Dienstag, 10.05.2016

FC Bayern: Renato Sanches im Porträt

Der, neben dem Ronaldo verblasst

Fünf Monate brauchte Renato Sanches, um halb Europa auf sich aufmerksam zu machen. Letztendlich machte Bayern München das Rennen um den 18-Jährigen. 35 Millionen Euro zahlt der deutsche Rekordmeister für einen Spieler, dessen unvergleichlicher Aufstieg einst mit 750 Euro und 25 Fußbällen begann.

Ein einfacher Doppelpass mit Jonas an der linken Außenbahn. Ballannahme und -mitnahme in einer fließenden Bewegung Richtung Mitte. Sieben Gegenspieler stehen hinter dem Ball, alle schauen zu und gewähren dem ballführenden Spieler den Raum, den er braucht. Er erkennt die Situation, sagt Danke und zieht aus 35 Metern halblinker Position ab. Praktisch ohne einmal vorher um die eigene Achse zu rotieren, schlägt die Kugel oben rechts ein.

Das erste öffentliche Ausrufezeichen in der noch so jungen Karriere des Renato Junior Luz Sanches war gesetzt. Nach seinem Startelf-Debüt eine Woche zuvor bei Sporting Braga durfte Sanches erstmals im heimischen Estadio da Luz von Beginn an ran. Beim 3:0-Sieg gegen Academica Coimbra am neunten Spieltag nutzte er die Chance und spielte sich auch dank des traumhaften Distanzknallers endgültig im Team von Rui Vitoria fest. Benficas Bilanz in der Liga seit Sanches' Debüt: 24 Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage.

Dabei glänzte der gebürtige Portugiese mit kapverdischen Wurzeln zwar nur noch ein weiteres Mal als Torschütze. Doch das ist auch nicht seine primäre Aufgabe. Stattdessen fand der neue Trainer Vitoria mit Sanches vor der Viererkette die Stabilität, die zu Beginn der Saison noch vermisst wurde. So wurde nach drei Niederlagen aus den ersten acht Spielen bereits am Trainerstuhl gerüttelt. Jetzt steht Benfica vor dem Saisonfinale am kommenden Wochenende auf der Pole Position im Kampf um die portugiesische Meisterschaft.

18 Jahre - Zumindest auf dem Papier

Sanches überzeugte auf dem Weg dorthin mit seiner Vielseitigkeit, Unermüdlichkeit und Antriebskraft. Mit erst 18 Jahren bringt er eine beeindruckende Reife in seinem Spiel mit. Dank seiner versierten Technik und seiner Übersicht kann er das Spiel antreiben.

Oder aber er tritt auf den Ball, drosselt das Tempo und stellt seinen 1,76 Meter großen, gefühlt nicht minder breiten Körper zwischen Ball und Gegenspieler. So lässt er die Gegner an ihm abprallen, schirmt die Kugel erfolgreich ab und bringt sie sicher zum Nebenmann.

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Platz 17: Manuel Neuer: Der "Königstransfer" des FC Bayern im Sommer 2011 kostete stolze 22 Millionen Euro
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Ebenfalls Platz 12: Das Bayern-Schnäppchen 2007 - Franck Ribery kam für 25 Millionen Euro aus Marseille
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Platz 13 gemeinsam mit Thiago und Ribery: Rund 51 Mio. D-Mark (ca. 25 Mio. Euro) ließ sich Dortmund 2001 Parma-Star Marcio Amoroso kosten
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Platz 11: Mehdi Benatia: Der Marokkaner kostete die Bayern 26 Millionen Euro
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Platz 10: Der BVB überwies im Sommer 2013 27,5 Millionen Euro für den Armenier Henrikh Mkhitaryan nach Donezk
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Platz 7: Andre Schürrle wechselte für 30 Millionen Euro vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg und für 30 Millionen zum BVB. Doppelt Platz 7!
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Ebenfalls Platz 7: 30 Millionen Euro überwies der FC Bayern 2009 nach Stuttgart für Mario Gomez
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Platz 7 gemeinsam mit Gomez und Schürrle: Douglas Costa wechselte für 30 Millionen Euro im Sommer 2015 von Shakhtar Donezk zu den Bayern
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Platz 6: Die Bayern überweisen 35 Millionen Euro für den erst 18-jährigen Renato Sanches an Benfica Lissabon
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Platz 5: Julian Draxler wechselt für 36 Millionen Euro von Schalke nach Wolfsburg. Mit Bonuszahlen könnte die Summe auf über 40 Millionen anwachsen
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Platz 4: Für Mario Götze überwiesen die Münchner 37 Millionen Euro im Sommer 2013 an Borussia Dortmund
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Platz 2: Arturo Vidal kommt als Weltstar zum FC Bayern, 37 Millionen plus maximal 3 Millionen Euro als Bonuszahlungen bekommt Juve als Entschädigung
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Geteilter Platz 2: 36? 37? 38? Irgendwo zwischen 35 und 40 Millionen Euro dürfte die Summe liegen, die die Bayern im Sommer 2016 nach Dortmund für Mats Hummels überweisen
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Platz 1: Javi Martinez wechselte 2012 für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao zum FC Bayern München
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Als Box-to-Box Spieler ist er fast überall auf dem Feld zu finden, am effektivsten bewies er sich bisher aber im Zentrum. Defensiv zieht Sanches mit seiner Laufstärke und seiner enormen Physis seinen Gegenspielern den Zahn. "Er bringt die Balance des Gegners durch seine Läufe durcheinander", sagt Ex-Benfica-Spieler Vitor Paneira über das dynamische Kraftpaket. Nicht zu vergessen ist auch seine Schussgewalt, die er bereits andeutete, bisher aber noch nicht voll zum Tragen gekommen ist.

Dank Vitoria zu den Profis

"Er hat eine super Übersicht und spielt tolle Pässe", sagt Lukas Raeder zu SPOX über das Top-Talent. Der Ex-Bayer steht seit 2014 bei Vitoria Setubal in der portugiesischen Liga unter Vertrag und weiß daher: "Für sein Alter ist Sanches körperlich schon sehr weit entwickelt." Diego Simeone traf mit Atletico Madrid in der Champions-League-Gruppenphase auf Benfica. Und auch er beobachtete: "Er hat einen starken Schuss und ein gutes Auge. Es ist immer toll, gute und junge Spieler zu sehen."

Dass Sanches dieser blitzartige Aufstieg unter Jorge Jesus verwehrt geblieben wäre, hätte sich dieser im Sommer nicht Richtung Sporting verabschiedet, ist zwar spekulativ, aber durchaus zu hinterfragen. Schließlich war der Ex-Trainer während seiner sechsjährigen Amtszeit nicht dafür bekannt, auf die eigene Jugend zu setzen.

Mit Vitoria kam dagegen ein Mann, der seine ersten Schritte als Trainer im Nachwuchsbereich von Benfica machte. Und er sorgte dafür, dass Sanches nicht mehr aus der Startelf wegzudenken ist.

Aus 25 Fußbällen werden 35 Millionen Euro

Die Reise zum Profidebüt begann mit neun Jahren, als Sanches für 750 Euro zum portugiesischen Rekordmeister kam. Damals brauchte der kleine Sanches angeblich sage und schreibe 15 Minuten, um die Benfica-Scouts von sich zu überzeugen. Außerdem stehen seinem Kindheitsverein Aguias Musgueira noch 25 Fußbälle zu.

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Diese wurden dem Verein, der eine Viertelstunde vom Estadio da Luz entfernt liegt, versprochen, sollte Sanches eines Tages einen Profivertrag unterschreiben, was im Dezember 2015 geschah. Kurz nach seinem Distanzknaller gegen Academica.

Nur fünf Monate nach diesem Ausrufezeichen folgt nun der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere. Bayern München heißt die Adresse, bei der Sanches in die Weltspitze eintreten will. Angeblich wurde er zuvor 24 Mal von Manchester United beobachtet. Die portugiesische Sportzeitung A Bola zählte 13 Vereine aus acht Ländern auf, die Benficas 5:1-Sieg gegen Sporting Braga von der Tribüne aus verfolgten. Abgesandte aus München sollen nicht dabei gewesen sein.

"Einer der besten jungen Spieler in Europa"

Der deutsche Rekordmeister hatte aber das Vergnügen mit seinem Neuzugang in den zwei direkten Duellen im Champions-League-Viertelfinale. "Er ist bei Weitem einer der besten jungen Spieler in Europa. Er hat viel Qualität und Persönlichkeit, läuft viel auf dem Platz. Er hat eine große Zukunft vor sich", sagte Pep Guardiola nach den Partien, von denen Sanches keine Minute verpasste.

Dass die Bayern sämtliche Konkurrenten im Werben um das Mittelfeld-Juwel ausstachen, beweist einmal mehr das Standing, das der Klub in Europa hat.

"Wir sind glücklich, ihn trotz namhafter internationaler Konkurrenz für unseren Klub verpflichtet zu haben. Renato ist ein dynamischer, zweikampfstarker und technisch versierter Mittelfeldspieler, der unsere Mannschaft weiter verstärken wird", ließ Karl-Heinz Rummenigge stolz verlauten.

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CR wer?

35 Millionen Euro bezahlt der deutsche Meister für den Teenager. Die wahre Summe wird aber vermutlich undurchsichtig bleiben. Die Bayern sprechen von "möglichen Bonuszahlungen, die zum Beispiel fällig werden könnten, falls der Spieler in die Weltelf berufen wird oder FIFA-Weltfußballer werden würde." Nach Angaben Benficas könnte die Transfersumme mithilfe dieser Bonuszahlungen auf bis zu 80 Millionen Euro steigen - was bei vielen Klauseln aber utopisch bleiben dürfte.

Wie Sanches mit dieser nun neuen Art von Aufmerksamkeit nach nur einem Profijahr zurechtkommen wird, bleibt abzuwarten. Welche Dimensionen der Hype um seine Person ausgelöst hat, dürfte ihm aber spätestens bei seinem Debüt für die Nationalmannschaft gegen Bulgarien Ende März klar geworden sein.

In der 85. Minute, Sanches stand gerade elf Minuten auf dem Platz, stürmte ein junger Fan auf den Debütanten zu, klatschte mit ihm ab und umarmte ihn mit einem Funkeln in den Augen. Nur wenige Meter entfernt stand Cristiano Ronaldo und beobachtete die Szene - teilnahmslos.

Renato Sanches im Steckbrief

Frederick Müller

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