Spieler im Fokus des 9. Spieltags: Neven Subotic

Neven spielt WM

Montag, 23.10.2017 | 15:40 Uhr
Neven Subotic spielte erstmals seit 598 Tagen wieder für Borussia Dortmund
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Beim 2:2 bei Eintracht Frankfurt lief Neven Subotic erstmals seit März 2016 für Borussia Dortmund auf. Im Spiel machte der 28-jährige Innenverteidiger einen souveränen Eindruck, danach redete er über Urlaube, WM-Spiele und Steaks.

So wirklich wusste Neven Subotic am späten Samstagnachmittag noch nicht, wie er seine Gemütslage genau beschreiben sollte, also versuchte er es mit Vergleichen. Er fühle sich wie "jemand, der nach einem langen Urlaub nach Hause zurückkommt, denn die Bundesliga ist wie mein Zuhause seit zehn Jahren", sagte Subotic und hatte noch eine andere Idee: "Es war irgendwie wie ein WM-Spiel für mich." Die Rückkehr aus dem Urlaub in die Commerzbank Arena von Frankfurt, das WM-Spiel gegen die Eintracht.

Dieses eigentlich ganz gewöhnliche Bundesligaspiel hatte für Subotic nämlich eine gewaltige Bedeutung. Es war seine erste Partie für den BVB seit 598 Tagen. Letztmals lief er zuvor im März 2016 für Dortmund auf, damals in der Europa League gegen die Tottenham Hotspur. Es war im ersten Jahr unter Trainer Thomas Tuchel, das für Subotic reichlich frustrierend verlief.

Subotic schrie Robben ins Gesicht und sich in die Herzen der Fans

Tuchel hielt offenkundig nicht viel von Subotic, er war kein Tuchel-Spieler, sondern ein Klopp-Spieler. 2008 wechselte Subotic gemeinsam mit Jürgen Klopp von Mainz nach Dortmund, 19 war er damals. Subotic entwickelte sich zum jahrelangen Stammspieler und gestaltete den Dortmunder Aufstieg vom Beinahe-Pleite-Klub zum deutschen Meister und Champions-League-Finalisten aktiv mit. Er schrie Bayerns Arjen Robben nach einem verschossenen Elfmeter 2012 ins Gesicht und sich so in die Herzen der BVB-Fans. Subotic ist kein Techniker, sondern ein Kämpfer und auch - oder gerade - das kommt gut an in Dortmund.

Im Sommer 2015 übernahm aber Tuchel den Trainerposten von Klopp und für Subotic begannen schwierige Monate. Nur sechs Mal kam er in der ersten Bundesliga-Saison unter Tuchel zum Einsatz, im darauffolgenden Sommer sollte er sich einen neunen Klub suchen. Mit dem FC Middlesbrough schien alles ausgemacht, doch Subotic fiel durch den Medizincheck. Das nächste halbe Jahr verbrachte Subotic wahlweise in der Reha oder bei der zweiten Mannschaft des BVB.

Im Winter zog er leihweise zum 1. FC Köln weiter und kehrte in diesem Sommer zurück, statt Tuchel war mittlerweile Peter Bosz Trainer. "Man kann sicher sein, dass Neven in Dortmund auch als Innenverteidiger Nummer sechs mit leuchtenden Augen anfangen und sich voll reinhauen würde", sagte dessen Berater Frieder Gamm der Bild. Recht hatte er mit beiden Aussagen: Subotic haute sich zwar voll rein, aber Subotic war auch unter Bosz weit entfernt von einem Stammplatz.

Dann aber sah Sokratis eine Rote Karte, dann erlitt Ömer Toprak eine Zerrung und dann fehlten mit Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek, Raphael Guerreiro und Erik Durm auch noch vier weitere Verteidiger. Und dann war Subotic eben plötzlich gefragt: In Frankfurt stand er in der Startelf. Das metaphorische WM-Spiel, die metaphorische Rückkehr aus dem langen Urlaub eben.

Das schöne Abendessen mit Steak

Und bei der Rückkehr waren sogar einige Freunde von früher da, von der wilden Zeit des Dortmunder Wieder-Aufstiegs zum Spitzenklub. Mario Götze zum Beispiel oder Nuri Sahin, der das 1:0 erzielte. Subotic war einer der ersten, der zum Jubeln heranstürmte, sie haben ja schon so viel gemeinsam erlebt. "Es fühlt sich immer gut an, wenn Neven auf dem Platz steht", sagte Sahin nach dem Abpfiff.

Zwischen diesem 1:0 und dem Abpfiff erlebten sie dann nochmal jede Menge: Der BVB ging 2:0 in Führung, verspielte den Vorsprung letztlich aber doch noch. "Das Gefühl am Anfang war wunderschön, aber jetzt überwiegt natürlich die Enttäuschung in Bezug auf das Resultat", sagte Subotic. Relativ schnell schaltete er während dem Spiel vom Euphorie- in den Alltags-Modus. Der puren Freude über die Rückkehr wich der Wunsch nach sportlicher Rechtfertigung seines Einsatzes.

70 Mal war er am Ball, 47 Mal passte er ihn, zwölf Zweikämpfe bestritt er, neun Mal klärte er, Foul unterlief ihm keines und grober Fehler auch nicht. Subotic versuchte der jungen Mannschaft und vor allem Julian Weigl, seinem jungen Nebenmann auf ungewohnter Position, in einem wilden Spiel gegen einen aggressiven Gegner Ruhe zu geben - und daran hatte er große Freude. "Die Eintracht ist sehr laufstark, spielt sehr robust. Die haben uns das Leben wirklich schwergemacht", sagte Subotic, "aber für einen Innenverteidiger wie mich ist das wie ein schönes Abendessen mit Steak."

Subotic: Körperlich weg, im Herzen nicht

Subotic genoss das Steak sichtlich aber es sättigte ihn nicht. Nein, es machte ihm eher Appetit auf noch ein Steak und noch eines. Subotic will nicht immer nur im Training gefordert werden, sondern auch im Spiel. "Ich hoffe, dass ich noch weitere Chancen bekomme und beweisen kann, dass ich der Mannschaft helfe", sagte er. "Zuschauen ist zwar auch schön, aber das kann ich auch nach der Karriere. Ich möchte auf dem Rasen stehen - so oft wie möglich."

Subotic ist zwar schon seit Ewigkeiten dabei, er ist aber auch erst 28 Jahre alt. In einem Alter also, in dem er eigentlich noch viel spielen und wichtig sein will. Zuletzt wurde deshalb wieder über einen Abschied im Winter spekuliert, Hannover 96 soll interessiert sein. Das Spiel gegen die Eintracht war jedenfalls die neuerliche Bestätigung dafür, dass auf Subotic Verlass ist. Sowohl für mögliche Interessenten, als auch für den BVB. Es ist nämlich auch für Dortmund durchaus nicht schädlich, einen verlässlichen Innenverteidiger im Kader zu haben, der sich voll mit dem Klub identifiziert und zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird.

"Neven Subotic ist wieder da", sagte Neven Subotic also nach dem Spiel und relativierte: "Obwohl ich eigentlich nie weg war." Er meinte damit nicht, dass er körperlich nie weg war, er hat ja für Köln gespielt. Er meinte, dass er im Herzen nie weg war. Und auch falls er nochmal wechseln sollte, wäre er irgendwo tief im Herzen wohl immer noch in Dortmund.

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