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In Deutschland und vielen anderen Ländern ist der Fußball die populärste und am meisten diskutierte Sportart. Das ist auch bei SPOX so. Doch in Zeiten von Hawkeye und Milliarden-Verträgen gibt es noch immer zu viele Aufreger, die für Zuschauer und Beteiligte mehr Ärger als Freude bedeuten. Im SPOX-Wunschkonzert beleuchten wir zwei Aspekte, die den Fußball womöglich interessanter, zeitgemäßer und einfach besser machen könnten - zwei andere Sportarten liefern die Vorlage.

Hand ist Hand? Schön wär's!

Von Benedikt Treuer

Leon Andreasen sei Dank! Die Bundesliga-Vorrunde zeigte einmal mehr, dass es sie wirklich gibt: eindeutige Handspiele im Fußball. Mit einem perfekten Unterarm-Bagger und einem der klarsten Handtore der Bundesliga-Geschichte schenkte der Hannoveraner im Oktober seinem Team in Köln den wichtigen 1:0-Auswärtserfolg.

Dass Schiedsrichter Bastian Dankert und seine Kollegen die Situation aber gar nicht sahen und entsprechend auch nicht bewerteten, war fast genauso blöd wie die Tatsache, dass bei Handspielen selten so eine Klarheit vorliegt wie im Fall Andreasen.

Selbst im gleichen Spiel hatte es zuvor schon so eine knifflige Szene gegeben: Pawel Olkowskis Flanke lenkte Christian Schulz im Strafraum mit der Hand ab - auch wenn sich der 96-Kapitän vom Ball wegdrehte: Manch ein Schiedsrichter hat schon für weniger gepfiffen. Dankerts Pfeife blieb stumm. "Konsequente Linie", könnte man sagen.

Leidige Diskussion von großem Ausmaß

Was aber, wenn ein Pfiff viel weitreichendere Auswirkungen hat? So, wie im Relegationsspiel zwischen dem KSC und dem HSV im Sommer: Jonas Meffert bekam einen Schuss von Slobodan Rajkovic aus kurzer Distanz wenige Zentimeter vor der Strafraumgrenze an den Ellenbogen.

Der Karlsruher hatte seinen Arm angewinkelt und sich leicht weggedreht. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied dennoch auf Freistoß - in der 90. Minute praktisch die letzte Chance für den HSV, doch noch den Ausgleich zu erzielen und damit den Abstieg zu verhindern.

Marcelo Diaz' Fortsetzung der Geschichte ist hinlänglich bekannt. Wie gesagt: Es war nur ein Pfiff. Aber ein Pfiff, der in seiner Konsequenz die Arbeit einer ganzen Saison zunichtemachte. Und es wurde diskutiert, viel diskutiert. Wer Recht hat, ist jedoch schwer zu sagen. Dabei gibt es doch eigentlich ein Regelwerk.

FIFA-Regelwerk: Mehr Fragen als Antworten

Laut FIFA-Statuten liegt ein Handspiel vor, wenn der Spieler den Ball mit der Hand oder dem Arm absichtlich berührt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Ball die vorgesehene Flugrichtung verändert oder ein gegnerischer Spieler dadurch nicht in Ballbesitz gelangt. Einzig und allein die Absicht ist entscheidend.

Stuft der Schiedsrichter die Bewegung als unabsichtlich ein, kann er sie auch nicht bestrafen. Die FIFA sagt, der Unparteiische soll auf eine Bewegung der Hand zum Ball achten und nicht umgekehrt. Auch die Entfernung zwischen Spieler und Ball sei zu beachten. Der Schiedsrichter muss also auch beurteilen, ob der Spieler überhaupt eine Chance hatte, dem Ball auszuweichen.

Vor der Saison 2011/12 gab die FIFA eine neue Leitlinie an die nationalen Verbände weiter, die die Entscheidungsfindung um eine neue Definition bereicherte. Demnach wird bei der "Vergrößerung der Körperfläche" gepfiffen. Dann spiele es auch keine Rolle, aus welcher Distanz der Schuss abgegeben wurde - wie so oft erschwert eine vermeintlich verbesserte Fassung des Regelwerks den Schiedsrichtern ihre Arbeit zusätzlich, denn viele Ermessensentscheidungen können gänzlich unterschiedlich ausgelegt werden.

Wie stellt man eine "unnatürliche Handbewegung" beziehungsweise eine "fußballtypische Körperhaltung" fest? Woher weiß der Schiedsrichter, ob der Spieler "den Kontakt zwischen Ball und Hand vorhersehen" kann oder nicht? Es gibt in fast jeder Situation einfach zu viele Faktoren, die für oder gegen eine Absicht sprechen können, sodass die Ursache eines Handspiels kaum einheitlich bewertet werden kann.

Das Vorbild heißt Hockey

Dabei könnte alles so viel einfacher sein - für den Schiedsrichter, die Spieler und letztlich auch die Fans. Wie es sinnvoll und unmissverständlich funktioniert, und das auch ohne Murren, zeigt schließlich der Hockeysport.

Dort ist eine Berührung des Balls mit dem Fuß ein Fehler, ganz egal, ob es Absicht war oder nicht. Große Diskussionen gibt es keine, die Regel wird nicht hinterfragt. Sie wird von allen akzeptiert und umgesetzt.

Dass man wohl keine Ideallösung finden kann, scheint klar. Es wird immer Interpretations- und Entscheidungsspielräume geben, die womöglich in diverse Richtungen ausgelegt werden können. In Sachen Einfachheit, Verständlichkeit und Angreifbarkeit macht eine Anpassung der Handregel im Fußball - in Anlehnung an die Hockeyregeln - aber auf jeden Fall Sinn. Der Grundsatz sollte sein, die Regeln nicht komplizierter als notwendig zu gestalten.

Hand ist Hand? Schön wär's!

Natürlich hätte solch eine Regelanpassung im Weltsport Fußball große Diskussionen zur Folge. Immerhin würde man den Aspekt "Unabsichtlichkeit" mit dieser Entscheidung gänzlich ausklammern. Und doch würde man feststellen: Es ist wohl der einzige Wermutstropfen, den diese Änderung mit sich trüge. Skepsis und Kritik würden daher schnell abebben.

Denn gerade in Fällen, in denen ein Pfiff zukunftsweisende Konsequenzen für die Beteiligten hat, würde sich die Vereinfachung der Handregel auszahlen. Die Schiedsrichter müssten ihre Bewertung nur noch auf einer Ebene vornehmen: Handkontakt oder nicht? Absicht zu beurteilen, ist deutlich schwieriger, als eine Berührung wahrzunehmen, die man in Zweifelsfällen spätestens mit einem Videobeweis feststellen könnte.

Bis man diese Überlegung ernsthaft im Weltverband anstellt, werden weiterhin deutlich mehr falsche oder nicht klar auslegbare Schiedsrichterentscheidungen getroffen werden - mit verärgerten Benachteiligten und Profiteuren, die den Erfolg nur mit Beigeschmack genießen können. Handspiel ist Handspiel? Schön wär's, wenn es so einfach wäre.

Seite 1: Hand ist Hand? Schön wär's!

Seite 2: Videobeweis für mehr Klarheit!

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