe der Selbstaufgabe torkelte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit ihrem Schicksal entgegen, unfähig, sich der Bremer Angriffe zu erwehren, die phasenweise im Minutentakt durch die Wolfsburger Defensive schnitten.

Dass die Wölfe im Gegenzug recht passabel selbst nach vorne spielten, kaschiert die wahren Probleme vielleicht ein bisschen. Eine nachhaltige Lösung ist aber auch nach der Hälfte der Saison nicht ansatzweise in Sicht.

"Das ist nicht bundesligareif"

"Es ist zu einfach, gegen uns Tore zu schießen. Das ist nicht bundesligareif! Deswegen stehen wir ja auch da, wo wir stehen", sagte Trainer Felix Magath danach im Interview mit "Liga total". "Mit einem Gegentreffer sinkt bei uns die Bereitschaft, zu verteidigen. Wir haben einfach nicht die mentale Stärke, auswärts nach einem Gegentor noch mal zurückzukommen."

Da helfen auch Magaths Maßnahmen nicht, weder die Ausbootung einiger Spieler, noch ein kurzfristig anberaumtes Trainingslager in der Sportschule Barsinghausen. Verlässt der VfL die Stadtgrenze, kommt nichts Gutes dabei rum.

Schlechteste Saison bisher

Mit jetzt sieben Niederlagen aus neun Spielen ist Wolfsburg die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga, neun Niederlagen gab es zu diesem Zeitpunkt der Saison seit dem Aufstieg vor 14 Jahren noch nie. Und noch ein Faktum: Alle Niederlagen auswärts waren klar, mit mindestens zwei Toren Unterschied trat Wolfsburg jedes Mal wieder die Heimreise an. Besserung? Nicht in Sicht.

"Wir haben zwei Gesichter: Auswärts eine Katastrophe - da sind wir die schlechteste Mannschaft der Liga", sagt Magath. Der kleine Trost: "Zu Hause läuft es viel besser." Es trudelt so dahin in Wolfsburg. Von den Fans kommt kaum Druck, der Konzern im Hintergrund hält (noch) die Füße still. Magath ist in seiner Doppelfunktion noch immer unantastbar.

Blick nach unten gerichtet

Auch die gewohnt großen Personalrochaden - elf Spieler gingen vor der Saison, zwölf neue kamen; für die Winterpause sind erneut größere Änderungen angekündigt - machen bisher niemanden nervös. Einige in der Patchwork-Mannschaft aber haben den Blick tendenziell schon nach unten gerichtet.

"Man muss sich schon mit dem Thema Abstiegskampf befassen, wir müssen jetzt aufpassen", sagt Chris. Er war neben dem 20-jährigen Debütanten Sebastian Polter und Schäfer der einzige Spieler, der sich den Fragen der Presse stellen wollte. "Jeder hat gesehen, was wir verbessern müssen. Aber wir bekommen das derzeit nicht hin."

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Als wäre der Nachmittag im Weserstadion nicht schon bescheiden genug verlaufen, verletzte sich der Brasilianer auch noch am linken Knie. Eine genaue Diagnose sollen weitere Untersuchungen am Sonntag bringen.

Keine Identität, keine Mentalität

Die Mannschaft sollte auch trotz der vielen Umstellungen noch genügend Potenzial haben, um sich zumindest im gesicherten Mittelfeld einzupendeln. Aber selbst diese Mindestanforderung ist momentan zu viel verlangt. Stattdessen beträgt das Polster auf den ersten direkten Abstiegsplatz noch drei Punkte und ein Tor. Zwölf Punkte sind es bis Rang fünf.

Dem VfL fehlt neben einer Identität auch eine echte Mentalität. Die Mannschaft besitzt innerbetrieblich keine Struktur, beim ersten Gegenwind fällt das wackelige Konstrukt in sich zusammen. Und es gibt keinen in der Mannschaft, der sich auch mal mit großer Vehemenz gegen eine Niederlage auflehnt.

In Bremen waren Ashkan Dejagah und Marcel Schäfer noch die eifrigsten Wolfsburger, Schäfer fasste nach dem Spiel treffend zusammen: "Es wird auf alles hingewiesen. Wir reden vorm Spiel, bloß auf dem Platz kommt davon nichts rüber. Das ist unser Hauptproblem. Wir können das einfach nicht auf dem Platz umsetzen."

Ein Lichtblick: der kommende Gegner

Magath flüchtete sich in den schwachen Trost, dass in diesem Jahr keine Auswärtsspiele mehr für seine Mannschaft anstünden. Und zumindest der Blick auf den Spielplan lässt auf ein wenig Versöhnung hoffen.

Am kommenden Samstag kommt der VfB Stuttgart nach Wolfsburg. Der ist in dieser Saison der nahezu perfekte Aufbaugegner für Mannschaften in kleinen oder großen Krisen.

Bremen - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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