Wunder, Teufel und Gladiatoren

Von Adrian Franke
Freitag, 22.05.2015 | 16:33 Uhr
Hannover und Freiburg werden sich einen Kampf liefern: Wer steigt ab?
© getty
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Es ist soweit: Der 34. Bundesliga-Spieltag steht bevor und der Abstiegskampf verspricht Spannung pur. Der Hamburger SV klammert sich an seine letzte Chance, während der VfB Stuttgart alles in der eigenen Hand hat. Freiburg und Hannover können den jeweils anderen im direkten Duell in den Keller stoßen. Außerdem: Klopp-Abschiedstränen beim BVB, Party in Gladbach - und verliert Bayern erneut?

Bayern München - Mainz 05 (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER)

Das sagen die Beteiligten:

Pep Guardiola (Bayern, über die Kritik der Wettbewerbsverzerrung): "Es war ein schweres Jahr. Nach der WM, das war das schwierigste. Hier in Deutschland sprechen zu viele Menschen. Sie sollten etwas mehr Respekt vor dem Deutschen Meister haben."

Thomas Schmidt (Mainz): "Da zu spielen, da kommt man sich wirklich wie kleine Gladiatoren vor. Und ihr wisst ja: Kleine Gladiatoren wachsen gerne über sich hinaus. Und das wollen wir an dem Spieltag."

Personal:

Bei Bayern fehlen: Reina (Rotsperre), Robben (Muskelbündelriss in der Wade), Ribery (Kapselentzündung am Sprunggelenk), Badstuber (Muskelriss), Alaba (Aufbautraining nach Innenbandriss im Knie), Starke (Trainingsrückstand), Kurt (nicht berücksichtigt)

Bei Mainz fehlen: Hofmann (Reha), Nedelev, Castillo (beide Aufbautraining), Soto (Knieoperation), Schilk, Roßbach (beide nicht berücksichtigt)

Darum geht's:

Großes Schaulaufen auf beiden Seiten. Für beide Teams geht es rechnerisch um nichts mehr, allerdings wollen sich beide zweifellos gut von den eigenen Fans in die Sommerpause verabschieden. Vor allem die Münchner dürften nach drei Pleiten in Folge sowie den vermehrten Vorwürfen von außerhalb wegen der Einstellung der Mannschaft besonders motiviert sein. Mainz kann zudem im grauen Mittelfeld noch einige Plätze gutmachen und sich so eine höhere Prämie sichern.

Die OPTA-Facts zum Spiel:

  • Der FC Bayern kassierte schon fünf Niederlagen in der Rückrunde, das passierte zuletzt 2008/09 unter Jürgen Klinsmann. Mehr gab es zuletzt 2006/07 unter Ottmar Hitzfeld.
  • Das 1:2 in Freiburg war für die Bayern die dritte Bundesliga-Niederlage in Folge, das passierte dem FCB zuletzt vor 17 Jahren unter Trainer Giovanni Trapattoni.
  • Bleibt der FC Bayern gegen Mainz ohne Gegentor gibt es zwei neue Saison-Rekorde zu bejubeln: Es wäre das 22. BL-Spiel ohne Gegentor für die Münchner und das 20. für Manuel Neuer - beide Werte wären ein neuer BL-Rekord.
  • Bastian Schweinsteiger steht vor dem 500. Pflichtspiel für die Profi-Elf des FC Bayern - nur sieben Bayern kommen seit dem BL-Aufstieg 1965 auf mehr Partien, angeführt wird die Liste von Oliver Kahn (632 Pflichtspiele).
  • Mainz holte in den zwölf Partien unter Martin Schmidt 18 Punkte - mehr als doppelt so viele wie in den zwölf Partien zuvor unter Kasper Hjulmand (8).

Dortmund - Werder Bremen (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER)

Das sagen die Beteiligten:

Jürgen Klopp (Dortmund): "Wir müssen ab der ersten Minute hellwach sein. Ich sehe es als meine Aufgabe, nicht zu nostalgisch in das Spiel zu gehen. Ich mag mir noch nicht vorstellen, was in mir vorgeht, wenn das Spiel abgepfiffen wird, wir möglicherweise gewonnen haben und mir bewusst wird, dass ich für vermutlich längere Zeit nicht mehr hier sein werde. Natürlich werde ich alles vermissen."

Viktor Skripnik (Bremen): "Wir wollen nicht nur das Stadion angucken, sondern mit einem Wunder gewinnen."

Personal:

Bei Dortmund fehlen: Großkreutz (Knieoperation), Sahin (Sehnenansatzreizung), Ramos (Knöchelverletzung), Alomerovic (BVB II)

Bei Bremen fehlen: Fritz (Wadenprobleme), Galvez (Knieprobleme), Garcia (Patellasehne), Yildirim (Meniskusoperation), Wolf (Hüftprellung), Lorenzen (Trainingsrückstand), Husic, von Haacke, M. Eggestein, Zetterer (alle nicht berücksichtigt)

Darum geht's:

Aus emotionaler Sicht zunächst einmal um den Abschied von Jürgen Klopp. Der BVB-Coach hat zwar noch das Pokalfinale vor sich, wird aber zum letzten Mal im heimischen Signal Iduna Park an der Seitenlinie stehen. Gleichzeitig kann Dortmund nach der völlig verkorksten Hinrunde die Europa League perfekt machen: Mit einem Sieg wäre die Borussia mindestens Siebter, was in Kombination mit dem Pokal-Endspiel in jedem Fall reicht.

Werder auf der anderen Seite darf ebenfalls von Europa träumen. Ein Sieg ist zunächst Pflicht, damit sich die Bremer am BVB vorbeischieben. Zudem wäre dann noch eine Dortmunder Pleite im Pokalfinale nötig. Ohne eigenen Sieg gegen die Borussia hat Werder in jedem Fall keine Chance mehr auf die EL.

Die OPTA-Facts zum Spiel:

  • 40 Mal verlor Dortmund in der Bundesliga gegen Bremen, nur gegen die Bayern gab es mehr Niederlagen (41).
  • Platz sieben reicht Werder für die Teilnahme an der EL-Qualifikation, wenn Wolfsburg das Pokalfinale gewinnt. Wird Dortmund Siebter, nimmt der BVB an der EL-Qualifikation teil. Bei einem Pokalsieg wäre Dortmund sicher in der EL-Gruppenphase.
  • In den ersten fünf Minuten einer Partie sowie in den ersten fünf Minuten nach der Pause kassierte Dortmund insgesamt neun Gegentore, das ist ligaweiter Höchstwert. Sechs Tore fielen 2014/15 in der ersten Minute, vier davon kassierte der BVB.
  • Dortmund gewann die vergangenen drei Heimspiele zu Null. Vier Heimsiege ohne Gegentor gab es für Dortmund zuletzt von April bis August 2009.
  • Dortmund steht kurz vor dem 1700. Heimtor in der Bundesliga (aktuell 1699). Bremen hingegen steht kurz vor dem 1500. Auswärtsgegentor (aktuell 1498).

Mönchengladbach - Augsburg (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER)

Das sagen die Beteiligten:

Lucien Favre (Gladbach): "Wir wollen auch im letzten Spiel punkten und natürlich gewinnen. Wir haben eine sehr gute Rückrunde gespielt, sehr gut verteidigt und wenige Tore kassiert."

Markus Weinzierl (Augsburg, laut der Bild): "Ich denke, dass sie aktuell die beste Mannschaft sind in der Bundesliga. Das beweist auch die Rückrunden-Tabelle. Wenn wir einen Punkt holen, sind wir sicher vor Dortmund und Bremen. Für uns gilt es, sie nicht ins Spiel kommen zu lassen. Erst Vollgas spielen, dann Vollgas feiern."

Personal:

Bei Gladbach fehlen: Dominguez (Rückenprobleme), Jantschke (5. Gelbe Karte), Stranzl (Ödem am Kniegelenk), Sezer (nicht berücksichtigt)

Bei Augsburg fehlen: Bobadilla (Rotsperre), Verhaegh (Gelb-Rote Karte), Caiuby (Muskelbündelriss), Ji, Djurdjic (beide muskuläre Probleme), Callsen-Bracker, Moravek, Reinhardt (alle Aufbautraining), Framberger (Meniskusoperation), Reinthaler, Ekin, Rieder (alle nicht berücksichtigt)

Darum geht's:

Party-Stimmung in Gladbach: Die Borussia hat die direkte CL-Qualifikation in der Tasche und kann das jetzt auch mit den eigenen Fans feiern. Bei einem Sieg wäre sogar noch die Vize-Meisterschaft drin, sollte Wolfsburg verlieren.

Augsburg auf der anderen Seite hat die EL-Teilnahme bereits sicher, sofern Werder nicht zwölf Tore und drei Punkte aufholt - ein Riesenerfolg für den FCA. Allerdings geht es noch um den fünften, sechsten oder siebten Tabellenplatz. Davon hängt ab, in welcher EL-Quali-Runde Augsburg einsteigt.

Die OPTA-Facts zum Spiel:

  • Der FC Augsburg ist der einzige aktuelle Bundesligist, gegen den die Fohlen die letzten beiden Partien im Oberhaus verloren (jeweils mit 1:2).
  • Gladbach ist erstmals seit 33 Jahren wieder in 13 BL-Spielen in Folge unbesiegt (zehn Siege) - Augsburg verlor fünf der letzten sechs Auswärtsspiele (dazu das 1:0 in München).
  • Die Borussia ist nicht nur das beste Rückrundenteam der Liga (39 Zähler), es ist gleichzeitig die beste Rückrunde in der Vereinsgeschichte der Gladbacher. Die sieben Gegentore in der zweiten Saisonhälfte stellen sogar einen neuen BL-Rekord dar.
  • Augsburg, in der Hinrunde wie Gladbach mit 27 Punkten, spielt seine schwächste BL-Rückrunde (19 Punkte), wird die Saison aber so gut abschließen wie nie zuvor (mindestens Platz sieben).
  • Gladbach hat sich zum ersten Mal seit 38 Jahren für die Königsklasse qualifiziert (1977/78 scheiterte der VfL im Halbfinale des Landesmeistercups am FC Liverpool), Augsburg steht kurz vor der ersten Teilnahme an einem Europacup-Wettbewerb.

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