Nur Hoeneß stört

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Florian Bogner
Samstag, 22.01.2011 | 22:00 Uhr
Fleißig: Schweinsteiger (l.) legte zwei Tore auf, Robben traf einmal, Gomez (r.) erzielte drei Tore
© Getty
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Während die Konkurrenz patzt, baut der FC Bayern München mit einem 5:1 (1:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern seine beeindruckende Heimbilanz aus. Eigentlich ein Feiertag für den FCB, wären da nicht ein Hoeneß-Interview, ein beleidigter Trainer und das verpatzte Heimdebüt von Luiz Gustavo.

In den letzten zehn Minuten kamen die Fans des FC Bayern gar nicht mehr aus dem Jubeln heraus. Drei Tore der Roten, dazu die Verkündung der Treffer von Stuttgart (gegen Dortmund) und Wolfsburg (gegen Mainz) machten den Nachmittag für die Bayern-Anhänger außerordentlich vergnüglich. "Deutscher Meister wird nur der FCB", hallte es forsch durchs Stadion.

Und auch wenn das nackte Ergebnis gegen den 1. FC Kaiserslautern am Ende über eine lange zähe Partie hinwegtäuschte: Der 19. Spieltag lief ganz nach dem Geschmack des FC Bayern, der - egal wie Bayer Leverkusen am Sonntag spielt - erstmals in dieser Saison in der Tabelle einen besseren Platz als den Fünften belegen wird - was alleine schon erwähnenswert ist.

Und mit dem sechsten Heimsieg in Folge kam auch der Kampfgeist zurück. "Dortmund hat Punkte verloren, wir gewonnen. Natürlich guckt man nach oben, Hoffnung gibt es immer", sagte Trainer Louis van Gaal.

"Ich habe die Meisterschaft nie aufgegeben, das habe ich schon letzte Woche gesagt", meinte Kapitän Mark van Bommel nach dem Spiel, das vor allem das Startelf-Comeback seines Landsmanns Arjen Robben im Fokus hatte.

Startelf-Debütant Robben rockt

Robben brachte Bayern prompt mit seinem Tor zum 1:0 (45.) und dem genialen Pass auf Bastian Schweinsteiger vor dem 2:0 durch Mario Gomez (46.) auf die Siegerstraße und spielte bis auf ein paar Schnelligkeitsdefizite eigentlich so, als hätte er keine halbjährige Pause gehabt.

"Das erste Tor zu schießen, davon kann man nur träumen. Man denkt an die sechs Monate harte Arbeit", sagte Robben entsprechend selig, fügte aber auch selbstkritisch hinzu: "In der ersten Halbzeit habe ich zu viel gewollt. Ich wollte gleich alles zeigen."

Für Sportdirektor Christian Nerlinger war Robbens Startelf-Debüt trotzdem "absolut ungewöhnlich und beeindruckend", Trainer Louis van Gaal quittierte die Leistung seines Superstars mit dem obligatorischen "unglaublich" und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sagte: "Ich bin überzeugt, dass wir mindestens zehn Punkte mehr hätten, wenn er in der Hinrunde mitgewirkt hätte."

Die Worte des Präsidenten

Mario Gomez spielte übrigens auch ganz passabel, erzielte seinen dritten Dreierpack diese Saison und zog in der Torschützenliste mit Spitzenreiter Papiss Cisse gleich. 22:4 Tore in den letzten sechs Heimspielen verdeutlichen, dass die Performance vor eigenem Publikum stimmt.

Der FC Bayern wäre aber nicht der FC Bayern, wenn es nicht auch bei einem 5:1 ein wenig Drama gäbe. So sorgte Präsident Uli Hoeneß mit einem Interview in der "Süddeutschen Zeitung" für leichte atmosphärische Schwankungen. Die Zeitung war bei Louis van Gaal offenbar auf dem Frühstückstisch gelegen und hatte den Niederländer nicht wirklich amüsiert.

Warum? Hoeneß hatte in dem Interview unter anderem moniert, dass van Gaals Team derzeit nicht in der Lage sei, ein "schmutziges 1:0" einzufahren. Nach einer schwachen Hinrunde habe am 1. Januar "die Wahrheit dieser Saison begonnen".

Und über van Gaal sagte er: "Es ist die Frage, ob man immer mit dem Kopf durch die Wand muss. Van Gaal ist van Gaal, das betont er selbst. Das muss man wissen und respektieren, wenn man ihn verpflichtet. Und dazu gehören eben immer wieder Überraschungen."

Van Gaal beleidigt

Worte, die beim Trainer nicht gut ankamen. Man habe sich eigentlich drauf geeinigt, nur noch intern zu sprechen, sagte der Niederländer am Abend frostig. "Er ist eine Ikone. Ich kann einer Ikone nicht widersprechen. Aber ob es die Wahrheit ist, ist etwas anderes", meinte der Coach vielsagend.

Vorstandsboss Rummenigge wollte Hoeneß' Worte indes nicht überbewerten. "Ich glaube, wir sollten mit diesen ganzen Dingen gelassen umgehen, denn Druck ist nicht neu beim FC Bayern. Das kenne ich jetzt seit über dreißig Jahren - der normale Alltag."

Auch Nerlinger versuchte die Wogen zu Glätten. "Ich habe da wenig Kritik gelesen, ich habe Besorgnis gelesen", so die Interpretation des Sportdirektors. "Dazu hat er absolut das Recht und das nehme ich sehr ernst. Denn wenn einer ein Gespür für Situationen hat, dann ist es Uli Hoeneß."

Wenig Gespür für die eine oder andere Situation auf dem Spielfeld bewiesen dagegen Luiz Gustavo und Anatolij Tymoschtschuk. Der eine war von van Gaal etwas überraschend im defensiven Mittelfeld aufgeboten worden, der andere bekam in der Innenverteidigung den Vorzug vor Breno. Beide hatten jedoch nicht ihren besten Tag.

Gustavo: Chance nicht genutzt

Bereits nach 38 Minuten musste sich van Gaal eingestehen, dass Gustavo für eine tragende Rolle im defensiven Mittelfeld noch nicht zu gebrauchen ist. Ein paar Fehlpässe, falsche Laufwege, eine etwas zu offensive Position, kaum Bindung - der Trainer hatte bereits kurz vor der Halbzeitpause genug gesehen und ließ den Brasilianer mit Linksverteidiger Danijel Pranjic die Positionen tauschen.

"Es ist immer schwierig, ein Spiel schon nach zwei Wochen im neuen Team zu machen", sagte van Gaal zur Leistung seines Winterneuzugangs. Und Philipp Lahm fügte hinzu: "Klar braucht das noch ein bisschen Zeit. Ich kann nur daran erinnert, dass wir alle, als Louis van Gaal kam, Probleme hatten. Es dauert Wochen oder vielleicht Monate, bis man diese Spielphilosophie umsetzen kann."

Das Problem: Luiz Gustavo mag vielleicht der beste Ballklauer der Liga sein und eine starke Antizipation haben. Beim FC Bayern hat man jedoch meistens schon den Ball. Dann sind andere Talente gefragt. Gustavo, der seine Chance auf einen Stammplatz auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld damit erstmal vertan hat, steht vor einem Lernprozess.

Tymoschtschuk hingegen bekam den Vorzug vor Breno, weil sich van Gaal gegen das 4-1-4-1 der Lauterer aus der Innenverteidigung heraus "mehr Initiative" wünschte und der Trainer die Spielaufbau-Qualitäten des Ukrainers offenbar schätzt. Dennoch machte "Tymo" diesmal ein eher schwächeres Spiel, patzte wie Gustavo beim 1:2 und ließ kurz vor Schluss eine klare Torchance etwas lässig aus.

FCB gegen Wolfsburg besser

Überhaupt war das Spiel der Bayern trotz des klaren Ergebnisses wenig glanzvoll gewesen. Beeindruckend war höchstens die Konsequenz, mit der der FCB naives Fehlverhalten des Gegners bestrafte. "Es war vom Spielverlauf her bestimmt kein Spiel, das 5:1 ausgehen muss", sagte Lahm und meinte sogar, dass man zum Rückrundenauftakt in Wolfsburg (1:1) besser gespielt habe.

Am Schluss blieb noch die Frage offen, ob es vielleicht Mark van Bommels letztes Heimspiel für den FC Bayern gewesen sei. Bis zum 31. Januar hat der Kapitän noch Zeit für einen Wechsel. Auch wenn sein Berater Mino Raiola sagte, er bleibe "zu 99.9 Prozent" bei Bayern - ein Hintertürchen bleibt offen.

"Ich konzentriere mich nur auf Fußball, mit allem anderen beschäftige ich mich nicht", war allerdings das einzige, was aus van Bommel rauszubekommen war.

Dafür sprach Arjen Robben: "Es ist eine schwierige Situation für ihn. Ich kann nur hoffen, dass er bleibt. Er ist nach wie vor ein wichtiger Spieler für uns."

Bayern - Kaiserslautern: Daten zum Spiel

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