Bundesliga - 19. Spieltag

Werder Bremen: Ratlos in der Scheiße

SID
Sonntag, 23.01.2011 | 13:45 Uhr
Schwer gezeichnet von der Pleite: Die Bremer Marin, Fritz, Pasanen und Mertesacker (v.l.)
© Getty
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Mit der 0:3-Pleite am 19. Bundesliga-Spieltag beim 1. FC Köln ist Werder Bremen endgültig im Abstiegskampf angekommen. Die Mannschaft zeigte Auflösungserscheinungen. Die Reaktionen schwankten zwischen Ratlosigkeit und wütender Verzweiflung.
 

"Schizophren, Scheiße, unter aller Sau" - den drastischen Worten zufolge haben bei Werder Bremen alle den Ernst der Lage erkannt.

Auf dem Feld sah das beim 0:3 (0:2) beim 1. FC Köln allerdings ganz anders aus. Ein offenbar zerstrittener Haufen ergab sich ohne Kampf und Gegenwehr in sein Schicksal. Und so steckt der langjährige Champions-League-Stammgast plötzlich mitten im Abstiegskampf, statt um den Titel geht es um Schadensbegrenzung.

"Es geht ganz klar nur noch gegen den Abstieg", stellte Torhüter Tim Wiese klar und ergänzte: "Es gibt keine Erklärung für die Scheiße, die wir machen." Und Clemens Fritz ergänzte: "Wir haben uns unter aller Sau präsentiert. Wenn wir so auftreten, muss uns angst und bange werden."

"Hier verstecken sich alle"

In der Tat: Wer die Bremer in Köln auf und neben dem Spielfeld beobachtete, muss sich ernsthaft Sorgen machen um den Verein, der in den vergangenen Jahren als Vorzeigeklub für solides und erfolgreiches Arbeiten galt.

Das Team präsentierte sich als Mischung aus Unfähigkeit (Pasanen), Lustlosigkeit (Arnautovic, Pizarro) und Altersschwäche (Frings, Silvestre).

Auch Differenzen zwischen den Spielern traten deutlich zutage. Als zehn Bremer zu ihren Fans in die Kurve gingen, um sich auspfeifen zu lassen, fehlte ausgerechnet der in die Kabine gerauschte Kapitän Frings. Und Wiese schimpfte: "Hier verstecken sich alle."

Schaaf: "Ich bin nicht so wichtig"

Vielleicht ist auch das der Grund, warum Trainer Thomas Schaaf zermürbt und niedergeschlagen wirkte. Auf der Pressekonferenz musste er sich bereits fragen lassen, wie lange er sich "das noch antun" wolle.

"Es geht nicht um mich, ich bin nicht so wichtig", sagte er ausweichend: "Wir haben Fans und Freunde, die wir über Jahre gewonnen haben, enttäuscht. Wir müssen wieder da hinkommen, sie zu erfreuen. Ob ich das mache oder ein anderer, ist nicht so wichtig. Hauptsache, wir kommen wieder dahin."

Wie das gelingen soll, schien Schaaf nach dem Spiel noch nicht zu wissen. "Es klingt schizophren, aber wir haben gut trainiert", versicherte er: "Wir haben gewusst, dass es kein leichter Weg wird, aber so eine Leistung haben wir nicht erwartet." Auf die Frage, was gefehlt habe, sagte er: "Alles, und das ist nicht nur ein Wort."

Und jetzt kommen die Bayern...

Auch Geschäftsführer Klaus Allofs wirkte ratlos. "Es ist nicht zu erklären. Wir haben unseren Augen auch nicht getraut, was sich hier abgespielt hat", sagte er: "Das war ein grausames Spiel. Kein Kampf, kein Wille, kein Glaube." Dass in der nächsten Woche ausgerechnet die erstarkten Bayern warten, sei "fast schon ein Segen".

Was Werder in den nächsten Wochen und Monaten erwartet, ist Allofs, der in dieser Saison schon zahlreiche erzieherische Maßnahmen ausprobierte, diesmal aber "keinerlei Strafen" ankündigte, klar: "Wir sind längst nicht raus aus dem Abstiegskampf."

Podolski überragend

Das sind auch die Kölner nicht, doch der Auftritt der im Winter durch vier Neuzugänge verstärkten Elf macht Mut. Vor allem Nationalspieler Lukas Podolski blüht als neuer Kapitän auf. Zweimal traf er (7./84.), einmal Adam Matuschyk (33.).

"Das war auch ein Sieg gegen den Anwalt hier aus Köln", sagte Podolski mit Bezug auf eine Opposition gegen Präsident Wolfgang Overath: "Das hat mich noch mal extra motiviert."

Mit seiner Leistung zeigte er auch, dass er unbedingt in Köln bleiben will. Denn ein Abgang im Falle des Abstiegs scheint sicher, die Ablösesumme ist auf angeblich fünf Millionen festgeschrieben.

Mit dem 15-Millionen-Angebot des russischen Meisters Zenit St. Petersburg hat sich Podolski aber nie ernsthaft beschäftigt. "Ich habe nie gesagt, dass ich da hin will", erklärte er lapidar: "Ich kann nichts dafür, wenn einer Interesse an mir hat."

Köln - Bremen: Daten zum Spiel

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