Freitag, 22.01.2016

Schiri-Check 2 - Saison 2015/16

Ein Lichtblick namens Stieler

Aytekin, Meyer, Stark & Co.: In unserem faktenbasierten Schiri-Check analysieren wir weiterhin das Leistungsniveau der Bundesliga-Schiedsrichter und werfen den Fokus auf Fehlentscheidungen, Auftreten und Spieleransprache. Vor dem Rückrundenstart gibt's die Zwischenzeugnisse. Die fallen nicht besonders positiv aus.

Tobias Stieler im Gespräch mit Pep Guardiola beim Bayern-Gastspiel in Sinsheim
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Tobias Stieler im Gespräch mit Pep Guardiola beim Bayern-Gastspiel in Sinsheim

Von Zufriedenheit kann keine Rede sein. Die Schiedsrichter enttäuschten über weite Strecken der ersten Saisonhälfte und leisteten sich zahlreiche haarsträubende Patzer. Als wäre das nicht schlimm genug, kam auch noch das Verletzungspech hinzu. Doch immerhin ein Referee sorgt für echte Lichtblicke.

Jede Menge Fehler: Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel, der erst kürzlich seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft zum Ende der Saison bekannt gab, konnte sein Missfallen nicht kaschieren. "Es gab viele Leistungen, Leitungen und Entwicklungen, die sehr positiv waren. Aber insgesamt können wir nicht zufrieden sein", bilanzierte der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses nach der Hinrunde. In der Tat ließen die Leistungen der Unparteiischen bis dato oftmals zu wünschen übrig. Allzu oft gerieten die Referees in die Diskussion und den Mittelpunkt der Kritik.

Mit einer Durchschnittsbewertung von 3,01 und einer Fehlerquote von 0,78 liegen die Werte deutlich schlechter als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison (2,92 / 0,65). Seit Start des SPOX-Schiri-Checks in der Spielzeit 2012/13 gab es nur eine Saison mit schwächeren Werten.

Doch nicht allein die Vielzahl der falsch getroffenen Entscheidungen gab den Ausschlag für die vehemente und nachhaltige Schiedsrichterdebatte. Vor allem die schweren und offenkundigen Patzer wie das anerkannte Handtor von Leon Andreasen oder der übersehene Abseitstreffer des VfL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen sorgten für Unverständnis und Ärger bei den Beobachtern.

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Immer wieder Stieler: Die Zahl der Einsätze eines Referees lässt grundsätzlich Rückschlüsse auf sein Leistungsniveau und das Vertrauen zu, das ihm vom DFB entgegengebracht wird. Im Falle von Tobias Stieler kann man dementsprechend davon ausgehen, dass Herbert Fandel große Stücke auf ihn hält. Der 34-jährige Unparteiische kam in der Hinrunde auf elf Einsätze - so viele wie kein anderer seiner Kollegen.

Besonders bemerkenswert: Stieler wurde gleich mit der Leitung mehrerer Topspiele betraut und machte dabei in der Regel eine gute Figur. Seine fehlerfreien, abgeklärten und überzeugenden Auftritte in den Partien zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Bayern (13. Spieltag) sowie zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach (16. Spieltag) wurden jeweils mit der SPOX-Note 1,0 bewertet.

Allein in der Begegnung Mainz gegen Dortmund am 9. Spieltag hinterließ Stieler einen schlechten Eindruck, als er zu Unrecht auf Elfmeter für den BVB entschied, eine klare Abseitsstellung übersah und auch darüber hinaus einen unsicheren Eindruck machte. Von diesem Ausreißer abgesehen lieferte der in Hamburg beheimatete Referee eine starke Hinrunde ab und darf sich als eine der großen Perspektiven der deutschen Schiedsrichtergilde fühlen.

Platz 1 in unserer Schiedsrichtertabelle belegt nach den ersten 17 Spieltagen jedoch Peter Sippel. Der Münchener Unparteiische, der sich mit 46 Jahren im Spätherbst seiner Schiedsrichterkarriere befindet, weist nach der Hinrunde die geringste Fehlerquote (0,2) und die beste Durchschnittsnote (2,3) auf. Allerdings wurde Sippel bei seinen gerade einmal sechs Spielleitungen bislang kaum vor größere Herausforderungen gestellt.

Verletzungsfluch: Ausschlaggebend für Stielers hohe Einsatzzahl waren aber auch die vielen Verletzungen seiner Kollegen. Gleich drei Referees mussten wegen einer im Spiel erlittenen Läsion die Segel streichen und die Pfeife an den Vierten Offiziellen abgeben.

Dr. Jochen Drees konnte nach 55 Minuten die Partie zwischen dem HSV und Schalke 04 am 7. Spieltag nicht fortsetzen und überließ daraufhin die Spielleitung Marco Fritz. Drees musste daraufhin sechs Spieltage pausieren. Für Deniz Aytekin, der die Partie zwischen Darmstadt und Köln zur Halbzeit an seinen Kollegen abgeben musste, und Tobias Welz, der das Match zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund vorzeitig beenden musste, bedeuteten die Verletzungen sogar das Ende der Hinrunde.

Da auch Neuling Benjamin Brand längere Zeit wegen einer in einer Zweitligapartie erlittenen Verletzung ausfiel und Markus Schmidt die gesamte Hinrunde nicht zur Verfügung stand, kam es zeitweilig zu echten Engpässen. Folge: Einige Referees mussten echte Akkordarbeit leisten. So kam Wolfgang Stark an sechs der letzten sieben Spieltage des Jahres zum Einsatz und Tobias Stieler pfiff gleich an fünf Spieltagen in Folge.

Dreimal ganz übel: Der Eindruck, der - im Hinblick auf die Schiedsrichter-Darbietungen der der ersten Saisonhälfte 2015/16 - bleibt, ist besorgniserregend. Sinnbildlich dafür stehen einige geradezu katastrophale Referee-Leistungen.

Die Bilder der Hinrunde 2015/16
Vorhang auf für die 53. Saison der Bundesliga. Hier gibt's die besten Szenen und wichtigsten Ereignisse in loser Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit
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Meister FC Bayern bestreitet das Eröffnungsspiel gegen den Hamburger SV. In den Vordergrund spielt sich gleich ein gewisser Douglas Costa, Neuzugang aus Donezk
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30 Millionen bezahlen die Bayern für den Brasilianer. Gleich in seinem ersten Bundesligaspiel gelingen ihm ein Assist und ein Tor. Die Bayern schlagen den HSV 5:0
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Willkommen zurück: Nach 33 Jahren ist der SV Darmstadt 98 wieder erstklassig. Zwei Aufstiege in Folge machten es möglich. Zum Auftakt gibt's ein 2:2 gegen Hannover
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Erstmals überhaupt in der Bundesliga ist der FC Ingolstadt. Die Schanzer überraschen mit einem 1:0-Sieg am ersten Spieltag in Mainz
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Dreimal ist Bremer Recht, heißt es so schön. Logisch also, dass Claudio Pizarro zum dritten Mal bei Werder anheuert. In Hoffenheim gibt er am 4. Spieltag sein Comeback
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Nach fünf Niederlagen zum Start schmeißt Lucien Favre völlig überraschend in Gladbach hin. Dabei hatte er die Borussia in die Champions League geführt
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Für Favre kommt Andre Schubert und eilt von Sieg zu Sieg. Das bringt ihm den Cheftrainer-Posten ein. Schubert führt Gladbach von Platz 18 auf vier
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Wo wir gerade bei Trainerwechseln sind: Stuttgarts neuer Coach Alexander Zorniger muss Ende November wegen anhaltender Erfolglosigkeit schon wieder gehen
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Für ihn übernimmt Jürgen Kramny bei den Schwaben. Wie Schubert in Gladbach ergattert auch er den Cheftrainer-Posten
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Markus Gisdol wurde in Hoffenheim entlassen - und Huub Stevens übernahm. Die TSG ist die sechste Bundesliga-Station des Niederländers
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Die One-Man-Show der Hinrunde: Robert Lewandowski erzielt gegen Wolfsburg als Joker fünf Tore in weniger als neun Minuten
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Bayerns Mittelstürmer stellte damit gleich zahlreiche Rekorde auf: schnellster Hattrick, schnellster Viererpack, schnellster Fünferpack, meiste Jokertore,...
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Auch sonst ließ es Lewandowski gut krachen: 15 Tore in der Hinrunde bei 16 Einsätzen, sieben Mal schlug er in der Champions League zu
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Übertroffen wurde er aber noch von Pierre-Emerick Aubameyang. Dortmunds Mittelstürmer netzte in der Hinrunde unglaubliche 18 Mal
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Überhaupt Dortmund: Unter Klopp-Nachfolger Thomas Tuchel ging's steil bergauf. Und es sage noch mal einer, der Mann sei nicht volksnah
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Besser als der BVB waren nur die Bayern. Besonders deutlich wurde das im direkten Duell am 8. Spieltag. Der Meister schlug den Herausforderer mit 5:1
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Themawechsel: Leroy Sane war sicherlich eine der Entdeckungen der Hinrunde. Seine Tricks und Treffer bescherten Schalke einen hervorragenden Saisonstart
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Eine starke Halbserie legte auch Yunus Malli vom FSV Mainz hin. Acht Tore erzielte der türkische Nationalspieler, drei davon allein im Match gegen Hoffenheim
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Und noch so ein Durchstarter: Javier Hernandez alias Chicharito kam von ManUnited zu Bayer Leverkusen und schoss auf Anhieb Tore am Fließband
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9. Spieltag in Köln: Leon Andreasen drückt den Ball mit dem Unterarm ins Tor. Der Treffer zählt. Hannover gewinnt durch diese Einlage 1:0 beim FC
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Noch so ein Aufreger: Leverkusen verliert am 11. Spieltag 1:2 in Wolfsburg. Das 1:0 der Wölfe war dabei ein klares Abseitstor. Völler tickt hinterher völlig aus
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Und noch eine fiese Fehlentscheidung: Die Bayern schlagen Augsburg am 4. Spieltag per Strafstoß in der 90. Minute, nachdem Feulner Costa gefoult haben soll
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Rene Adler spielt eine prima Saison im HSV-Tor. Beim 3:1 gegen Dortmund am 13. Spieltag zeigt er gleich serienweise todesmutige Paraden
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Was ist das? Kölns Profis auf dem Weg zum Training, sieht man doch. Dass das Bild am 11. November entstand, versteht sich von selbst
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Am Nikolaustag steigt das hessische Derby in Frankfurt. Die nicht so hellen unter den Eintracht-Fans verbrennen Darmstadt-Flaggen im großen Stil, die 98er gewinnen dafür mit 1:0
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Der 13. Bundesliga-Spieltag steht unter dem Eindruck der Terroranschläge in Paris und der Länderspielabsage in Hannover
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Die Sicherheitsmaßnahmen in und um die Bundesliga-Stadien werden stark erhöht. Zeitweise beginnen die Partien mit großer Verspätung
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Auf dem Rasen, wie hier in Hamburg, wird der Terroropfer von Paris gedacht und Solidarität mit Frankreich bekundet
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Doch zurück zum Sport: Die hervorragenden Leistungen von Hertha BSC sind die Erfolgsgeschichte der Hinrunde
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Besser als die Berliner sind nur Dortmund und - na klar! - die Bayern. Thomas Müller und Co. gewinnen auch in Darmstadt, wenngleich dort die Uhren anders ticken...
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Aber selbst die Bayern verlieren mal ein Spiel: Am 15. Spieltag ist es in Gladbach so weit. Lars Stindl und Co. gewinnen mit 3:1
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Eine Szene, die für großen Wirbel sorgte: Schalkes Geis (l.) verletzt Gladbachs Hahn mit einer brutalen Attacke schwer. Geis wird für fünf Spiele gesperrt, Hahn muss monatelang pausieren
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Eine Szene, die für großen Wirbel sorgte: Schalkes Geis (l.) verletzt Gladbachs Hahn mit einer brutalen Attacke schwer. Geis wird für fünf Spiele gesperrt, Hahn muss monatelang pausieren
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Noch mal ein Stück Fußball-Romantik: In Darmstadt am Böllenfalltor scheint irgendwie die Zeit stehen geblieben zu sein
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In München hat dagegen die Zukunft schon begonnen. Zum Hinrundenschluss verkündete Pep Guardiola seinen Abschied zum Saisonende...
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In München hat dagegen die Zukunft schon begonnen. Zum Hinrundenschluss verkündete Pep Guardiola seinen Abschied zum Saisonende...
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Die beiden absoluten Tiefpunkte trugen sich dabei jeweils bei Heimspielen des 1. FC Köln zu. So erwischte Daniel Siebert einen rabenschwarzen Tag, als er am 15. Spieltag die Partie der Domstädter gegen den FC Augsburg leitete und gleich zweimal auf üble Schwalben hereinfiel. Sowohl dem von Modeste verschossenen Elfmeter als auch dem von Bobadilla zum entscheidenden 1:0 verwandelten Freistoß ging jeweils kein Foulspiel voraus.

Eine noch eklatantere Fehlentscheidung erlaubte sich Bastian Dankert am 9. Spieltag in Köln, als er Leon Andreasens Handtreffer anerkannte. Der Rostocker Unparteiische machte in diesem Match eine denkbar unsichere Figur und lag auch bei den persönlichen Strafen regelmäßig daneben. Seine und Sieberts miserablen Auftritte wurden jeweils mit der SPOX-Note 6 bewertet.

Auch bei seinem nächsten Einsatz hinterließ Dankert einen unglücklichen Eindruck, wurde da aber von seinem Gespann schmählichst im Stich gelassen. In der Partie zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart lag er gleich bei drei Abseitsentscheidungen daneben und gab zwei irreguläre Treffer der Gastgeber, um dem regelkonformen Tor der Schwaben die Anerkennung zu versagen.

Trotz dieser zwei sehr mauen Leistungen und einer mit Platz 16 sehr durchwachsenen Hinserie gehört Dankert weiterhin zu den Zukunftshoffnungen der deutschen Unparteiischen.

Die Bundesliga im Überblick

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Patrick Völkner

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